Im Schatten des Königs - Manow, Philip

Philip Manow 

Im Schatten des Königs

Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation

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Im Schatten des Königs

Warum interessieren wir uns für die Haarfarbe Gerhard Schröders oder die Schönheitsoperationen Silvio Berlusconis? Philip Manow antwortet: Weil ein Teil der symbolischen Bedeutung, die ihren Sitz einst im Körper des Königs hatte, in der Demokratie nachlebt, nicht nur im Herrscherkörper, sondern auch im zentralen politischen Körper der repräsentativen Demokratie: dem Parlament. Zum Ausgangspunkt für seinen Essay über die politische Anatomie der Demokratie wählt Manow die Gestaltung moderner Plenarsäle. Anhand von weiteren Überlegungen zur Immunität von Abgeordneten, zur Öffentlichkeit parlamentarischer Verhandlungen und zur Frage, warum in George W. Bushs Wagenkolonne stets mehrere baugleiche Cadillacs fahren, kommt er zu dem Ergebnis, daß in der modernen Demokratie das staatstheoretische Gedankengut des Mittelalters überlebt.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 169 S. m. 17 Abb.
  • Seitenzahl: 169
  • Edition Suhrkamp Nr.2524
  • Best.Nr. des Verlages: 12524
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 110mm x 13mm
  • Gewicht: 110g
  • ISBN-13: 9783518125243
  • ISBN-10: 3518125249
  • Best.Nr.: 22804780
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.06.2008

Und sie bewegt sich noch
Nur der Widerstand ist für den Bürger konkret: Wie abstrakt kann die Demokratie bleiben?

Bei der Monarchie ist alles einfach: Der König hat eine Krone und sitzt auf einem Thron. Und wie sieht die Demokratie aus? Sie sieht gar nicht aus wie, sagen die einen, die abstrakt denken. Konkret ist es so: Von der Demokratie hat man eines Tages irgendein Bild. Ungewiss ist, wann sich die Vorstellung herausbildet. Im Kindergarten ist es sicherlich noch nicht so weit. In der Schule wird das Wort vielleicht mit anderen Wörtern aufgefüllt, die bald vergessen werden. Bleibt der erste staatsbürgerliche Gang zur Wahlurne - ja, und das große Gefühl, das irgendwann da ist, in einer Gesellschaft zu leben, in der man weitgehend machen kann, was man machen möchte.

Gesine Schwan weist gerne darauf hin, dass das Wort Demokratie hierzulande mit einem Gefühl von Wohlstand vielleicht allzu eng verbunden ist. Dieser Ansicht sind auch Leute, die darüber nachdenken, warum sich immer mehr Menschen in Deutschland - man schaue nur, was in Sachsen läuft - rechtsextremen Parteien anschließen. Ein alter Winzer in der Nähe von Meißen, der sein …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.07.2008

Und der König steht doch noch am Rednerpult
Eine Frage der Sitzordnung: Philip Manow und ein Berliner Forschungsprojekt über die Körperlichkeit unserer Demokratie
Wenn es um Europa geht, geben sich alle nüchtern. Alle? Nicht ganz. Nicolas Sarkozy, der als Ratspräsident der EU bis zum Jahresende das brüchige Gemeinwesen der 27 repräsentiert, setzt auf den Zauber des Symbolischen. Mit Zwei-Euro-Gedenkmünzen aus dem Atelier von Philippe Starck und der neuen Briefmarkenserie „Marianne et l’Europe” bekommen die Franzosen und ihre Nachbarn Europäisches zum Anfassen. Dabei sind im Lissabonner Vertrag, den Sarkozy irgendwie retten will, vom symbolschweren Pathos des gescheiterten Verfassungsvertrages nur Leerstellen geblieben. Kein Wort mehr von Fahne und Hymne, Motto und Feiertag. Die vormals feierliche Präambel ist auf wenige Sätze zusammengestutzt.
So einfach, wie sich das Brüsseler Identitätskonstrukteure gedacht hatten, ließ sich eine politische Gemeinschaft dann doch nicht imaginieren. Denn auch in der supranationalen Mehrebenendemokratie ist das Metaphysische allgegenwärtig. Auf jede parlamentarische Debatte fällt der lange Schatten des …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die vier hier enthaltenen Essays, in denen der Politikwissenschaftler Philip Manow die Demokratie auf ihre monarchischen Züge hin abklopft, sind für Justus Wenzel allenfalls Skizzen zu einem noch zu schreibenden Buch. Wenzel entdeckt kulturwissenschaftliche und mediävistische (Kantorowicz-) Ansätze, wenn der Autor das Parlament und seine äußere Form oder die parlamentarische Immunität als Spuren der Monarchie deutet. So anregend dem Rezensenten das auch erscheint, er weiß nicht immer, wohin es führt. Dass die Demokratie ihre eigene Mythologie nötig haben soll und dass diese aus monarchischen Überresten besteht, erscheint Wenzel dann doch mindestens fragwürdig. Grundbegrifflich, meint er, ist hier noch eine Menge zu tun.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Im Vergleich zum monarchischen Pomp von Mittelalter und früher Neuzeit gilt die moderne Demokratie gemeinhin als ziemlich nüchterne Angelegenheit. Dass mit der Enthauptung des Königs in der Französischen Revolution aber nicht alle vormodernen Traditionsbestände erledigt worden sind, sondern weithin unbemerkt noch in den Parlamentarismus heutiger Verfassungsstaaten hineinregieren - diesen Beweis zu führen ist der Konstanzer Politikwissenschaftler Philip Manow mit seinem Buch Im Schatten des Königs angetreten. ... Es ist ein anregendes Buch dabei herausgekommen, das einen Großteil seiner Originalität aus seiner aparten Ausgangsfrage bezieht: Warum, fragt Manow in den beiden Kapiteln, die das Kernstück seines Buches bilden, sind die Sitzordnungen in den Parlamenten der modernen Demokratien so unterschiedlich? ... Die Anleihen beim vormodernen corpus politicus, wie sie Manows kleine Kulturgeschichte des Politischen herausarbeitet, scheinen heute wieder größer zu werden - so groß, dass sie womöglich auch mehr Eingang in die abstrakt gehaltenen modernen Demokratietheorien finden sollten." Christine Pries Frankfurter Rundschau

»Auch die Demokratie benötige und produziere ihre eigene politische Mythologie, betont der Konstanzer Politikwissenschaftler Philip Manow in seinem erhellenden, glänzend geschriebenen Essay über die politische Anatomie demokratischer Legitimation. Konzis und überzeugend widerlegt Manow die These von der Bild- und Körperlosigkeit moderner Herrschaft. Mag der König am Ende des Ancien Régime auch unter der Guillotine den Kopf verloren haben - in den Parlamenten lebt sein Körper bis heute weiter. In jeder Inszenierung findet eine konkrete politische Ordnung Ausdruck.«
Dr. Philip Manow ist Leiter der Forschungsgruppe »Politik und politische Ökonomie « am Max-Planck- Institut für Gesellschaftsforschung, Köln.

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