Deutschland im Frühsommer 2006: In den Straßen türmt sich der seit
Wochen nicht abgefahrene Müll, Kindertagesstätten bleiben
geschlossen, in Unikliniken greifen Ärzte nur noch im Notfall zum
Messer. Der Druck auf die Arbeitnehmer wachse ins Unermessliche,
begründen Gewerkschafter den Ausstand. Es gehe "nur" um
18 Minuten Mehrarbeit am Tag, sagen die Arbeitgeber. Schon lange
trat der alte Konflikt zwischen Arbeit und Kapital nicht mehr so
vehement zutage wie in diesen Tagen. Welchen Wert hat individuelle
Freiheit in einer neoliberalen Gesellschaft? Was folgt aus der
Forderung nach Eigenverantwortung, wenn gleichzeitig soziale
Sicherheit für den Einzelnen schwindet? Katharina Lohmeyer bettet
die aktuelle Diskussion um Freiheitsgewinne und -verluste in eine
Darstellung philosophischer und speziell marxistischer
Zusammenhänge ein. Anschließend behandelt sie die
Individualisierungsthese und die sozialpsychologischen und
sozialphilosophischen Ansätze von Erich Fromm und Theodor W.
Adorno. Die Theorie wird dabei mit Ergebnissen der empirischen
Sozialforschung verknüpft, um so die neoliberale Gesellschaft der
Bundesrepublik Deutschland auf ihren Freiheitsgehalt hin zu
untersuchen.
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