Das politische System Deutschlands - Pilz, Frank; Ortwein, Heike

Frank Pilz Heike Ortwein 

Das politische System Deutschlands

Systemintegrierende Einführung in das Regierungs-, Wirtschafts- und Sozialsystem

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Das politische System Deutschlands

Die Autoren haben Politikfelder ausgewählt, die die innenpolitische Diskussion seit der deutschen Vereinigung dominierten. Politisch-ökonomische Politikfelder stehen dabei im Mittelpunkt der Ausführungen, weil sie für Politik, Wirtschaft und den einzelnen Bürger gleichermaßen von zentraler Bedeutung sind: So beeinflusst beispielsweise die Steuerpolitik die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die Einnahmenentwicklung der öffentlichen Haushalte und die Einkommenssituation der privaten Haushalte. Die Finanzpolitik entscheidet über Struktur und Niveau des Staatsanteils, die Entwicklung der öffentlichen Verschuldung und die einnahmenbedingte Handlungsfähigkeit des Staates. Politikfelder wie die Sozial-, Arbeitsmarkt-, Gesundheits- und Rentenpolitik betreffen das (Sozial-)Kostenniveau der Wirtschaft, die Ausgleichsverpflichtungen des Bundes gegenüber dem sozialen Sicherungssystem und die existenzielle Lage von Arbeitslosen und älteren Menschen. Diese getroffene Auswahl impliziert den Verzicht auf die Darstellung von Politikfeldern wie beispielsweise denen der Rechts-, Sicherheits-, Verkehrs-, Energie- und Einwanderungspolitik.

Kernanliegen des Buches ist, systemrelevante Prinzipien, politische Institutionen und vorwiegend innenpolitische Politikfelder im bundedeutschen politischen System zu beschreiben und zu beurteilen. Dabei stehen Aspekte vorfindbarer formaler Strukturen, die Institutionen und ihre Verfahren sowie der Prozess der Konfliktregelung und Konsensfindung im Mittelpunkt. In der dritten, völlig überarbeiteten Auflage hat das Lehrbuch eine neue Struktur erhalten. Die Analyse des politischen Systems der Bundesrepublik erfolgt entlang von (Verfassungs-)Prinzipien, Institutionen und Politikfeldern. Damit entsprechen die Autoren den drei Dimensionen des Politikbegriffs. Die Verfassungsprinzipien geben den politischen Akteuren einen normativen Rahmen vor (Polity), die Institutionen bestimmen die Modi der Politikumsetzung (Politics) und in Politikfeldern wird inhaltlich gearbeitet (Policy).Seine schlüssige Systematik, etliche Tabellen und Schaubilder sowie eine umfangreiche Bibliographie machen den Band zu einem unverzichtbaren Wegweiser durch das deutsche politische System. Aufgrund seiner Struktur richtet sich das Lehrbuch zwar primär an Studierende und Lehrende in der Politikwissenschaft, eignet sich jedoch auch für solche in angrenzenden Bereichen wie Rechts-, Geschichts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
Diese Auflage berücksichtigt u.a. die Föderalismusreform.


Produktinformation

  • Verlag: Oldenbourg
  • 2008
  • 4., überarb. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: XV, 351 S.
  • Seitenzahl: 367
  • Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm x 170mm x 27mm
  • Gewicht: 686g
  • ISBN-13: 9783486585643
  • ISBN-10: 3486585649
  • Best.Nr.: 23043424
"Dieses Buch ist ein solides Standardwerk, welches politisch interessierte Leute durchaus lesen sollten." www.buchtips.net
Prof. Dr. Frank Pilz lehrt seit 2000 an der Universität Regensburg mit den Arbeitsschwerpunkten Politisches System Deutschlands und Vergleich westlicher Regierungssysteme.

Leseprobe zu "Das politische System Deutschlands"

B INSTITUTIONEN (S. 108)

Die Darstellung der Organisationsstrukturen, der Funktionen und der politischen Konfliktregelung der Institutionen gliedert sich in drei Hauptabschnitte: In einem ersten Schritt werden wichtige Restriktionen des Regierens in Deutschland wie die europäische Integration und der internationale Wettbewerb erörtert. Im Anschluss daran werden als Schwerpunkt der Kennzeichnung des deutschen politischen Systems (Regierungs-)Institutionen des Bundes, insbesondere die der Bundesregierung, des Bundestags, des Bundesrats und des Bundesverfassungsgerichts vorgestellt. In diesem institutionellen Kontext gilt auch der Diskussion der Frage besondere Aufmerksamkeit, inwieweit die Europäisierung die Strukturen und Arbeitsweisen der Institutionen des Bundes beeinflusst hat.

I Nationale Handlungsspielräume unter europäischen Integrationsund internationalen Wettbewerbsbedingungen

Zuerst wird die Frage zu erörtern sein, ob und inwieweit die europäische Integration, aber auch der internationale Wettbewerb den Handlungsspielraum nationalen Regierens einschränken. Dabei werden die handlungsrestringierende Bedeutung der Politik der so genannten negativen und positiven Integration, Erklärungen der Folgen des zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks für Politik und Wirtschaft sowie relevante Kritikpunkte an der Integrationspolitik näher zu beschreiben und zu bewerten sein.

Um vor dem Hintergrund wachsender europäischer Integration das Ausmaß der Einschränkung nationalstaatlicher Handlungsfähigkeit erfassen zu können, muss auf den unterschiedlichen Einfluss der beiden in der wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Literatur relevanten Formen der „negativen" und „positiven" Integration eingegangen werden. Auch der internationale Wettbewerb wirkt als Restriktion der nationalen Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit, die aber je nach Politikfeld die politischen Freiräume des Nationalstaats unterschiedlich eingrenzt (Tinbergen 1965, Taylor 1983, Merkel 1993, Scharpf 1994, 1996, 1998, 1999). Im Anschluss an F. W. Scharpf können die Begriffe der negativen und positiven Integration ideologisch unterschieden werden: Die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Integration markiert ideologische Trennlinien zwischen neoliberalen (angebotsorientierten) und interventionistischen (sozialdemokratischen oder keynesianischen) wissenschaftlichen, (partei-)politischen und interessengruppenspezifischen Positionen (Scharpf 1999, S. 49).

Demzufolge sind politische Maßnahmen der negativen Integration als „marktschaffend" zu klassifizieren. Maßnahmen der positiven Integration können sowohl marktschaffend (z.B. bezüglich der „Harmonisierung" der verschiedenen nationalen Produktstandards) als auch marktkorrigierend sein (z.B. produktions- und standardbezogene Vorschriften über den Umweltschutz oder die Sozialpolitik).

Die Entwicklung der Politik negativer oder positiver Integration hängt nach Fritz W. Scharpf maßgeblich von der Interessenübereinstimmung oder den Interessenkonflikten zwischen den Mitgliedsstaaten in den einzelnen Politikbereichen ab (Scharpf 1996, S. 15–39, 1998, S. 151–174): Während bei der Politik der Marktöffnung (der negativen Integration) das gemeinsame Interesse eindeutig dominiert, haben die Beteiligten für Maßnahmen der positiven Integration zwar unterschiedliche Präferenzen, doch überwiegt noch immer das gemeinsame Interesse an einheitlichen Regelungen. Zu den positiv integrierenden Maßnahmen gehört die Harmonisierung produktbezogener Regelungen einschließlich der Normen des Umwelt- und Arbeitsschutzes, die mit Vollendung des Binnenmarkts anfangs der neunziger Jahre auch weitgehend erreicht worden ist. Am größten sind die Interessenkonflikte im Bereich prozessbezogener Regelungen (der positiven Integration) wie insbesondere in der Umwelt- und Sozialpolitik (Scharpf 1998, S. 161ff.).

Unter Bedingungen verschärfter Standortkonkurrenz hat die Politik der positiven Integration gravierende Folgen für die Produktionskosten der Unternehmen und die Wiederwahlchancen der Politiker. Die nationalstaatliche Politik muss im europäischen Wettbewerb ihren Beitrag zur Entwicklung annähernd gleicher Stückkosten der Produktion innerhalb der EU leisten. Dies bedeutet, dass in Ländern mit niedriger Produktivität wie in Griechenland oder Portugal nicht nur die Lohnkosten sondern auch die Sozialabgaben, die Unternehmensteuern und die Regulierungskosten entsprechend niedriger liegen müssen.

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:
- Definitionen und Prinzipien (Begriffserklärung. Prinzipien).

- Institutionen (Europäische institutionelle Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume der deutschen Politik. Institutionen des Bundes. Staat-Verbände-Beziehungen und vernetzte Aushandlungs- und Steureungssysteme).

- Politikfelder (Konzeptionen wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Steuerung. Politkfeldspezifische Strategien).
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