Die Demokratie baut auf dem Selbstverständnis der Idee der
Selbstregierung der Gleichen auf. Gleichzeitig bedarf das moderne
Wirtschaftssystem auch einer Arbeitsteilung im politischen Bereich,
was zwangsläufig zum Repräsentationssystem führt.
Betrachtet man das politische System der parlamentarischen
Demokratie genauer, wird deutlich, dass die institutionellen
Politikakteure von zentraler Bedeutung sind. Aber vor allem fällt
auf: Sie sind für vieles verantwortlich und werden für noch mehr
verantwortlich gemacht. ParlamentarierInnen haben eine prekäre
Jobsituation und sie sind mit einer prekären sozialen Situation
konfrontiert. Kaum eine andere Berufsgruppe kämpft mit derart
schlechten Imagewerten wie jene der PolitikerInnen. Kaum eine
andere Berufsgruppe ist so häufig und umfassend mit Neiddebatten
konfrontiert. Kaum eine andere Berufsgruppe ist mit einer so
ungenauen Beschreibung ihrer Funktionen, die alles und nichts
beinhalten kann, konfrontiert. Und kaum eine andere Berufsgruppe
ist mit einem so geringen Solidarisierungsgrad konfrontiert. Obwohl
das politische System der parlamentarischen Demokratie untrennbar
mit der Funktion der institutionellen PolitikakteurInnen verbunden
ist, wird diesen ihr Berufsleben scheinbar so schwer wie möglich
gemacht. Es muss demnach gefragt werden: Welche persönlichen
Konsequenzen sind mit der Ausübung eines Mandates verbunden und
birgt die prekäre Situation, in der sich Abgeordnete begeben, nicht
Gefahren für die Demokratie in sich?
Die Autorin: Barbara Serloth, geb. 1963 in Wien, Politologin, langjährige Lektorin des Instituts für Staatswissenschaften der Universität Wien; zahlreiche Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten: nationalstaatliche Demokratie, Parlamentarismus, Feminismus im 20. und 21. Jahrhundert.
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