Die einsame Insel - Deleuze, Gilles

Gilles Deleuze 

Die einsame Insel

Texte und Gespräche 1953 bis 1974

Hrsg. v. David Lapoujade
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Die einsame Insel

Gilles Deleuze (1925 - 1995) gehört zu den großen französischen Philosophen. Neben seinen Monographien über Denker wie Hume, Leibniz oder Kant, seinen Beiträgen zur Logik des Sinns, zum Verhältnis von Differenz und Wiederholung und seinen beiden Büchern über das Kino hat er immer auch die kleine Form gesucht, in der er oftmals konziser und direkter über seine philosophischen Projekte und ihre Implikationen Auskunft gibt. Der erste Band der Sammlung dieser "Kleinen Schriften" liegt nun vor.
Er vereinigt eine Vielzahl von Texten, die verstreut publiziert worden sind und hier nun zusammengefaßt und zum größten Teil erstmals auf deutsch erscheinen: von den frühen Auseinandersetzungen mit Rousseau, Kant, Bergson, Hyppolite über brillante Essays zu Schriftstellern wie Jarry, Roussel, Cixous zum Kriminalroman der serie noire, über Malerei bis hin zu Texten aus dem Umkreis der zahllosen Debatten über Psychiatrie und Politik, die sein gemeinsam mit Felix Guattari verfaßtes Buch Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie ausgelöst hat - und natürlich immer wieder Nietzsche.
In diesen kleinen Texten kommt ein anderer Deleuze zum Vorschein, ein witziger, pointierter Autor, der über einsame Inseln ebenso zu schreiben weiß wie über nomadisches Denken und die Psychoanalyse und in dessen Texten ein "philosophischer Humor" herrscht, "der auch den Texten seiner heute schreibenden akademischen Kollegen gut anstünde", wie die Frankfurter Rundschau anläßlich des Erscheinens der französischen Ausgabe geschrieben hat.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 435 S.
  • Seitenzahl: 435
  • Best.Nr. des Verlages: 58374
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 132mm x 31mm
  • Gewicht: 525g
  • ISBN-13: 9783518583746
  • ISBN-10: 3518583743
  • Best.Nr.: 11916475
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.12.2003

Der Dodo und seine Inselwelt
Ein seltener Vogel war Gilles Deleuze – aber reicht das schon zum Klassiker?
Mit einem Sprung aus dem Fenster seiner Pariser Wohnung hat Gilles Deleuze sich 1995 das Leben genommen. Schon seit langem litt der Philosoph an einer unheilbaren Lungenkrankheit, die ihm zuletzt so zusetzte, dass er nicht mehr schreiben konnte. Diese Krankheit brachte den neben Michel Foucault und Jacques Derrida berühmtesten Philosophen der linksrheinischen Achtundsechziger Generation zum Verstummen.
Auch wenn der zusammen mit Félix Guattari verfasste „Anti-Ödipus” 1972 blitzschnell zum Kultbuch einer spontaneistischen Internationale avancierte, seine Bücher über Hume, Bergson, Nietzsche, Kant, Spinoza oder Leibniz häufig gleich nach ihrem Erscheinen übersetzt wurden, der Magnetismus seiner Auftritte an der Reformuniversität Paris-St.Denis Scharen von Studenten anzog, ist um Gilles Deleuze keine Schule entstanden. Offenbar taugte der ehemalige Gymnasiallehrer nicht zum maître-penseur.
Zwar hatte sich Deleuze früh zu Nietzsche bekannt, ihm widmete er 1964 seine beste philosophiegeschichtliche Studie, doch spielte für ihn – anders als …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.11.2003

Ich fühle, daß ich Frau werde, ich fühle, daß ich ein Gott werde
Eine Transsexuelle macht die anschauliche Probe auf die Ideen des Philosophen Gilles Deleuze / Von Christoph Albrecht

Auslaufmodell Mann, Ikarus 2000, Männerdämmerung - seit einer Weile wissen wir: Mit dem Mann ist's aus. Unser Sperma ist kaum noch zu gebrauchen, unsere Chromosomen erodieren, Metrosexuelle flüchten aus männlichen Rollenmustern wie Ratten vom sinkenden Schiff. Und das nimmt uns eine gewaltige Last von den Schultern. Daß wir oft wie irre einem Wahnbild hinterherliefen, um uns gegen das ewige Kind im Menschen zu verteidigen, um unsere Trägheit zu überwinden, um die Angst zu besiegen, das betrachten wir in der Rückschau mit einem Lächeln. Wir sind also stolz auf den Erfolg einer noch nicht ganz abgeschlossenen Therapie: Seit nunmehr etwa dreißig Jahren gibt es so etwas wie eine wissenschaftliche "Geschlechter-" und damit auch "Männerforschung". Es gibt Psychoanalyse und Philosophie. Und es gibt das Fernsehen, das aus all dem Unterhaltung macht. Aus Krankengeschichten wurde eine Kulturgeschichte.

Ein Band mit zum Teil bisher unübersetzten "Texten und …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Nicht weniger als fünfzig Jahre nach Erscheinen des ersten der hier chronologisch versammelten kleinen Texte von Gilles Deleuze glaubt der Rezensent Michael Mayer eine leise Entspannung im Verhältnis der deutschen Akademien zu den philosophischen Aufbrüchen in Frankreich zu bemerken. Es wird Zeit, stellt er fest, für "redliche Lektüren" der Schriften von Derrida, Lyotard - und eben von Gilles Deleuze. Wie sehr freilich Deleuze noch aus dem Mainstream des französischen Denkens herausfällt und herausragt, belegt, so Mayer, dieser Band mit brillanten kurzen Texten und Essays des "sonderlichen Bergsonianers". Anders als andere Vertreter seiner Generation habe der von Nietzsche sehr viel mehr als von Heidegger geprägte Deleuze demonstrativ auf den Vatermord an Sartre verzichtet und diesen als "Lehrmeister" in Ehren gehalten. Was Deleuze und die philosophische Linke eine, sei das Leiden an der "Tristesse der Verhältnisse" vor 1968 - und das begeisterte Mittun, als sie 1968 ins Tanzen gerieten. Vergleichbares, so Mayer nun wieder mit dem Blick auf Deutschland, war hierzulande in ähnlicher Form kaum denkbar, im Gegenteil: dem Denken aus Frankreich wurde jahrzehntelang mit allzu leicht gemachter Ablehnung begegnet.

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Gilles Deleuze wurde 1925 in Paris geboren. Bereits vor seiner Professur an der Sorbonne zeichnete sich Deleuze durch philosophiegeschichtliche Studien über Spinoza, Bergson, Hume, Kant und Nietzsche aus. 1995 beging Deleuze nach langer und schwerer Krankheit Selbstmord.

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