Leseprobe zu "Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949;..."
VORWORT ZU DIESEM BAND
Zwei abgeschlossene Abschnitte deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert sind Gegenstand dieses Bandes. In der Zeit des unmittelbaren Besatzungsregimes 1945 bis 1949, als Deutschland nur ein geographischer Begriff war, dessen Territorium auch nicht mehr dem vom Nationalsozialismus zugrunde gerichteten Deutschen Reich entsprach, das von den vier alliierten Mächten in Zonen geteilt gemeinsam regiert wurde, fielen Entscheidungen, die unsere Staats- und Gesellschaftsordnung bis in die Gegenwart prägen.
Auf ganz unterschiedlichen und zunächst nicht korrespondierenden Aktionsfeldern agierten die alliierten Inhaber der Macht im Kontrollrat und an der Spitze der einzelnen Zonen, die deutschen Auftragnehmer waren politisch auf die Länder bzw. Zonenebenen beschränkt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission in der sowjetischen Zone, dem Länderrat der US-Zone, dem Zonenbeirat der britischen Zone gab es dann Foren deutscher Politik unter alliierter Aufsicht, schließlich waren im Westen überzonale Gremien wie der Wirtschaftsrat in Frankfurt am Main und der Parlamentarische Rat in Bonn tätig. Die Zeit der Besatzungsherrschaft ist charakterisiert vor allem durch die Prozesse gegen die nationalsozialistischen Hauptverantwortlichen, durch die Entnazifizierung, durch Entmilitarisierung und Demontagen der Industrie, aber auch durch Anstrengungen zur Demokratisierung. Am Ende stand die Gründung zweier deutscher Staaten, der Bundesrepublik Deutschland im September und der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober 1949.
Die Geschichte der DDR dauerte vier Jahrzehnte und endete mit dem wirtschaftlichen und moralischen Zusammenbruch eines Systems, das sich als Alternative zum Weststaat begriffen und in enger Anlehnung an die Sowjetunion entwickelt hatte. Die Gründung der DDR ist als Reaktion auf äußere Konstellationen zu verstehen, zugleich als Revolution, als soziale, ökonomische, politische und kulturelle Umwälzung: Das Patronat der Sowjetunion bestimmte die Entwicklung ebenso wie die Konkurrenz zur Bundesrepublik und der moralische Anspruch, ein besseres Deutschland im antifaschistischen Staat zu verkörpern. Die erste Phase der DDR-Geschichte endete mit dem Volksaufstand 1953, der die mangelnde Legitimation schmerzhaft deutlich machte. Die zweite Phase, ebenso durch fragmentarische Entstalinisierung wie durch den Ausbau der SED-Diktatur charakterisiert, stand im Zeichen des Ringens um internationale Anerkennung und endete 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer. Reformen und Modernisierung bestimmten die dritte Phase in den 60er Jahren. Mit dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker begann die Zeit des "real existierenden Sozialismus" (1971-1980) und der Klärung der Beziehungen zur Bundesrepublik, gefolgt von der außenpolitischen Anerkennung der DDR.
Die Krise des kommunistischen Systems, das Wiederaufleben des Kalten Krieges, die Differenzen mit Moskau leiteten dann den Niedergang ein, der 1989 in den Zusammenbruch der DDR durch die unblutige Revolution seiner Bürger mündete und den Weg zur Wiederherstellung der 1945 verlorenen Einheit der Deutschen Nation freimachte.
Wolfgang Benz · Michael F. Scholz
Miriam Bistrovic danke ich sehr herzlich für die Mitarbeit am Teil "Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949". Sie hat die Bibliographie selbständig erstellt und mich bei den Recherchen tatkräftig unterstützt.
Wolfgang Benz