Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich - Wippermann, Wolfgang

Wolfgang Wippermann 

Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich

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Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich

Honecker war wie Hitler, Stasi wie Gestapo, Bautzen wie Buchenwald - so heute der Tenor staatlich verordneten Geschichtsbewusstseins: Die DDR war die "zweite deutsche Diktatur", die auf den NS-Staat folgte und mit ihm vieles gemeinsam hatte. Doch stimmt das? War die DDR so "schlimm" wie das Dritte Reich - oder sogar "noch schlimmer"?

Wolfgang Wippermann zeigt in seiner Streitschrift, wie Konstruktion und Erfindung von Totalitarismusdoktrin und Extremismuslegende ihre Anwendung auf die DDR finden. Danach sollen Faschismus und Kommunismus grundsätzlich miteinander vergleichbar, ja weitgehend identisch sein. Letzteres hat zur Verharmlosung des Dritten Reiches und zu einer Dämonisierung der DDR geführt. Beides geschieht aus vergangenheits- und gegenwartspolitischen Motiven. Die beschönigende Relativierung des Dritten Reiches diente der endgültigen Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit, und mit der Dämonisierung der DDR will man die Gegenwart überwältigen, die politikwissenschaftlichen Diskurse bestimmen und den politischen Gegner treffen. Fest steht: Wie auch immer man die Verbrechen der DDR be- und verurteilen mag - ein Auschwitz hat es in ihr nicht gegeben.


Produktinformation

  • Verlag: Rotbuch Verlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 159 S.
  • Seitenzahl: 159
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 126mm x 20mm
  • Gewicht: 216g
  • ISBN-13: 9783867890601
  • ISBN-10: 3867890609
  • Best.Nr.: 25704018
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.08.2009

Die andere Diktatur
Darf man Honecker mit Hitler vergleichen, die Stasi mit der Gestapo, Bautzen mit Buchenwald? Darf man nicht, sagt der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann. Der Vergleich, mehr noch: die Gleichsetzung von DDR und Drittem Reich, drohe aber zum zentralen Bestandteil eines „staatlich verordneten Geschichtsbewusstseins” zu werden. Mit seiner „Streitschrift” will Wippermann diesem Trend Paroli bieten. Alle Versuche eines Systemvergleichs seien gescheitert und wissenschaftlich unfruchtbar. Doch um Wissenschaft gehe es den Verfechtern dieses Ansatzes ohnedies nicht. Sie führten Politisches im Schilde, die Dämonisierung der DDR, die Etablierung eines „antitotalitären” Grundkonsenses, die Verunglimpfung linker Strömungen. Wer immer sich an diesem Werk beteiligt, wird polemisch aufs Korn genommen: heiße er Joachim Gauck oder Hubertus Knabe, handele es sich um die Enquete-Kommission zur SED-Diktatur oder den Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin.
Sicherlich hat Wippermann in der Auseinandersetzung mit seinen Kontrahenten gute Argumente; seine Polemik ist oft treffsicher, manchmal amüsant. Nicht selten schießt sie …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Frank-Lothar Kroll kann kaum glauben, was ihm der Autor hier verkaufen will. Die Existenz von Humor und Heiterkeit in der DDR gilt Wolfgang Wippermann als Indiz dafür, dass es ebenda keine totalitären Machtstrukturen gab. Wenn der Autor auf die Art sein Denkverbot in Sachen Diktaturvergleich aufrechterhalten will, bittesehr. Kroll jedenfalls hat eine derart PDS-nahe Historiografie, die Hannah Arendt zur Dämonisiererin der DDR stempelt, dicke. Den entrüsteten Antifaschisten nimmt er Wippermann nicht ab. Alles wohlfeile Pose, meint er. Einzelne Analogien zwischen DDR und "Drittem Reich", etwa bei der Machtsicherung und Herrschaftsausübung liegen für Kroll jedoch auf der Hand.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.12.2009

Zweierlei Vergleich
Nationalsozialistische, stalinistische und realsozialistische Herrschaftspraxis

Eine Diktatur war sie schon, die kleine, harmlose DDR - und noch dazu in allen wichtigen Fragen von der übermächtigen Sowjetunion abhängig. Doch man konnte sich in ihr so viele lustige Geschichten erzählen. Etwa die von einer neuen Kaffeesorte, die bei der Bevölkerung keinen Anklang fand und daher in Anlehnung an ein schmackhafteres Westprodukt "Erichs Krönung" genannt wurde. Damit aber, so folgert Wolfgang Wippermann, war eindeutig der Beweis erbracht, dass in der DDR auch gescherzt und gelacht werden durfte. Und wo ein derart von Humor und Heiterkeit geradezu durchtränktes Alltagsleben vorherrschte, da konnte es unmöglich totalitäre Machtstrukturen gegeben haben!

Man mag es kaum glauben: Solche Argumente werden nicht etwa in ironischer Absicht vorgetragen. Sie dienen dem Verfasser vielmehr allen Ernstes zur Rechtfertigung eines Denkverbots, das er auf den 160 Seiten seiner "Streitschrift" unermüdlich aufzurichten bestrebt ist. Dieses Denkverbot heißt: Diktaturvergleich - und man kann in dem Versuch, es zu etablieren, so etwas wie …

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Wolfgang Wippermann, geboren 1945 in Bremerhaven, ist Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin. Zahlreiche Gastprofessuren und Veröffentlichungen.

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