Informationen über Industrieangestellte im
"Arbeiterstaat" der DDR sind äußerst rar. Im offiziellen
Sprachgebrauch - und damit der herrschenden Ideologie einer großen
"Werktätigengemeinschaft" entsprechend - zählten sie
schlicht zu den Arbeitern. Dies wird der sehr heterogenen Gruppe
von Angestellten jedoch kaum gerecht: Bei näherer Betrachtung
nämlich zeigen sich gravierende Differenzen v.a. zwischen der
besonders desolaten Lage der "einfachen Angestellten",
zumeist Frauen, und den privilegierten, mit Verfügungsgewalten
ausgestatteten leitenden Angestellten, deren Informations- und
Entscheidungsmonopol wesentlich auf der Zugehörigkeit zur
herrschenden SED beruhte.
Renate Hürtgen ermöglicht erstmals einen funktional und sozial
differenzierten Einblick in die verschiedenen Milieus und das
Selbstverständnis von Industrieangestellten in der DDR seit 1945.
Die Beschreibung der unterschiedlichen Stellungen und Funktionen
von Angestellten in der Betriebshierarchie gibt zugleich Auskünfte
über die Macht- und Herrschaftsstrukturen im Volkseigenen Betrieb
(VEB). Strukturen übrigens, deren Existenz in der offiziellen
Ideologie geleugnet wurden.
Renate Hürtgen, Dr. phil., geboren 1947, studierte Kulturwissenschaften/ Ästhetik an der HU Berlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften - 1989 in der Opposition aktiv. Seit 1996 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZZF. Schwerpunkte: Gewerkschaftsaufbau in den neuen Bundesländern, Frauen und Arbeiter in der DDR, Betriebsalltag, MfS im Betrieb, Herrschaft und Opposition.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20