In Extremo gelingt auf ihrem achten Studioalbum ein idealer Mix aus
Mittelalter, Metal und Mainstream. Mit ihrem letzten Album
"7" und Hitsingles wie "Küss mich" erschlossen
sich In Extremo vor zwei Jahren endgültig ein großes Publikum.
"Mein rasend Herz" ist ein weiterer Schritt in diese
Richtung: den Mix aus Mittelalter-Sound und kantigem Metal zwar
beizubehalten, ihn gleichzeitig aber auch noch etwas
mainstreamtauglicher zu machen. Daher singt Das letzte Einhorn mit
seiner unverwechselbaren Reibeisenstimme inzwischen überwiegend auf
Hochdeutsch. Das klingt zwar weniger sperrig als die Ausflüge ins
Gälische, Althochdeutsche oder Bretonische, lässt allerdings auch
die eine große Schwäche der Band stärker zum Vorschein kommen:
Einhorn & Co sind keine Dichter, und ein Phrasen- und
Sprüchestakkato wie in "Nur ihr allein" schrammt
haarscharf an Peinlichkeit vorbei. Musikalisch hingegen wissen sie
genau, was sie tun. Beim ersten Track, dem seemannsromantischen
"Raue See", übernehmen die Dudelsäcke zunächst nur eine
Nebenrolle im mächtigen Rocksound. Dennoch stimmt der Song ideal
auf das Thema der Platte ein: Immer noch sind In Extremo die harten
Jungs, die durch die Welt ziehen, verehrt und angespien, und
diesmal sind sie verstärkt auf dem Meer unterwegs und lassen sich
auch klanglich den rauen Wind um die Nase wehen. Dennoch sie sind
immer dann am besten, wenn sie dem mittelalterlichen
Instrumentarium den größtmöglichen Raum geben, wenn inmitten des
treibenden "Fontaine La Jolie" das Rockgewand abgeworfen
wird und die Spielmänner zum Zug kommen oder wenn sie in
"Tannhuser" und "Wessebronner Gebet" wieder auf
Texte aus vergangenen Jahrhunderten zurückgreifen. Der Höhepunkt
des Albums ist dabei der Titeltrack, bei dem sich aus harten Riffs
und sehr solider Schlagzeugarbeit zur Mitte hin ein faszinierendes
Dudelsack-Thema und sehr schön differenzierte Rhythmusarbeit
herausschält - das Beste beider In-Extremo-Welten.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag