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Das Schmetterlingstal ist ein Meisterwerk europäischer Poesie. Es enthält einen klassischen Sonettenkranz mit vierzehn Sonetten und dem abschließenden Meistersonett. Christensens Requiem führt zurück in ein »Kindheitsland «, entfaltet in einem Spiel von kindlichen Verwandlungen eine »Symmetrie der Trauer«, »die von meinem Leben überholte Trauer«, es versucht, »die Schmetterlinge Seelen und / Sommergesichte verschwundener Toter zu nennen«. Hier wie in allen Texten der Dichterin läßt sich nicht auseinanderhalten, was uns die Wirklichkeit - aber welche Wirklichkeit? - auseinanderzuhalten gelehrt…mehr

Produktbeschreibung
Das Schmetterlingstal ist ein Meisterwerk europäischer Poesie. Es enthält einen klassischen Sonettenkranz mit vierzehn Sonetten und dem abschließenden Meistersonett. Christensens Requiem führt zurück in ein »Kindheitsland «, entfaltet in einem Spiel von kindlichen Verwandlungen eine »Symmetrie der Trauer«, »die von meinem Leben überholte Trauer«, es versucht, »die Schmetterlinge Seelen und / Sommergesichte verschwundener Toter zu nennen«. Hier wie in allen Texten der Dichterin läßt sich nicht auseinanderhalten, was uns die Wirklichkeit - aber welche Wirklichkeit? - auseinanderzuhalten gelehrt hat: Realität und Imagination, Faktum und Fiktion, Wachen und Traum, Chronik und Märchen.
Autorenporträt
Inger Christensen, wurde 1935 in Dänemark geboren und zählt zu den bedeutendsten Lyrikerinnen ihrer Generation. Ihre Prosa- und Lyrikveröffentlichungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Sie starb 2009 in Kopenhagen.

Hanns Grössel lebt in Köln und arbeitet als Übersetzer, Herausgeber und Kritiker dänischer, französischer und schwedischer Literatur.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.10.2007

Wie zart, weich und melodisch das Dänische klingt
Verse aus der Zukunft: Inger Christensen hat gedichtet, Hanns Grössel übersetzt, Durs Grünbein schrieb einen Essay und Hanna Schygulla liest: „Das Schmetterlingstal” ist ein perfektes Hörbuch geworden
Wie selten ist ein perfekter Tag! Aber noch geringer ist die Anzahl der perfekten Lyrik-Hörbücher. Oft werden Sprecher eingesetzt, die Gedichte so vortragen wie bedauernswerte Schüler es oft müssen: „mit Betonung!”; dazu wird gefiedelt oder elektronisch gedröhnt, weil Regisseure die Musik von Worten nicht hören oder ihr keine Kraft zutrauen oder die Hörer für Trottel halten. Das Booklet erklärt dazu, wann der Klassiker gelebt hat und vermittelt die Annahme, dass erst ein Fernsehliteraturkritiker ihn durch Genialitätsattest adelte.
„Das Schmetterlingstal” von Inger Christensen aber ist ein perfektes Hörbuch. Für diese Ausgabe wurden alle für die luxuriöse Wiedergabe von Lyrik nötigen Register gezogen: Die Dichterin liest mehrere Gedichte selbst, von diesen eines und ein weiteres werden in der deutschen Fassung Hanns Grössels von Hanna Schygulla gesprochen, ein übriges von Christensen gelesenes ist vollständig im Booklet abgedruckt, in selbigem findet sich ein Essay von Durs Grünbein, der die Dichterin gut kennt.
Die Dichterin liest selbst: Inger Christensen wurde 1935 geboren und ist Dänin. Dänisch, zumal so singend wie aus ihrem Munde, ist eine unseren Hörgewohnheiten ferne Sprache: zart, weich, melodisch. Die Vokale scheinen über mehr Nuancen zu verfügen als die unsrigen; aus im Ansatz reinen Einzellauten werden Umlaute oder sie klingen nasal aus.
Wie schön, dass Christensens Gedicht „Alphabet”, das sich in 14 Abschnitten über 72 Seiten legt, gänzlich im Booklet abgedruckt ist. Es macht Spaß, mit der Dichterin gemeinsam zu lesen, was freilich dem am besten möglich ist, der dänisch nicht versteht. Unkenntnis kann Vorzug sein: als spreche man die Worte in eine Melodie. Wo sich Passagen rhythmisch wiederholen, hat der Übersetzer Hanns Grössel auch in der deutschen Fassung den Takt erhalten, so dass man mit der Dichterin in Harmonie bleibt und ihre Schwingungen, auch ihre Liebe zu den Namen der Dinge auf das eigene Wort übertragen kann. Man muss nur etwas schneller laufen, denn die dänische Sprache scheint kürzere Wörter zu haben.
Hanna Schygulla liest zwei Gedichte auf deutsch: Das ist eine weitere Herrlichkeit. „Wassertreppen” beschreibt einen Rundgang in Rom, wo Inger Christensen sich in den sechziger Jahren aufhielt. Die Erzählerin wechselt von einem Platz zum andern, setzt sich in Lokale, schaut auf die mittelalterlichen Springbrunnen, beschreibt den heutigen Verkehr dazu - Autos brummen herum - und Christensen zieht den Zuhörer in einen Tagtraum hinein, in dem marmorne Delphine lebendig werden, das Wasser überläuft und die Briefe aus einem Postamt schwemmt.
In der deutschen Fassung ist es also Hanna Schygulla, die uns unter Wasser zieht. Anfangs folgt sie fast nüchtern den rhythmischen, aber sachlichen Beschreibungen der in der Sonne liegenden römischen Plätze mit den Brunnen, nennt wohllautende Namen von Straßen, Palästen, Architekten. Bald scheint sich eine Mittagsschläfrigkeit über die Orte zu legen, und im scheinbaren Erwachen aus dem Dämmern wechselt Schygulla in den Traum. Plötzlich munter und gespannt erzählt sie ein Märchen, in dem ein geheimnisvoller roter Jaguar, der all die Brunnen passiert, von den Delphinen besetzt wird, nachdem die Sonne überlief, Licht schmolz, Schrift aus Briefen getrunken wurde; jetzt tanzen Delphine mit Löwen. Am Ende setzt Schygulla den Hörer sanft wieder am Brunnen ab, jedoch besteht nun alles aus Marmor, sogar das Wasser.
Hanna Schygulla spricht überwältigend schön: wie anschmiegsam sie den Wellen des Geschriebenen zu folgen versteht, wie viel Freude sie überträgt, weil das beharrliche Klopfen der präzise gesetzten Worte sanft in den eigenen Herzschlag übergeht.
Ein Essay von Durs Grünbein zum Geleit: Er nennt Christensens Dichtung „das vollkommene Kunstwerk”, und in seinem Versuch der Einordnung stellt er fest: „Inger Christensen ist eine Dichterin aus der Zukunft – die aber zufällig heute schon lebt.” Auch im „Schmetterlingstal”, wo Hanna Schygulla nun ganz anders auftritt und mal mit hauchender, brüchiger, dabei aber nie eine Undeutlichkeit zulassender, darauf auch wieder fester Stimme spricht, hört Grünbein Traum und physikalische Wirklichkeit ineinanderfließen.
Wer lange keinen perfekten Tag gehabt hat, könnte dieses perfekte, trostreiche Hörbuch in seine Schatzbibliothek eingliedern, zumal er heute schon die Gedichte von morgen hören darf.
MARTIN Z. SCHRÖDER
Inger Christensen
Das Schmetterlingstal. Gedichte
Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. Gelesen von Hanna Schygulla und Inger Christensen. Hörverlag, München 2007. 2 CDs, 107 min., 19,95 Euro.
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