Mittelmäßiges Heimweh - Genazino, Wilhelm

Wilhelm Genazino 

Mittelmäßiges Heimweh

Roman. Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Belletristik 2007

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Mittelmäßiges Heimweh

Eines Tages verliert Dieter Rotmund ein Ohr. Doch das ist gar nicht so schlimm, denn ihm ist Wichtigeres abhanden gekommen: Seine Gefühle sind nur noch mittelmäßig. Genazino erzählt von einem Mann, dessen Leben auseinanderbricht und der nur hilflos zusehen kann. Der lakonische Chronist des Alltags tut dies gewohnt souverän, unprätentiös und mit viel Sinn für die komischen Seiten des Unglücks.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 188 S.
  • Seitenzahl: 192
  • dtv Taschenbücher Bd.13724
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 120mm x 15mm
  • Gewicht: 214g
  • ISBN-13: 9783423137249
  • ISBN-10: 342313724X
  • Best.Nr.: 23825301
"Niemand erzählt so leicht und traurig-komisch von den Zumutungen der Welt wie Genazino."<br />Akademische Buchhandlung Knodt Februar 2009 <br />

»Genazinos Virtuosität in der grellen Ausleuchtung sinnloser Alltagsrituale und menschlicher Widersprüchlichkeiten ist beeindruckend.« Ronald Schneider, NRZ Neue Ruhr Zeitung 17.04.2010

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.03.2007

Gibt es denn keine Welt da draußen?
In der deutschen Literatur des Frühjahrs warten alle darauf, dass etwas passiert - und plötzlich liegt ein Ohr unter dem Tisch

Wenn man sich so hindurchliest durch die deutschen Bücher der Saison, kann einem schon etwas schummrig werden. Irgendwie so leer und nach innen gekreiselt, festgehakt in einer tiefen, schwarzen Schlucht. Und nach einiger Zeit, nach einigen Büchern fühlt man einen immer stärker werdenden Drang, hinauszusehen aus dem Fenster, um sich zu versichern, ob die Welt da draußen noch da ist, ob die Menschen noch da sind oder ob alles erstarrt ist in einem Zwischenreich der Melancholie, der Kälte und der Erstarrung. In einem Zwischenreich der Erwartung. In dem jederzeit alles passieren könnte. Aber eben jetzt noch nicht. Jetzt passiert eben leider noch gar nichts. Die deutsche Literatur Frühjahr 2007 wartet ab. Sie hofft. Und sie hat Angst. Die Zukunft kann alles bringen. Den Terror, die Befreiung, die Liebe, die Flucht. Im Moment ist Melancholie. Der Terror der Melancholie. Oder die Schönheit.

Fünf Jahre ist es her, dass der Journalist und Schriftsteller Kolja Mensing, 36, ein …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Mit großer Begeisterung legt Rezensent Roman Bucheli allen Leser diesen Roman ans Herz, dessen "hinreißende", eigentlich "erschütternde" Komik ihn ebenso in Euphorie versetzt, wie die "stupende Genauigkeit" und "geradezu zärtliche Hingabe" dieses Autors bei der Beschreibung von Details. Auch der Held des Romans, ein gewisser Herr Rotmund, hat es Bucheli angetan. Die Mittelmäßigkeit von Herrn Rotmunds Leiden an der Welt, seine gelegentlichen Wehmutsattacken gehen im gleichzeitig unter die Haut und an die Lachmuskeln. Denn Wilhelm Genazino erspare seinem Helden nichts. Mit "Vergnügen und Behagen" bereite er vor seinem Leser Innenansichten eines beschädigten Lebens aus, und zwar, wenn man dem Rezensenten glaubt, ebenso unnachsichtig wie barmherzig. Und es ist dieses Spannungsverhältnis, dem das Buch für den Rezensenten seine "melancholische Komik" und "sein tragikomisches Pathos" verdankt.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Mit schwebender Leichtigkeit berichtet er von niedergeschlagenen Seelen und den Belastungen des Angestelltendaseins." Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.07 "Ein Genazino-Roman ist wie ein zartgraues, luftiges Netz, in dem man für eine Weile festhängt, doch zugleich auch schwebt, losgelöst von eigenen Malaisen durch das angenehme Gruseln angesichts der kleinen und mittelgroßen Malheurs des Protagonisten." Kristina Maidt-Zink, Süddeutsche Zeitung, 20.03.07
Wilhelm Genazino, geb. 1943 in Mannheim, lebt heute als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main. 1998 erhielt er den 'Großen Literaturpreis' der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2004 den 'Georg-Büchner-Preis'. 2007 wurde Wilhelm Genazino mit dem 'Kleist-Preis' und der 'Corine' ausgezeichnet. 2010 erhielt er den 'Rinke-Sprachpreis'.

Kundenbewertungen zu "Mittelmäßiges Heimweh" von "Wilhelm Genazino"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen **** sehr gut)
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(2)
***** sehr gut
***** gut
 
(1)
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Bewertung von Hillmann, Roman aus Berlin am 07.08.2007 ***** gut
Darf man ein Buch negativ bewerten, von dem man nur fünf Seiten gelesen hat? Eigentlich mit Bestimmtheit nicht. Immerhin hatte ich das Buch in der Buchhandlung gekauft und es ausgesucht, wie ich es immer tue: Ich lese etwas an, schätze den Anfang und irgendeinen Teil in der Mitte, dann kaufe ich es. Ich glaube, ich mag den Stil von "Mittelmäßiges Heimweh“ sehr. Das Detaillierte, genaue, involvierende des Erzählens. Aber das mit dem Ohr hat mich, ehrlich gesagt, völlig aus der Geschichte geworfen: Man meint, in einem Fantasyroman zu sein. Schließlich vergeht man in dem Selbstmitleid des Helden, der einfach nicht in die Puschen kommt. Ich war nach fünf Seiten überzeugt, dass das Buch nicht schlecht ist, aber definitiv nichts für mich, der ich aktive Helden schätze, wie schwer sie es auch immer haben. Etwa bei Per Pettersons „Im Kielwasser“ der Held Arvid, der zwar am Boden ist, aber doch sehr langsam Grundlagen legt, sein schweres Trauma eines fernen Tages zu verarbeiten. Oder doch zumindest so, wie in Arno Geigers „Es geht uns Gut“ der Held Philipp, der zwar unfähig ist und bleibt, aktiv zu werden, der gehemmt ist sich zu entfalten und sich gegen die Bosheiten seiner Freundin zu wehren, - wo allerdings die Familiengeschichte, die das Buch parallel erzählt, diese Apathie verständlich werden lässt, einen Kontext der Apathie herstellt. „Mittelmäßiges Heimweh“ begab mich in das bedrückende Gefühl, dass Selbstmitleid und Antriebslosigkeit eine Fixe Idee des Autors sind. Zum Glück war der Händler bereit, das Buch gegen ein anderes zu tauschen.

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Bewertung von Gerhard Bonse aus Köln am 19.06.2007 ***** ausgezeichnet
Das ist große, beinahe kafkaeske Literatur über einen Nomaden, der durch die Großstadt stolpert, schwankt und torkelt. Der Hauptakteur von Wilhelm Genazino, manchmal vermeinen wir ihn in unserem eigenen Spiegelbild zu erkennen, wird immer weniger, er zerbröckelt, er fällt auseinander, er wird atomisiert und sieht doch geflissentlich über die Stationen seines Zerfalls hinweg. Ein sehr gescheiter Roman in einer detaillierten Schreibweise, manchmal wirkt sie übergenau, in dem der Autor die gesamte Klaviatur von Melancholie, Humor und Ironie glänzend improvisiert. Sehr empfehlenswert und für jeden Freund der etwas anspruchsvolleren Literatur ist "Mittelmäßiges Heimweh" das ideale Geschenk.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 26.02.2007 ***** ausgezeichnet
Das Buch habe ich mit großem Vergnügen gelesen, ich halte es für das beste von Genazino. Zufällig hatte ich gerade vorher noch einmal John Updike "Gegen Ende der Zeit" gelesen, und ich bin durchaus der Meinung, dass Genazino sich nicht dahinter verstecken muss. Vielleicht fehlt ihm noch die Eleganz der Sprache.

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