Alles, was wir geben mussten - Ishiguro, Kazuo

Kazuo Ishiguro 

Alles, was wir geben mussten

Roman.

Dtsch. v. Barbara Schaden
Gebundenes Buch
 
6 Kundenbewertungen
**** sehr gut
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Produktbeschreibung zu Alles, was wir geben mussten

Ein Speisesaal, ein Sportplatz und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen - auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so freundlich und engagiert sie auch sind, heißen hier "Wächter" und lassendie Kinder früh spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt worden ist. Diese Gewissheit verbindet Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe - bis für zwei von ihnen das Ende naht.
Ein anrührendes und ungewöhnlich spannendes Meisterwerk über Menschen, deren Leben auf beklemmende Weise vorherbestimmt ist.

Produktinformation


  • Verlag: BLESSING
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 348 S.
  • Seitenzahl: 348
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 573g
  • ISBN-13: 9783896672339
  • ISBN-10: 3896672339
  • Best.Nr.: 14121090
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.11.2005

Große Würfe

DIE FRAGE, ob der Mensch Herr seines Schicksals ist, ob die Vergangenheit stärker ist als die Zukunft und ob die Einsamkeit dazu führt, daß manche Menschen das Leben, über das sie so angestrengt nachdenken, schlicht verpassen, steht im Mittelpunkt von drei Romanen, die ihre Themen mit so viel stilistischer und gedanklicher Brillanz verfolgen, daß ihre Lektüre unvergeßlich bleibt. Ob man, wie der japanischstämmige Engländer Kazuo Ishiguro in "Alles, was wir geben mußten", die Ohnmacht des Menschen seinem Schicksal gegenüber untersucht oder, wie der Ire Colm Tóibín in "Porträt des Meisters in mittleren Jahren", den Schriftsteller Henry James in seiner eigensinnigen Sturheit so zum Leben erweckt, daß der Leser am Ende ebenso gut und schlecht über ihn urteilen kann wie über einen engen Freund, oder ob man, wie der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk im Roman "Schnee" zeigt, wie die beeindruckenden, zugleich unheimlichen Kräfte des Glaubens Religion zu Politik und Politik zu Religion werden lassen - die ebenso brennenden wie mutigen Fragen, die diese drei Autoren aufwerfen, sind von immerwährender Aktualität.

fvl.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als "Meisterwerk" feiert Rezensent Hubert Spiegel diesen Roman im Aufmacher der Herbst-Buchmessenbeilage. Darin wird, wie er schreibt, das Aufwachsen von drei Kindern in einem Internat beschrieben, das sich bald als Eliteaufzuchtsanstalt für Klone entpuppt. Zwei der drei jungen Menschen sterben als menschliche Ersatzteillager schließlich einen qualvollen Tod. Was den Rezensenten an diesem "großartigen Roman" besonders fasziniert ist die Art, wie der Autor darin alle Erwartungen an das Thema unterläuft. Keine grellen Effekte, kein "reißerisch aufgetakelter Kulturpessimismus" a la Houellebecq, nicht mal "Begriffe wie Biotechnologie, Labor oder Reagenzglas" kommen vor. Seite um Seite wird dem Rezensenten das Herz wie "mit einem Schraubstock unaufhaltsam zusammengepresst", während Kazo Ishiguro "langsam, quälend langsam" beschreibt, wie sich das Krebsgeschwür der Erkenntnis ihres unabweisbaren Schicksals den Kindern immer tiefer in jene Seele fresse, die ihnen doch abgesprochen werde. "Genial" findet Spiegel auch, dass es nie einen Blick von außen auf die kleine Gemeinschaft gibt. Alles sei aus der Perspektive des überlebenden Klonmädchens Kathy erzählt. Schließlich stellt der Rezensent mit Erschütterung fest, dass sich die Lügengebäude eines Ibsen oder Strindberg wie "läppisches Geflunker" gegenüber den "Lebenslügen eines Klons"ausnehmen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.11.2005

Der Traum des Klons von der Kübelpflanze
„Alles, was wir geben mussten”: Kazuo Ishiguro erzählt von Kindern, die als Organspender gezüchtet werden
Nichts ist, wenn man der Literatur glauben darf, so englisch wie ein Internat; und am liebsten tritt es, von Enid Blytons fünf Freunden bis Harry Potter, gleich serienweise auf. Als Internatsgeschichte schreibt auch Kazuo Ishiguro, den es schon als Kind nach England verschlagen hat, seinen Roman „Alles, was wir geben mussten”.
Aber Hailsham ist ein spezielles Internat. Kathy H. denkt daran zurück, sooft sie ihr Auto durchs ländliche England lenkt und halb hinter Pappelreihen verborgen ein altes Herrenhaus erblickt. „Betreuerin” ist sie von Beruf, ein Wort, dem man sofort vage misstraut, noch ehe man weiß, worum eigentlich es sich handelt. Der ganze Kreis, in dem sie von Geburt an gelebt hat, wird umhegt von solchen Vokabeln mit sinister sedierendem Klang: als „Spender” sind diese Kinder herangezogen worden, und nach der vierten „Spende” wird von ihnen erwartet, dass sie „abschließen”. Insbesondere achtet man bei ihnen in der anfälligen Phase zwischen dem vierzehnten und dem sechzehnten …

Weiter lesen

"Ein Meisterwerk, das den Leser gefühlsmäßig auf unerhörte Art bereichert." Kirkus Reviews

"Ishiguro zeichnet das Bild einer unbeirrbaren menschlichen Zartheit, obwohl die Katastrophe bereits stattgefunden haben könnte."

"Die Frage, ob der Mensch Herr seines Schicksals ist, ob die Vergangenheit stärker ist als die Zukunft und ob die Einsamkeit dazu führt, dass manche Menschen das Leben, über das sie so angestrengt nachdenken, schlicht verpassen, steht im Mittelpunkt dieses Roman, der die Themen mit so viel stilistischer und gedanklicher Brillanz verfolgt, dass die Lektüre unvergesslich bleibt." FAZ
Kazuo Ishiguro, geb. 1954 in Nagasaki, kam 1960 nach London, wo er Englisch und Philosophie studierte. 1995 wurde ihm der Cheltenham Prize verliehen und 2006 der Belletristikpreis der 'Zeit'. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 28 Sprachen übersetzt. Der Autor lebt mit Frau und Kind in London. 2006 erhält er den Corine-Preis.

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Kundenbewertungen zu "Alles, was wir geben mussten" von "Kazuo Ishiguro"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4.3 von 5 Sterne bei 6 Bewertungen **** sehr gut
(aus 6 Bewertungen)
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Bewertung von http://gottagivethembooks.wordpress.com am 23.08.2011 ***** ausgezeichnet
Hailsham, ein Internat in England: Kathy, Ruth und Tommy sind Freunde und kennen sich, seit sie denken können, denn sie haben nie woanders gelebt. Es gibt keine Familien, bei denen die Kollegiaten ihre Ferien verbringen, kein Zuhause, außer Hailsham. Kollegiaten? Oder doch eher Insassen? Denn die Lehrer heißen in Hailsham Aufseher und für die Kinder und Jugendlichen, die hier leben, gibt es nichts außerhalb der Mauern und Zäune des Internats. Aber sie sind nicht unglücklich, denn sie wissen nicht, dass es da etwas geben sollte. Sie leben, lernen, weinen und lachen zusammen – bis sie ihrer Bestimmung, ihrem einzigen Daseinszweck, folgen müssen.

Neulich las ich im Kulturteil von Zeit-Online einen Artikel von Christoph Schröder über moderne Klappentexte und er bemängelt, dass offenbar in letzter Zeit besonders das Attribut “verstörend” mit der ganz großen Kelle verteilt wird. Nun, ich gebe ihm grundsätzlich recht und in neunzig Prozent der Fälle ist es nichts anderes als eine Masche des Verlages, um dem Buch eine interessante Note zu geben, die es in dem Maß gar nicht hat. Aber im Falle dieses Romans von Kazuo Ishiguro fällt mir kein einziges Wort ein, welches dieses Buch besser charakterisieren könnte.

Verstörend, wie die Ich-Erzählerin Kathy einfach so ihre Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die durch die streckenweise völlig wertungsfreie Erzählweise eine Dichte und Kraft aufbaut, die fassungslos macht. Die vielen unglaublich geschickt eingewobenen Stellen, die, der Erzählerin offensichtlich nicht wirklich klar, dem Leser umso spürbarer deutlich machen, wie ungeheuerlich die Situation der Hauptfiguren und, damit verbunden, der ganzen Welt ist, zeugen von großem Können und einem ausgeprägten Bewusstsein für Sprache.

Ishiguro verleiht seinen Charakteren eine so intensive Tiefe, dass man sich ihnen unmöglich entziehen kann. Die Schauplätze unterstreichen die teilweise klaustrophobische Atmosphäre beängstigend perfekt und geben der Geschichte einen vollkommenen Rahmen. Eindringlich beweist dieser Roman, dass es keiner künstlichen Dramatik, keiner Action und keiner großen Worte bedarf um eine Geschichte zu erzählen, die den Leser in tiefster Seele berührt und bis in seine Träume verfolgt.

“Alles, was wir geben mussten” entließ mich mit dem Gefühl absoluter Hoffnungslosigkeit und tiefer Traurigkeit. Verstört!

Stil und Aufbau können nur als herausragend bezeichnet werden. Herausragend aus einer Fülle von Büchern, die Herausragendes versprechen und am Ende allenfalls großartig sind.

Zitate:

Wichtig war uns etwas ganz anderes, nämlich, wie Ruth eines Abends, als wir in ihrem gefliesten Zimmer in Dover saßen und in den Sonnenuntergang hinausblickten, sehr treffend formulierte: “Wenn wir etwas Kostbares verloren hatten und es überall wie verrückt suchten, aber nicht fanden, brauchten wir trotzdem nicht völlig verzweifeln, weil wir uns als letzten Trost vorstellen konnten, dass wir eines Tages, wenn wir erwachsen wären und überallhin fahren könnten, nach Norfolk gehen und es dort wiederfinden würden.” (Seite 86)

(Leider gekürzt wegen Begrenzung auf 4000 Zeichen)

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Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 21.07.2011 ***** ausgezeichnet
Kazuo Ishiguro beschreibt das Leben dreier Jugendlicher aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Kathy, in sachlicher emotionsloser Sprache, über derer Kindheit ohne Eltern, in einem englischen Internat. Eine scheinbar ganz normale Kindheit und Jugend mit allen Konflikten, die Teenies unter sich auszutragen haben. Doch diese Internat Kinder sind Klone, lebende Organspender, die ein trauriges Ende erwartet.
Das Buch beschäftigt sich jedoch nicht mit den technischen Fragen des Klonens, auch ist es kein moralischer Aspekt der Gentechnologie. Vielmehr behandelt der Autor Essenzielleres: Was sind wir bereit zu nehmen, was zu geben? Wissen wir überhaupt, was uns zusteht? Wissen wir, was kommt, was bleibt? Wie wollen wir leben? Was ist wichtig? Sind wir für den Fortschritt bereit? Es ist ein nachdenkliches und überaus berührendes Buch über das Menschsein und die Verantwortung die damit verbunden ist.
Vielleicht wird man nach der Lektüre ein wenig bewusster leben, sich öfter, ähnlich wie Kathy, Ruth und Tommy, an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen. Das Buch berührt langsam, tief und wie zufällig. Ich liebe es!

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Bewertung von Pippi Langstrumpf aus Lippstadt am 29.08.2010 ***** sehr gut
Der Roman "Alles was wir geben mussten", von Kazuo Ishiguro spielt in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts in England. Es geht um Kathi,Tomy, Ruth, Laura und viele andere junge Menschen, die in einer Art Parallelwelt leben. In ihr wir ihr gesamtes Leben vorbestimmt und selbst die Vorstellung in einem Büro zu arbeiten ist für die jungen Leute abendteuerlich. Der einzige Zweck der ihnen zu kommt ist es Organe zu spenden; nicht erst nach ihrem Tod sondern schon zu Lebenszeiten. Aus diesem Grund sind sie nicht auf natürlichem Wege gezeugt worden, sondern sind Klone.
Ich glaube, durch die interesante Art des Erzählens lenkt Ishiguro ganz bewusst die Aufmerksamkeit seiner Leser auf die aktuellen Themen "Menschenzüchtung" und "Organhandel". Ein Buch was man wunderbar lesen kann und zudem noch zum nachdenken anregt.

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Bewertung von sabisteb aus Freiburg am 08.06.2010 ***** sehr gut
Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte von Kathy H. und ihrer Freunde Ruth und Tommy. In Drei Teilen erzählt Kathy H. ihre Lebensgeschichte. Von ihrer Kindheit in einer Art Internat Namen Hailsham, von ihrer kurzen Jungend in den Cottages und ihrem Leben als Spender und Betreuer.

Im ersten Teil, der Kindheit, entfaltet sich eine einerseits heile Welt wie in einem Hanni und Nanni Internat, andererseits schwebt da dieses Damoklesschwert „spenden“ über den Kindern, denn noch bevor sie überhaupt in die mittleren Jahre kommen, werden ihnen nach und nach die lebenswichtigen Organen entnommen.
Die Kinder waren noch nie in der wahren Welt, sie sind ihr Leben lang in Hailsham interniert, in ihrer eigenen, kleinen, „heilen“ Welt. Für das Leben nach Hailsham gibt es Fächer wie Gesellschaftskunde in welchem Fähigkeiten in Rollenspielen eingeübt werden, die man als normaler Mensch einfach so mitbekommt und erlebt. Die Lehrer werden Aufseher genannt, was sie wohl auch in gewisser weise sind. Dieses Hailsham ist Internat und Gefängnis zugleich. Die Lehrer scheinen mit ihrer Rolle auch nicht glücklich zu sein. Da wäre miss Lucy, die wütend wird, wenn die Kinder Fragen über das Spenden stellen. Die Aufseher verlieren sich in mysteriösen Andeutungen wie "Es geschieht aus gutem Grund. Aus einem sehr wichtigen Grund. (S. 55)" Dann ist da die seltsame Madame, die die schönsten Kunstwerke abholt und sich dabei jedoch vor den Kindern ekelt, wie vor Spinnen (S. 48 ). Warum wird in Hailsham so viel Wert auf Kreativität gelegt und so wenig auf Naturwissenschaften und logisches Denken? Nie sind die Kinder allein, immer in Gruppen.
Eine interessante Mischung aus heiler Internatswelt, seltsamer Internierung und Abschottung vor der Außenwelt und einem großen Geheimnis, das immer nur angedeutet wird. Beklemmend und doch wieder heile Welt, surreal und doch wieder nicht.

Der Autor entwirft eine geschickte Utopie, wie Menschen zu Dingen werden, das akzeptieren, sich in ihre Rolle einfinden und stolz darauf sind. Das ganze Menschenbild oder besser Spenderbild, das in diesem Buch gezeigt wird ist menschenunwürdig. Ein Spender stirbt nicht, er schließt ab. Die Cottages machen den Eindruck einer Auswilderung. Wie bei wilden Tieren. Ab und an mal vorsichtige Ausflüge ins Umlang um die neue Welt zu erkunden, nachdem man sein Leben im Zoo / Hailsham verbracht haben. Man lernt menschliche Verhaltensweisen unreflektiert aus dem Fernsehen, schaut aber nie Nachrichten und interessiert sich nicht dafür, was in der Welt wirklich passiert.
Diese Menschen lernen nie Probleme zu klären. Probleme schwären vor sich hin, werden vermieden, verschwiegen und irgendwann muss es dann zum Ausbruch und Zusammenbruch kommen, was wohl auch beabsichtig ist, die Cottages sollen die Jugendlichen, die vorher zusammenhielten und in der Masse und in ihrer Verbundenheit eine Gefahr wären, entzweien. Sie flüchten in den einzigen ihnen möglichen Beruf als Betreuer, in welchem sie Spender auf dem Weg des Sterbens begleiten. Sie sehen Jahrelang das Leid um sich herum, haben keinen um darüber zu sprechen und das macht sie kaputt. Sie sind psychisch letztendlich so am Ende, dass sie einfach nur spenden und sterben wollen. Ein extrem perfides Kontrollsystem.

Probleme hatte ich mit der Datierung der Geschichte, sie spielt in den 1970er – 1990er Jahren. Aber damals war es noch nicht möglich Menschen zu klonen, mir wäre eine Datierung in die Zukunft logischer erschienen. Wer hat diese Kinder geboren?

Fazit: Dieses Buch liest sich flüssig und spricht auf emotionale und poetische Weise ethische Dilemmas an, die das Klonen mit sich bringen wird/kann. Das Buch hat aber vielleicht gerade wegen seiner Emotionalität einige logische Lücken und Probleme, die nicht gelöst werden, wie die Datierung der Geschichte. Dennoch extrem lesenswert.

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Bewertung von sabisteb aus Freiburg am 08.06.2010 ***** sehr gut
Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte von Kathy H. und ihrer Freunde Ruth und Tommy. In Drei Teilen erzählt Kathy H. ihre Lebensgeschichte. Von ihrer Kindheit in einer Art Internat Namen Hailsham, von ihrer kurzen Jungend in den Cottages und ihrem Leben als Spender und Betreuer.

Im ersten Teil, der Kindheit, entfaltet sich eine einerseits heile Welt wie in einem Hanni und Nanni Internat, andererseits schwebt da dieses Damoklesschwert „spenden“ über den Kindern, denn noch bevor sie überhaupt in die mittleren Jahre kommen, werden ihnen nach und nach die lebenswichtigen Organen entnommen.
Die Kinder waren noch nie in der wahren Welt, sie sind ihr Leben lang in Hailsham interniert, in ihrer eigenen, kleinen, „heilen“ Welt. Für das Leben nach Hailsham gibt es Fächer wie Gesellschaftskunde in welchem Fähigkeiten in Rollenspielen eingeübt werden, die man als normaler Mensch einfach so mitbekommt und erlebt. Die Lehrer werden Aufseher genannt, was sie wohl auch in gewisser weise sind. Dieses Hailsham ist Internat und Gefängnis zugleich. Die Lehrer scheinen mit ihrer Rolle auch nicht glücklich zu sein. Da wäre miss Lucy, die wütend wird, wenn die Kinder Fragen über das Spenden stellen. Die Aufseher verlieren sich in mysteriösen Andeutungen wie "Es geschieht aus gutem Grund. Aus einem sehr wichtigen Grund. (S. 55)" Dann ist da die seltsame Madame, die die schönsten Kunstwerke abholt und sich dabei jedoch vor den Kindern ekelt, wie vor Spinnen (S. 48 ). Warum wird in Hailsham so viel Wert auf Kreativität gelegt und so wenig auf Naturwissenschaften und logisches Denken? Nie sind die Kinder allein, immer in Gruppen.
Eine interessante Mischung aus heiler Internatswelt, seltsamer Internierung und Abschottung vor der Außenwelt und einem großen Geheimnis, das immer nur angedeutet wird. Beklemmend und doch wieder heile Welt, surreal und doch wieder nicht.

Der Autor entwirft eine geschickte Utopie, wie Menschen zu Dingen werden, das akzeptieren, sich in ihre Rolle einfinden und stolz darauf sind. Das ganze Menschenbild oder besser Spenderbild, das in diesem Buch gezeigt wird ist menschenunwürdig. Ein Spender stirbt nicht, er schließt ab. Die Cottages machen den Eindruck einer Auswilderung. Wie bei wilden Tieren. Ab und an mal vorsichtige Ausflüge ins Umlang um die neue Welt zu erkunden, nachdem man sein Leben im Zoo / Hailsham verbracht haben. Man lernt menschliche Verhaltensweisen unreflektiert aus dem Fernsehen, schaut aber nie Nachrichten und interessiert sich nicht dafür, was in der Welt wirklich passiert.
Diese Menschen lernen nie Probleme zu klären. Probleme schwären vor sich hin, werden vermieden, verschwiegen und irgendwann muss es dann zum Ausbruch und Zusammenbruch kommen, was wohl auch beabsichtig ist, die Cottages sollen die Jugendlichen, die vorher zusammenhielten und in der Masse und in ihrer Verbundenheit eine Gefahr wären, entzweien. Sie flüchten in den einzigen ihnen möglichen Beruf als Betreuer, in welchem sie Spender auf dem Weg des Sterbens begleiten. Sie sehen Jahrelang das Leid um sich herum, haben keinen um darüber zu sprechen und das macht sie kaputt. Sie sind psychisch letztendlich so am Ende, dass sie einfach nur spenden und sterben wollen. Ein extrem perfides Kontrollsystem.

Probleme hatte ich mit der Datierung der Geschichte, sie spielt in den 1970er – 1990er Jahren. Aber damals war es noch nicht möglich Menschen zu klonen, mir wäre eine Datierung in die Zukunft logischer erschienen. Wer hat diese Kinder geboren?

Fazit: Dieses Buch liest sich flüssig und spricht auf emotionale und poetische Weise ethische Dilemmas an, die das Klonen mit sich bringen wird/kann. Das Buch hat aber vielleicht gerade wegen seiner Emotionalität einige logische Lücken und Probleme, die nicht gelöst werden, wie die Datierung der Geschichte. Dennoch extrem lesenswert.

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Bewertung von Lehmann, Peter aus Elsfleth b. Bremen am 17.02.2008 ***** sehr gut
Eine sehr interessante, spannend erzählte Geschichte. Nur leider sehr schlampig ins Deutsche übersetzt. Ansonsten sehr empfehlenswert, man kann das Buch nicht aus der Hand legen, bis es durchgelesen ist...

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