Die US-Sängerin feiert auf ihrem vierten Album Erntedankfest.
Artwork und Thematik preisen die Freuden des einfachen Lebens im
Einklang mit der Natur, musikalische Landlust sozusagen. Dieses
Konzept führt zu einigen ergreifend schönen Songs und zu einem
religiösen Gospel-Grundton und damit zu den musikalischen Wurzeln
der Pfarrerstochter aus Georgia. Mit ihrer Gospel-Grundierung passt
diese Produktion ganz vorzüglich in die Vorweihnachtszeit. Man
sollte allerdings eine gewisse Affinität zu getragenen
musikalischen Frömmigkeitsbeweisen besitzen, um die reiche
musikalische Ernte zu genießen, die das Landkind Lizz Wright hier
auf dem Öko-Gabentisch ausbreitet. Dass die Sache nicht allzu
geschmäcklerisch wird, dafür sorgt zum einen Produzent Brian
Bacchus, der schon mit seiner Arbeit für Norah Jones und Cassandra
Wilson gezeigt hat, dass er weiß, wie man eine gute Stimme in die
passenden Arrangements bettet - indem man sie eben nicht zu sehr in
den Sound einsinken, sondern ihnen viel Raum zum Atmen lässt. Zum
anderen ist es Lizz Wright selbst, die hier mit ihrer Stimme in
seltener Klarheit und mit viel innerer Wärme - sprich: mit Seele,
mit Soul - auch noch den größten Skeptiker rumkriegt. So richtig
ergreifend wird der Erntedankgottesdienst freilich erst nach dem
Gospel-Medley auf ungefähr halber Strecke, wenn die afrikanische
Kollegin Angélique Kidjo in Track 7, "All The Seeds",
ihren ersten Gastauftritt hat, und dann mit Lizz Wrights intensiver
Interpretation von Track 8, "Presence Of The Lord" von
Eric Clapton. Ab da geht es von Glanzlicht zu Glanzlicht, vom
introvertierten "In From The Storm" von Jimi Hendrix über
"Feed The Light" zum viel zu kurzen Duett "Oya"
mit Angélique Kidjo. Oh ja, das ist gut. Und Lizz Wrights Version
des wahrlich in jeder erdenklichen Weise gedrehten und gewendeten
Standards "Amazing Grace" ist zum guten Ende dann
überraschenderweise sogar fast noch besser. Manfred
Gillig-Degrave
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