Alte Meister, Graphic Novel - Bernhard, Thomas; Mahler, Nicolas

Thomas Bernhard Nicolas Mahler 

Alte Meister, Graphic Novel

Komödie

Herausgeber: Platthaus, Andreas / Illustrator: Mahler, Nicolas
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Alte Meister, Graphic Novel

Im Wiener Kunsthistorischen Museum, auf der Sitzbank gegenüber von Tintorettos "Weisbärtigem Mann", bezieht jeden zweiten Vormittag - außer an den eintrittsfreien Samstagen - der Musikphilosoph Reger Stellung. Eines Tages wird die Routine unterbrochen: Reger bittet seinen Freund Atzbacher, sich ausgerechnet am Samstag mit ihm im Museum zu treffen. Doch bevor der Grund für dieses ungewöhnliche Verhalten enthüllt wird, ergeht sich Reger in herrlich schwungvollen Tiraden gegen die Kunst im allgemeinen, die Maler im besonderen, verdammt Stifter ebenso wie Heidegger, beschimpft Wien und die Wiener - und weiß doch, daß die einzige Rettung im menschlichen Gegenüber zu finden ist, im "Lebensmenschen" in seinem Fall.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 159 S. zweifarb. Comics.
  • Seitenzahl: 158
  • Suhrkamp Taschenbücher Bd.4293
  • Best.Nr. des Verlages: 46293
  • Deutsch
  • Abmessung: 241mm x 173mm x 15mm
  • Gewicht: 497g
  • ISBN-13: 9783518462935
  • ISBN-10: 3518462938
  • Best.Nr.: 33381906

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Sven Jachmann ist voll des Lobs für Nicolas Mahlers Comic-Adaption von Thomas Bernhards Roman "Alte Meister". Er würdigt den Comiczeichner und Cartoonisten als "Meister der bildpoetischen Reduktion". Von dieser Meisterschaft zeugt für ihn einmal mehr die vorliegende Adaption von Bernhards Werk über den übellaunigen Kritiker Reger, der seit dreißig Jahren jeden zweiten Vormittag im Kunsthistorischen Museum Wien verbringt: der 300-Seiten-Roman mit all seinen Abschweifungen, Wiederholungen und Schimpftiraden wird auf 150 Seiten Comic reduziert. Dass der Comic auf die Bernhard typischen Schmähungen Österreichs verzichtet, schadet ihm nach Ansicht von Jachmann dabei keineswegs. Im entscheidenden Detail scheint ihm die Adaption nämlich perfekt: in der komischen Entlarvung der Hybris der Werke der großen Meister und in der Entsprechung von Regers Wiederholungszwang im seriellen Prinzip des Comics.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.12.2011

Ein Toter hat noch lange zu leben
Der Suhrkamp Verlag startet eine neue Reihe mit illustrierten Ausgaben seiner modernen Klassiker –
den Anfang macht Thomas Bernhards „Alte Meister“, als Comic bearbeitet von Nicolas Mahler
Thomas Bernhards Spätwerk „Alte Meister“ scheint wie geschaffen für eine Bearbeitung als Comic. „Ein großes bedeutendes Kunstwerk halten wir nur dann aus, wenn wir es zur Karikatur gemacht haben“, sagt die Hauptfigur, der alte Musikkritiker Reger, der seit über dreißig Jahren jeden zweiten Tag auf der Bank vor Tintorettos „Weißhaarigen Mann“ im Wiener Kunsthistorischen Museums sitzt – womit auch schon beinahe die gesamte Handlung des 300 Seiten starken Buches, das im Untertitel eine „Komödie“ genannt wird, zusammengefasst wäre. Neben Reger treten darin auf: der nahezu profillose Atzbacher, der als Erzähler und Stichwortgeber seines Bekannten fungiert, sowie ein Museumswärter mit dem schönen Namen Irrsigler; den größten Raum in Text nimmt ein durch die Wiedergabe Atzbachers gefilterter Monolog Regers ein, eine der berüchtigten Schimpftiraden Bernhards über die österreichische Kultur und Gesellschaft, aber …

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"Aber wie will man ausgerechnet mit einer "Graphic Novel" – wie es so schön heißt – diese ungehemmte Suada, diese ratternde, saukomische und zugleich tieftraurige Bernhardsche Sprachmaschine, die sich auf 300 Seiten absatzlos breitmacht, mit ein paar Strichen bändigen? Der Wiener Cartoonzeichner Nicolas Mahler hat es … gewagt, und es ist ihm, um es vorwegzunehmen, vortrefflich gelungen."
Philipp Haibach Welt kompakt

»Herausgeber und Zeichner ist ein wunderbarer Comic gelungen. Man muss die Bernhardsche Vorlage nicht kenn, hat naturgemäß noch mehr davon, wenn man sie kennt. Kurzum, ein Muss für >Bernhardiner< und ein Einstiegscomic für Genreignoranten.«

»Bernhard literarisches Verfahren besteht aus solchen Spracheskalationen, einer atemlosen, rauschhaften Abfolge von Variationen, einer über viele Etappen gehenden Steigerung, die in maßloser Übertreibung mündet. … Nicolas Mahlers sehr zurückgenommener Strich veranschaulicht dies besonders gut. Er inszeniert das Bernhard'sche Kammerspiel als eine Reihe von Momentaufnahmen, die über kleine Veränderungen miteinander verbunden sind. … In jedem Fall hat Mahler mit seinem Comic nicht einfach nur eine bekannte Geschichte, einen Klassiker illustriert, sondern eine eigenständige und weiterführende Interpretation geliefert.«
Thomas Bernhard (1931-1989) war einer der bekanntesten österreichischen Erzähler des zwanzigsten Jahrhunderts. Er wuchs in Wien und in Seekirchen am Wallersee auf, wurde für kurze Zeit in ein Heim für schwer Erziehbare geschickt, brach seine Schulausbildung ab und wurde Kaufmannsgehilfe. 1947-48 arbeitete er als Lehrling. Dabei zog er sich eine Lungenentzündung zu, die sich zur Tuberkulose ausweitete. Er verbrachte die nächsten beiden Jahre in verschiedenen Krankenhäusern. Nach seiner Genesung wurde er Gerichtsreporter. Er studierte Gesang und veröffentlichte erste Texte. Der Durchbruch als Romanautor gelang ihm 1963 mit "Frost", weitere Romane folgten. Auch als Dramenautor machte sich Bernhard einen Namen. Ab 1965 lebte er in Wien und auf einem oberösterreichischen Gutshof. 1984 kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung wegen seines Romans "Holzfällen".
1970 wurde Thomas Bernhard mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

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