Leseprobe zu "Konfliktmanagement" von Peter Höher; Friederike Höher
Wie entstehen Konflikte in Organisationen? (S. 71-72)
Ob es in einer bestimmten Situation zum Konflikt kommt oder nicht, hängt von verschiedenen Einflussgrößen ab. Es kann an den persönlichen Faktoren der Parteien liegen, z.B. an Einstellungen, Verhaltensgewohnheiten, Persönlichkeitsmerkmalen. Es kann auch an sachlichen Faktoren liegen, zum Beispiel an einer unzureichenden Abgrenzung der Funktionen oder an Problemen in der Ablauforganisation. Konflikte in Organisationen sind Normalität. Mit ihnen ist z.B. besonders in Veränderungsprozessen zu rechnen und im Entwicklungsprozess von Gruppen. Die konkurrierenden und kooperativen Interessen von Gruppen in einer Organisation sowie die Kultur und das Klima der Organisation bilden den Rahmen, in dem sich Konflikte entfalten und verändern.
Organisationskonflikte
Wenn es zum Konflikt zwischen verschiedenen Gruppen oder Personen kommt, die im Unternehmen bestimmte Interessen haben, sprechen wir von Organisationskonflikten.
Hierzu einige Fragestellungen (nach Jost 1998, 15), damit Sie diese Konflikte erkennen:
• Welche Personen oder Gruppen haben Interessen an dem Unternehmen?
• Welche Interessen haben die einzelnen Parteien?
• Welche grundsätzlichen Interessengegensätze gibt es zwischen diesen Parteien?
• Inwiefern können diese Parteien das Unternehmen bzw. seine Ziele beeinflussen?
• Inwieweit sind die Parteien von der Zielerreichung des Unternehmens abhängig?
Denken Sie bei der Antwort z.B. an Zulieferer, Arbeitnehmer, Kunden, das Management, Kapitalgeber, den Staat usw. Zwischen all diesen Gruppen kann es auf Grund unterschiedlicher Interessenlage zum Konflikt kommen. Das Austragen von Konflikten ist dabei häufig formalisiert, es können Instanzen eingeschaltet werden.
Ein großer Teil systembedingter Organisationskonflikte kann von den Betroffenen letztlich nur hingenommen werden. Der Einfluss einzelner Mitarbeiter oder Mitarbeitergruppen ist nicht weit reichend genug, um sie zu lösen. Denken Sie z.B. an die möglichen Auseinandersetzungen zwischen einem deutschen Unternehmen, das mit einem amerikanischen Unternehmen fusioniert, und die Konzernleitung sitzt in den USA. Oft sind Rahmenbedingungen für Projekte schwer veränderbar. Gewohnheitsrechte, gewachsene Strukturen oder vorgegebene technische Möglichkeiten lassen sich nicht von heute auf morgen verändern und müssen daher so, wie sie sind, in die Problembearbeitung als feste Größe integriert werden.
CHECKLISTE ORGANISATIONSKONFLIKTE
• Was sind immer wieder Konfliktthemen? Wer ist daran beteiligt?
• Was sind die Interventionsmuster in diesen Konfliktsituationen?
• Welche Strategien sind vorhanden? Wer nutzt sie?
• Welche Hilfen haben die Parteien zur Konfliktbewältigung (Zeit, Sachmittel, Know-how-Beratung etc.)?
• Welche beteiligten Personen sollen trainiert, gecoacht oder ausgewechselt werden?
Wie geht man mit Widerstand konstruktiv um?
Experiment
• Heben Sie Ihre Hände über den Kopf und drücken Sie die Handflächen gegeneinander. Was passiert?
• Sie werden folgende Erfahrung machen: Wo Schub ist, ist Druck. Wo Druck ist, entsteht Widerstand.
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