Camille und Paul Claudel - Bona, Dominique

Dominique Bona 

Camille und Paul Claudel

Aus d. Französ. v. Eva Moldenhauer
Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
10 ebmiles sammeln
EUR 10,00
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

Camille und Paul Claudel

Kunst und Leben! Ein bewusst neuer Blick auf Camille und Paul Claudel.

Camille Claudel verbindet seit ihrer Kindheit eine besondere Beziehung zu ihrem Bruder Paul. Aufgewachsen unter dem strengen Regiment der gefühlskalten Mutter, geben sich die Geschwister gegenseitig Halt und entdecken gemeinsam ihre Begeisterung für die Kunst. Als Camille allerdings die Geliebte von Auguste Rodin wird, kommt es zum Bruch. Viel zu sehr verletzt den tief religiösen Paul die Affäre seiner Schwester mit Rodin. Während Paul später zu einem der angesehensten Schriftsteller Frankreichs wird, driftet Camille nach der Trennung von Rodin immer stärker in eine Wahnwelt ab und verbringt die letzten dreißig Jahre ihres Lebens in einer Heilanstalt.



Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 383 S., . Bildtl.
  • Seitenzahl: 383
  • btb Bd.73996
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 120mm x 28mm
  • Gewicht: 326g
  • ISBN-13: 9783442739967
  • ISBN-10: 3442739969
  • Best.Nr.: 26283992
"Dominique Bona gelingt das gewagte Unterfangen, in einem Buch das Leben zweier großer Künstler zu beschreiben. Sie kommt dabei sowohl Camille als auch Paul äußerst nahe und zeichnet höchst lebendig das künstlerische Leben dieser spannenden Zeit in Paris nach." Paris Match

"Bonas Verdienst besteht darin, Leben und Werk der beiden Geschwister erzählerisch aufeinander bezogen zu haben, die innere Einheit und ähnliche Verfassung deutlich herausgearbeitet zu haben. Gleichzeitig gestattet sie es der Tragik an keiner Stelle, das Leben der beiden vorauseilend zu verschatten."
Dominique Bona, geboren 1953 in Perpignan, studierte Literaturwissenschaft in Paris. Sie hat bereits mehrere Romane und Biographien veröffentlicht, die alle mit wichtigen französischen Preisen ausgezeichnet wurden. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin ist Dominique Bona eine der renommiertesten Literaturkritikerinnen des Figaro Litteraire.

Leseprobe zu "Camille und Paul Claudel" von Dominique Bona

PDF anzeigen

Leseprobe zu "Camille und Paul Claudel" von Dominique Bona

DIE ERDE UND DER WIND Geburten Camille, die ältere, schlägt die Augen im Winter auf. Das Land rings um Fereen-Tardenois ist gefroren. Die Bäume sind kahl, die Herden in den Stall zurückgekehrt. Ein eisiger, böser Wind, der den Kindern, die alt genug sind, die Stimme des Teufels zu hören, Alpträume beschert, bläst und heult über den Schieferdächern der kleinen Stadt, der Hauptstadt des Departements Aisne. Nichts vermag diesen Wind zu mildern oder zu besänftigen, wenn er sich entfesselt: Seine mächtigen Wutausbrüche sind von dieser Gegend ebensowenig zu trennen wie die fette Erde und die hügelige Landschaft. Das Wasser des Ourcq wird bald gefrieren. Es ist der 8. Dezember 1864, der Tag, an dem die Katholiken das Fest der Unbefleckten Empfängnis begehen - der nicht mit der Erbsünde behafteten Geburt der Jungfrau Maria.

Die Geburt dieser Tochter, so katholisch sie mehr der Tradition als der Überzeugung nach sein mag, verdrießt die Mutter: Zu ihrem Geburtstag, denn an ebendiesem Tag wird sie vierundzwanzig, erhoffte sie sich einen Knaben. Statt sich zu freuen, verhehlt die junge Wöchnerin nicht ihren Kummer. Eine untröstliche und noch Trauer tragende Mutter hat eine Tochter zur Welt gebracht: Denn vor kaum fünfzehn Monaten hat sie einen Sohn verloren, ihren Erstgeborenen Charles-Louis. Am 1. August 1863 geboren, starb er am 16., einen Tag nach dem der heiligen Jungfrau geweihten Tag, die ihre Gebete sichtlich nicht erhört hat. Vom ersten Augenblick, vom ersten Schrei an schmollt die Mutter mit ihrer Tochter. Sie enttäuscht ihre Hoffnungen. Der Groll wird ihr immer bleiben.

Der Vater dagegen lächelt dieses robuste Kind an, das nach zwei langen Ehejahren Leben und Schwung in sein Heim bringt.

Er zürnt dem Himmel nicht, sich im Geschlecht geirrt zu haben, indem er ihm eine Tochter sandte. Im übrigen glaubt er recht wenig an den Himmel und an Gott, noch weniger an die heilige Jungfrau. Er ist ein eingefleischter Republikaner, hochzufrieden, mit achtunddreißig Jahren endlich Vater zu sein.

Das Baby wird am 25. Januar getauft, auf den androgynen Vornamen Camille, in dem sich die Sehnsucht nach einem Sohn widerspiegelt. Eine Zeremonie im engen Familienkreis, vorgenommen von ihrem Großonkel mütterlicherseits, der Pfarrer ist.

Paul, der jüngere, kommt mitten im Sommer zur Welt: am 6. August 1868, also knapp vier Jahre nach Camille. Für die Katholiken ist es das Fest der Verklärung, das an den Tag erinnert, an dem Christus in seinem himmlischen Glanz dreien seiner Jünger auf dem Berg Tabor erschien. Die Sonne versengt die Felder, die Wiesen und den Garten des Presbyteriums von Villeneuve, wohin die Familie, vom Onkel und Pfarrer begrüßt, soeben umgezogen ist, vier Kilometer von Fere entfernt. Die Mutter kommt in einem Zimmer im ersten Stock nieder, das wegen der Hitze und der vielen Gerüche der Umgebung bald stickig sein wird, am frühen Morgen jedoch noch relativ kühl ist. Es ist vier Uhr morgens. Das Dorf schläft. Die drei Glocken der Kirche, die vom Presbyterium nur durch eine schlichte Hecke getrennt ist, haben noch nicht zur Frühmette geläutet. Mit der Freude der Eltern übereinstimmend, ertönt der erste Hahnenschrei im Hühnerhof.

Da ist er endlich, der heiß ersehnte Sohn. Er soll Paul heißen, wie Madame Claudels einziger Bruder: ein schwer zu tragender Vorname, denn es ist der eines Selbstmörders - Paul Cerveaux hat sich im Alter von dreiundzwanzig Jahren in der Marne ertränkt. Kaum zwei Jahre trennen den Tod dieses jungen Mannes von dem Neffen, den er nicht kennenlernen wird. Und als sollte das Kind die Erinnerung an all ihre Trauerfälle der jüngsten Zeit in sich tragen, geben die Eltern ihrem Sohn auch noch die Vornamen von Charles-Louis, seinem verstorbenen kleinen Bruder.

Wie um das Unglück abzuwenden, kehrt man sie um: nach Paul kommt Louis, dann Charles und zum Schluß Marie. Die heilige Jungfrau wird ihn vor diesen weißen Phantomen beschützen, den tragischen Schatten, die man ihm in die Wiege gelegt hat. Am ii. Oktober getauft, wiederum vom Pfarrer-Großonkel, der im Jahr darauf sterben wird, ist Paul Louis Charles Marie lediglich der zweite Sohn seiner Eltern, wenn auch dem Anschein nach der einzige. In der Familie ist er das Nesthäkchen. Alle werden ihn sehr schnell und für immer den kleinen Paul nennen. Ein ideales Spielzeug für seine beiden Schwestern, die sich um ihn zanken, vor allem für die ältere.

Denn zwischen Camille und Paul hat sich ein zweites Mädchen geschoben: Louise. Am 26. Februar 1866 in Fere geboren, zwei Jahre nach Camille und zwei Jahre vor Paul, verhindert sie, daß das Duo vollständig funktioniert. Die Claudel-Kinder bilden ein Trio, in dem das beherrschende, tyrannische Element weiblich ist. Bis zur Jugend werden die Töchter das Kommando haben, ohne indes eine Koalition zu bilden - sie verstehen sich nicht, werden sich nie verstehen. Besonders zu erwähnen: Camille ist bei weitem die autoritärste und ungestümste.

Louise, auf denselben Namen getauft wie ihre Mutter, deren Lieblingskind sie ist, wird diesen Vorteil auszunutzen verstehen. Die beiden Louisen, Mutter und Tochter, erfreuen sich vom ersten Tag an eines privilegierten Bandes, das sich mit der Zeit noch verstärken wird: ihr Leben lang werden sie verbündet und unzertrennlich sein. Madame Claudel verhehlt den beiden anderen Kindern ihre Gefühle nicht, und sie finden sich damit ab. Sie haben keine Wahl. Mit seinem Sinn für Gerechtigkeit versucht der Vater, seine Zuneigung gleichmäßig auf die drei zu verteilen. Aber es ist in keiner Weise eine überschwengliche Familie: man umarmt sich nicht, man verhätschelt nicht.

Wie ihre Schwester im Winter geboren, weist der Sternenhimmel Louise als Wasserzeichen aus: sie ist dem Tierkreis zufolge Fisch, also muß sie schwimmen können an diesem schwierigen Platz, eingeklemmt zwischen zwei heißen, vulkanischen Temperamenten. Sie wird sich nicht erdrücken lassen. Auf ihre nicht immer nachgiebige, aber bestimmte Weise schützt sie, ebenso starrsinnig wie die beiden anderen, ihre Gewässer.

Camille, Schütze, und Paul, Löwe, sind beide Feuerzeichen. Die Sonne beherrscht sie. Für Paul ist es eine Mittagssonne - die Sonne der reifen Sommer, der goldenen Ernten, der vom Wind der Steppen des Tardenois verbrannten Ebenen. Für Camille ist es eine winterliche, bereits tiefstehende Sonne, die über den Wäldern und Ebenen untergehen wird.

4 Marktplatz-Angebote für "Camille und Paul Claudel" ab EUR 0,25

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
gebraucht; gut 0,25 1,80 Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, offene Rechnung, Banküberweisung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Sella Group 98,1% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 4,50 1,30 Banküberweisung bücherwurm5462 99,7% ansehen
gebraucht; sehr gut 6,30 1,99 PayPal, Banküberweisung Jahnke-Buch 100,0% ansehen
gebraucht; wie neu 9,50 1,00 PayPal, Banküberweisung, Selbstabholung und Barzahlung jo1u 98,4% ansehen
Mehr von