Peking-Koma - Ma Jian

Ma Jian 

Peking-Koma

Roman

Deutsch v. Susanne Höbel
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Peking-Koma

«Peking-Koma ist nicht nur die poetische Betrachtung eines Landes, das sich an einem einschneidenden Moment in seiner Geschichte befindet, sondern erinnert auch daran, dass jeder Mensch das universelle Recht auf Erinnerungen und Hoffnungen hat. Es ist in jeder Hinsicht ein bahnbrechender Roman.» The Telegraph «Ma Jian ist eine der wichtigsten und mutigsten Stimmen der chinesischen Literatur.» Literaturnobelpreisträger Gao Xingjiang

Juni 1989. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens versammeln sich Tausende Studenten, um für mehr politische Freiheit zu kämpfen. Unter ihnen der Ex-Biologiestudent Dai Wei. Plötzlich fallen Schüsse. Dann herrscht Stille. Als Dai Wei wieder zu sich kommt, liegt er, von der Kugel eines Soldaten schwer verletzt, im Wachkoma. Medizinische Behandlung wird dem politisch Unzuverlässigen verweigert; seine Mutter pflegt ihn aufopferungsvoll, ohne zu merken, dass er bei Bewusstsein ist. Zehn Jahre liegt er so, wird stummer Zeuge der Verwandlung Chinas in einen modernen, zusehends kapitalistischeren Staat. Seine Erinnerungen indes schweifen zurück zu einem Leben, das von politischer Willkür, Grausamkeit und Menschenverachtung gezeichnet ist: der Vater, ein Musiker, während der Kulturrevolution ins Lager gesteckt; der Großvater in den Selbstmord getrieben; die Mutter aus ihrem Haus gejagt. Noch nie wurde die jüngste Geschichte Chinas so ungeschminkt beschrieben. Ma Jians schriftstellerisches Ausnahmetalent zeigt sich vor allem in seiner Sprache, in der Mischung von bitterem Realismus und melancholischer Poesie, in der Liebe zur Sinnlichkeit und Opulenz der Beschreibung. Dies ist ein großer Roman, schaurig und schön zugleich.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 927 S.
  • Seitenzahl: 928
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 154mm x 45mm
  • Gewicht: 1002g
  • ISBN-13: 9783498032326
  • ISBN-10: 3498032321
  • Best.Nr.: 26390652

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Mächtig beeindruckt zeigt sich der Rezensent Ludger Lütkehaus von diesem beeindruckend mächtigen, mehr als tausend Seiten starken Roman. Der Autor lebt seit vielen Jahren im Londoner Exil und nimmt sich die Freiheit, die jüngste chinesische Geschichte seit den achtziger Jahren als Katastrophengeschichte zu erzählen. Der Titel des Romans ist dabei wörtlich zu nehmen, da der Ich-Erzähler beim Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens angeschossen und ins Wachkoma befördert worden ist. Erst am ersten Tag des neuen Jahrtausends wird er daraus erwachen. Das Buch ist jedoch nicht linear erzählt - in weiteren Zeitebenen wird sowohl die Vorgeschichte des Massakers als auch die brutale Stadtsanierung im Vorfeld der Olympischen Spiele beschrieben. Nicht alle der noch einmal dazwischen geschobenen sprachlich anders (teils lyrisch, teils szientifisch) gehaltenen Passagen überzeugen den Rezensenten vollständig. Er hat dennoch nicht den mindesten Zweifel, dass dies ein "großer", ein "nicht zu vergessender Roman" ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Ma Jian, geb. 1953 in Qingdao, lebte als Schriftsteller und Maler in Beijing. Im Jahr 1976 ist er von Qingdao nach Peking gezogen. Nachdem in der VR China einige seiner Werke verboten wurden ging er 1986 nach Hong Kong, wo er das Verlagshaus Hong Kong New Century Press gründete. Im Jahr 1997 zog er nach Deutschland und unterrichtete dort Moderne chinesische Literatur. Zwei Jahre später zog er nach England, wo er heute noch lebt.

Kundenbewertungen zu "Peking-Koma" von "Ma Jian"

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Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011 ***** sehr gut
Ein junger Mann liegt zehn Jahre im Wachkoma. Er hört und spürt seine Umgebung ohne dass diese es bemerkt. Von seinem Bett aus erlebt und schildert er die Umwälzungen in Peking in diesen zehn Jahren. Auf einer zweiten Ebene erzählt er seine Geschichte bis zum Juni 1989. So nahm er als Student an den Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking teil und wurde von einem Schuss so schwer verletzt, dass er den Rest seines Lebens im Koma verbringt.

Ob vor oder nach 1989 ' sein gesellschaftliches Umfeld ist geprägt von Gewalt, Willkür, Ohnmacht und Grausamkeit. Der hervorragend geschriebene Roman lässt wenig Hoffnung auf eine große politische Veränderung in China zu und hinterlässt den Leser in reichlich melancholischer Stimmung. Dennoch absolut empfehlenswert!

Rowohlt Verlag GmbH 2009

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