Fräulein Hallo und der Bauernkaiser - Liao, Yiwu

Yiwu Liao 

Fräulein Hallo und der Bauernkaiser

Chinas Gesellschaft von unten. Mit e. Vorw. v. Philip Gourevitch, e. Einf. v. Wen Huang u. e. Nachw. v. Detlev Claussen

Übersetzung: Hoffmann, Hans P. u. Höhenrieder, Brigitte
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Fräulein Hallo und der Bauernkaiser

In China verboten: Einzigartige Gespräche mit den Verstoßenen und Vergessenen der chinesischen Gesellschaft
Eine Prostituierte, ein buddhistischer Abt und der Manager einer öffentlichen Bedürfnisanstalt, ein Falun-Gong-Anhänger, ein ehemaliger Rotgardist und ein Feng-Shui-Meister sie und viele andere hat Liao Yiwu, einer der bekanntesten Autoren Chinas und selbst ehemaliger politischer Häftling, mit Respekt, Einfühlungsvermögen und Humor nach ihrem Leben und ihren Hoffnungen befragt.
Diese einzigartigen Gespräche lassen uns ein China entdecken, das wir sonst nicht zu sehen bekommen ein China der Ausgestoßenen, der Heimat- und Obdachlosen, der Bettler und Straßenmusiker, deren Würde, Witz und Menschlichkeit ihnen niemand hat nehmen können.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2011
  • 1. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 539 S.
  • Seitenzahl: 539
  • Fischer Taschenbücher Bd.18525
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 125mm x 35mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783596185252
  • ISBN-10: 3596185254
  • Best.Nr.: 29908845

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Aus diesem Buch, so Rezensent Mark Siemons, lässt sich sehr vieles lernen über das China von heute. Nicht nur, dass die Zensur eine unverlogene Gesprächs-Reportage wie diese noch immer nicht dulden kann. Sondern auch, dass die "Individualisierung" der chinesischen Gesellschaft schon sehr weit entwickelt ist, dass die Rede vom "Volk" heute weniger denn je eine Einheit auf den ideologischen Begriff bringt, die real existierte. Liao Yiwu führt das an Beispielen, und zwar Beispielen vom Rand der chinesischen Gegenwartsgesellschaft vor Augen, in Interviews. Ein Bauer, als Grundbesitzer diskreditiert, ein Parteikader, der zu einer Frau mit "schlechtem Klassenhintergrund" steht, ein Klomann, ein Animiermädchen, das ganz der neuen Zeit angehört: dies sind ein paar der Menschen, die hier interviewt werden. Sehr bedauerlich, aber kein Wunder, so Siemons, dass der Autor auch zur Buchmesse nicht ausreisen durfte. Daran, dass dieser Band die "disparaten Realitäten" im heutigen China sichtbarer macht als fast alles, was man sonst zu lesen bekommt, ändert das aber gar nichts.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.09.2009

Dünne Haut, frischer Wind
Der O-Ton der chinesischen Gegenwart: Liao Yiwus „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser”
Mit Verlaub: Wie doof sind die chinesischen Funktionäre eigentlich? Wollten die nicht Gastland der Buchmesse werden, um sich in Frankfurt zu profilieren? Als Kulturnation und vielstimmiges Land? Als Gesellschaft, die mittlerweile souverän genug ist, auch abweichende Stimmen gelten zu lassen? Bislang erinnern sie in ihrem panischen Propagandabestreben eher an nordkoreanische Betonköpfe als an würdige Vertreter eines Gastlandes: Erpressen die Buchmesse, vor dem Eröffnungssymposium missliebige Autoren auszuladen; führen sich auf dem Symposium selber auf wie kleinstädtische Funktionärsflegel; und jetzt verweigert die Pekinger Staatssicherheit mit Liao Yiwu dem ersten Autor die Einreise nach Deutschland während der Buchmesse (SZ vom 24. September). Was für ein grandioser PR–Gau!
Liao Yiwu war vor drei Tagen noch kaum einem Deutschen ein Begriff. Gestern druckte die taz seinen charismatischen Kopf auf der Titelseite. Bessere Werbung ist kaum denkbar. Und in dem Fall ist das so erfreulich, weil man es gar nicht laut genug sagen kann: Leute, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Unerschrockenheit lohnt sich

Die chinesischen Behörden ließen ihn nicht zur Buchmesse reisen. Dabei lässt Liao Yiwu mit seinen Gesprächsprotokollen aus der Unterschicht wie kaum ein anderer die disparate Realität des neuen China fassbar werden.

Von Mark Siemons

In der kommunistischen Geschichte wird "das Volk" ausschließlich in Großbuchstaben geschrieben: Es ist unverhohlen eine Abstraktion, der die Partei dient und die ihren Weg durch alle mögliche Unbill prinzipiell so geht, dass sie "fortschreitet", ob zur klassenlosen Gesellschaft, zur harmonischen oder zu welcher auch immer. Mit einzelnen Menschen hat diese Abstraktion nur insofern zu tun, als sie ihnen einen Code liefert, mit dem sie inmitten der kollektivistischen Anmaßungen halbwegs unauffällig überleben können.

Deshalb war es Mitte der achtziger Jahre, eine knappe Dekade nach der Kulturrevolution, eine literarische Sensation, als die Dramaturgin Zhang Xinxin und der Journalist Sang Ye die Gesprächsprotokolle "Pekingmenschen" herausgaben, in denen Chinesen aller Schichten aus der vorgeformten Sprache des "Volks" heraustraten und ganz persönliche Interpretationen ihres …

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Liao Yiwu, geboren 1958 in der Provinz Sichuan, ist Dichter und Romanautor. Er wuchs als Kind von Eltern "ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis" in der großen Hungersnot der 60er Jahre auf und schlug sich jahrelang mit verschiedensten Tagelöhner-Jobs durch. 1989 publizierte er das epische Gedicht "Massaker", in dem er das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens anprangerte. Hierfür wurde er vier Jahre inhaftiert und zum Teil schwer misshandelt. Die chinesische Ausgabe von "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" wurde sofort nach Erscheinen verboten. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis "Freiheit zum Schreiben" ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde.

Blick ins Buch "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser"

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