Die Sterblichen - Li, Yiyun

Yiyun Li 

Die Sterblichen

Roman

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Grube, Anette
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Die Sterblichen

In einer Provinzstadt weit weg von Peking soll die junge Gu Shan hingerichtet werden. Ihr Verbrechen: Sie, die während der Kulturrevolution fanatische Rotgardistin war, hat dem Kommunismus abgeschworen. Shans Tod wird weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Rundfunksprecherin Kai, die längst an der Partei zweifelt; für die verkrüppelte Nini, die wie eine Sklavin gehalten wird; oder für den kleinen Tong, der nur von seinem Hund Liebe bekommt. Yiyun Li zeichnet ein plastisches Bild der Ereignisse in China am Ende der siebziger Jahre, die heute wieder von beklemmender Aktualität sind. Ihr Roman ist ein universelles Porträt von menschlichem Leiden und menschlichem Mut.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 378 S.
  • Seitenzahl: 378
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23421
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 153mm x 35mm
  • Gewicht: 652g
  • ISBN-13: 9783446234215
  • ISBN-10: 3446234217
  • Best.Nr.: 26365687
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Als das Sterben schon nicht mehr das Schlimmste war

Unschuldig kann man nicht bleiben: Yiyun Li hat ein furioses, zutiefst verstörendes Romandebüt über das postmaoistische China geschrieben.

Von Sandra Kegel

Der Tod ist nicht das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Dieser Gedanke, der das Ende allen Denkens markiert und der dem alten Lehrer durch den Kopf geht, als er seine misshandelte Tochter Shan ein letztes Mal vor ihrer Hinrichtung im Gefängnis besucht, bildet den morastigen Untergrund dieses meisterlichen Romans, der sich liest wie ein dunkler Traum, aus dem es kein Erwachen gibt. Die Welt im postmaoistischen China, von der Yiyun Li in ihrem Debüt erzählt, ist in ihren Grundfesten zerrüttet. Menschlichkeit gilt als Verbrechen, Mitgefühl als Sünde, und Unschuld ist nicht möglich, weil nur überlebt, wer sich schuldig macht - an seiner Familie, seinen Freunden, seinen Nachbarn. Indem man wegschaut, täuscht und verrät. Die zwölfjährige Nini, die, weil ihre im achten Monat schwangere Mutter gefoltert wurde, als Krüppel zur Welt kam, ist nur ein Sinnbild für die Deformation einer ganzen Gesellschaft, die einer …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.10.2009

Foto: Getty
Zur Hölle fährt man zu zweit
Bitte zahlen Sie für die Hinrichtung Ihrer Tochter! Yiyun Li erzählt von dem übermächtigen Unheil, das das kommunistische China erleiden muss Von Ulrich Baron
Zwanzig Jahre alt ist die Stadt Hun Jiang, als am 21. März 1979 der Roman von Yiyun Li einsetzt. Entstanden ist sie, als die ländlichen Gebiete China durch den „Großen Sprung nach vorn” industrialisiert werden sollten. Millionen Menschen verhungerten damals, und was vom alten China noch übrig war, wurde ab 1966 vom entfesselten Mob der Kulturrevolution in den Dreck getreten.
All das ist im Jahr 1979 schon Geschichte. Die Kulturrevolution ist beendet, Mao ist tot. China richtet erste Sonderwirtschaftszonen ein, doch in Hun Jiang spürt man davon wenig. Dieser 21. März ist für den Lehrer Gu und seine Frau der Tag, an dem ihre Tochter Shan hingerichtet werden soll. Einst eine fanatische Rotgardistin, war sie vom Glauben an die Revolution abgefallen und hatte während ihrer zehnjährigen Haft den Verstand verloren. Schon am Vortag ist die Gebühr von „zwei nicht unhöflichen Beamten” erhoben worden: „Es war Lehrer Gu nie zuvor in den Sinn …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "finster-wuchtiges" Romandebüt würdigt Andreas Breitenstein dieses Werk der in Peking geborenen, heute in den USA lebenden Schriftstellerin Yiyun Li. Das Buch ist für ihn ein ebenso beklemmendes wie berührendes Porträt der durch das Wüten des Maoismus entwurzelten, seelisch schwer beschädigten chinesischen Gesellschaft, in der Gewalt, Verrat, Verkommenheit, Armut, Willkür, Angst, Verbrechen, Schuld, Korruption und Depression herrschen. "Ganz nah rückt es einem auf den Leib", so der Rezensent, "und atmet doch eine durchdringende Offenheit." Im Mittelpunkt der in der Planstadt Hun Jiang angesiedelten Geschichte sieht er die öffentliche Hinrichtung einer "Konterrevolutionärin". Wie Li diese Geschichte erzählt - mit "straffer Ökonomie" und im Wechsel verschiedener Perspektiven - hat ihn sehr beeindruckt. Er bescheinigt der Autorin, die düstere Realität der Stadt Hun Jiangs überzeugend in ein "komplexes Personengeflecht" aufzufächern. Auch die durch Lakonie und einige "poetische Spitzen" gekennzeichnete Sprache und den sachlichen Blick Lis bedenkt er mit Lob. Sein Fazit: ein wichtiges, mutiges und "schwindelerregendes" Buch.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Yiyun Li , 1972 geboren, wuchs in Beijing auf und lebt seit 1996 in den USA. Nach ihrem Studium der Biologie und später der Immunologie hat sie sich dem Schreiben zugewandt. Ihre Kurzgeschichten und Essays wurden unter anderem im "New Yorker" und in der "Paris Review" veröffentlicht. Yiyun Li lebt mit ihrer Familie in Oakland, Kalifornien, und unterrichtet an der University of California.

Leseprobe zu "Die Sterblichen"

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