Die Sandelholzstrafe - Mo Yan

Mo Yan 

Die Sandelholzstrafe

Roman

Aus d. Chines. v. Karin Betz
Gebundenes Buch
 
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Die Sandelholzstrafe

In seinem großen historischen Epos inszeniert Mo Yan eine farbenprächtige Pekingoper aus der deutschen Kolonialgeschichte seines Heimatlands. Vor der Kulisse einer untergehenden Epoche treten fünf Figuren auf die Bühne der Geschichte und kämpfen für das, was sie bewahren wollen, und für die, die sie lieben.

Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte.In einem der bedeutendsten chinesischen Romane der jüngsten Zeit spielt Mo Yan virtuos das Spiel der Masken, Perspektiven und Kontraste. Gewalt und Poesie, Empathie und schwarzer Humor, Derbheit und Feinsinn, die Fülle des westlichen Romans und die Eleganz der chinesischen Oper gehen in seiner bilderreichen und suggestiven Sprache Hand in Hand.


Produktinformation

  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 651 S.
  • Seitenzahl: 651
  • Best.Nr. des Verlages: 17446
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 131mm x 46mm
  • Gewicht: 710g
  • ISBN-13: 9783458174462
  • ISBN-10: 345817446X
  • Best.Nr.: 26391071
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Wie sich die Leute niedermachen
Der chinesische Autor Mo Yan seziert in seinen Romanen das bestialische Jahrhundert aus Krieg, Gewalt und Elend
Die Provinzstadt Gaomi, im Jahre 1899. Die deutschen Kolonialherren bauen die erste Eisenbahn durch die chinesische Provinz. Zhao Jia ist Foltermeister, der letzte von Kaisers Gnaden. Er wurde extra aus Beijing herbeigerufen, um einen Aufrührer möglichst kunstvoll, das heißt langwierig, zu Tode zu foltern. Während er sich darauf vorbereitet, sein Opfer mittels Sandelholzstrafe fünf Tage lang minutiös zu quälen, erinnert er sich an einen anderen Höhepunkt seines Schaffens, die Hinrichtung eines Mannes durch die Strafe der 500 Schnitte: „Als Zhao Jia den fünfzigsten Schnitt machte, war Qian Xiongfeis Brustmuskelfleisch vollständig aufgebraucht. Zehn Prozent seines Werkes waren bereits vollendet. Der Lehrling reichte ihm ein neues Messer, und er räusperte sich zweimal kräftig, um seine Atemwege frei zu machen. Er sah Qians Rippen aus seinem Brustkorb hervortreten, um die Rippen legte sich eine dünne Membran, unter der das Herz pochte. Es sah aus wie ein in Stoff gewickeltes Kaninchen.”
Paul Valéry definierte …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mo Yans Thema präsentiert sich dem Rezensenten groß und klar. Es geht um das Eindringen westlicher Kolonialmächte in China im Jahre 1899, erzählt als familiäre Tragödie. Den im Roman verhandelten Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne sieht Michael Müller auch sprachlich umgesetzt. Indem der Autor traditionelle Ausdrucksformen gebraucht, meint Müller, wendet er sich gegen den westlichen Einfluss. Die durch bitteren Humor und Wehklage sich auszeichnende Form der von der chinesischen Landbevölkerung gepflegten Katzenoper erscheint Müller als geeignet, das charakteristische Sprachvermögen der Figuren zu zeigen, aber auch die Verletzung menschlicher Würde und ein großes Trauma der chinesischen Geschichte.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.01.2010

Streitgespräch in der Hölle

Sein Name heißt übersetzt "Spricht nicht", doch der chinesische Autor Mo Yan hat viel zu sagen: Zwei große Romane von ihm liegen nun auf Deutsch vor.

Er wird mit Kafka und Faulkner verglichen, manche sehen ihn gar als Nobelpreiskandidaten - der chinesische Autor Mo Yan genießt Ansehen im Literaturbetrieb. In Wirklichkeit heißt er Guan Moye, doch spätestens seit Zhang Yimous preisgekrönter Verfilmung seines Romans "Das Rote Kornfeld", die 1988 auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt, ist Mo Yan auch im Westen bekannt. Übersetzt bedeutet seine Name "keine Sprache" oder "spricht nicht". Doch der "Sprachlose" hat im Gegenteil viel zu sagen. Gerade wurden zwei seiner Romane ins Deutsche übersetzt: "Der Überdruss" und "Die Sandelholzstrafe".

"Der Überdruss" beginnt in der Hölle mit einem Streitgespräch zwischen dem Fürsten der Unterwelt Yama und dem verstorbenen Großgrundbesitzer Ximen Nao. Nao, was so viel wie "laut" bedeutet, macht seinem Namen alle Ehre und beschwert sich unablässig darüber, zu Unrecht als "Klassenfeind" von aufgebrachten Kleinbauern ermordet worden zu sein. Yama ist der Wehklagen …

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"Mo Yan gibt einen panoramischen Einblick in die Epoche. Voller Geschichten ist sein Roman, sinnenfroh sind die Schilderungen des bäuerlichen Alltags wie des Hoflebens, wobei dem Autor das Deftige ebenso liegt wie das Delikate."<br />Andreas Breitenstein Neue Zürcher Zeitung

»Mo Yan ist wieder ein sprachgewaltiger und bildreicher Roman gelungen, dessen drastische Darstellungen nichts für zarte Gemüter sind. Überall sehr empfohlen.«
Mo Yan kam als Bauernsohn in der Provinz Shandong zur Welt. Während der Kulturrevolution verließ er die Schule, um in einer Fabrik zu arbeiten. Mit 20 Jahren trat er in die Volksbefreiungsarmee ein, wo er noch als Soldat sein literarisches Schaffen begann. Zu Beginn der 80er Jahre fiel er dann mit ersten Veröffentlichungen auf. Als erstes erschien von ihm eine Sammlung von Erzählungen Der kristallene Rettich, deutsch in Auszügen 1997 als "Trockener Fluss" erschienen. 1984 begann er, an der Literaturabteilung der Kulturakademie der Armee zu unterrichten. Im Jahr 1986 schloss er das Studium an der Kunsthochschule der Volksbefreiungsarmee ab. Der literarische Durchbruch gelang ihm 1987 mit der Veröffentlichung des Novellenzyklus Die rote Sorghumhirse, der als Das rote Kornfeld im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. Der Roman zählt zur chinesischen Literatur der Wurzelsuche und fand auch internationale Anerkennung durch die Verfilmung Rotes Kornfeld von Zhang Yimou. Mo Yan kann als

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Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011 ***** ausgezeichnet
Ein Henker, der seinem Opfer ein Sandelholz von einer Körperöffnung zur anderen treibt. Eine Schwiegertochter, die den Scharfrichter und Schwiegervater tötet. Ein Kaiserreich, das versucht, sich mit allen Mitteln gegen seinen Untergang zu wehren.

Das ist das Szenario von Mo Yans Roman "Die Sandelholzstrafe". Wortgewaltig zeichnet er Folter und Unterdrückung im Kaiserreich auf. Yan legt die Wurzeln frei für die Grausamkeiten in China im 20. Und 21. Jahrhundert. Vieles wird so verständlicher für den Mitteleuropäer. Yans Roman ist ein unverzichtbares Buch, für alle, die sich mit der Geschichte Chinas auseinandersetzen möchten. Und literarisch ist es ebenfalls ein Hochgenuss. Der Autor versteht es, den Leser bis zur Seite 652 zu fesseln.

Insel Verlag 2009

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