Die große Umwendung - Rosendorfer, Herbert

Herbert Rosendorfer 

Die große Umwendung

Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit. Roman

Broschiertes Buch
 
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Die große Umwendung

Kao-tai, bekannt aus den Briefen in die chinesische Vergangenheit, ist zurück.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Neu durchges. Ausg. 6. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 200 S.
  • Seitenzahl: 208
  • dtv Taschenbücher Bd.12694
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 120mm x 13mm
  • Gewicht: 177g
  • ISBN-13: 9783423126946
  • ISBN-10: 3423126949
  • Best.Nr.: 08209828
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.1997

Reise einer alten Dynastie in den Kölner Karneval
Es muß sein: Herbert Rosendorfer schreibt "Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit" / Von Walter Hinck

Vor anderthalb Jahrzehnten erschienen Herbert Rosendorfers "Briefe in die chinesische Vergangenheit". Zwei berühmte Vorbilder und Modelle der Weltliteratur meldeten ihre Patenschaft an: Montesquieus "Lettres Persanes" (1721) und Herbert George Wells "The Time Machine" (1895). Montesquieu läßt die Perspektiven zweier Kulturen aufeinanderprallen und aus den Erlebnissen persischer Besucher Frankreichs ein kritisches Bild der Pariser Gesellschaft entstehen: die Fremden sehen genauer. Wells Zeitmaschine entführt den Zeitreisenden bei seiner ersten Unternehmung in eine paradiesische Idylle, auf deren Nachtseite mörderische Wesen lauern. Konservativ war die Sittenkritik des einen, pessimistisch die Fortschrittserwartung des anderen Autors. In Rosendorfers Roman versetzt die Zeitmaschine einen kunstsinnigen chinesischen Mandarin aus der Sung-Dynastie (zehntes Jahrhundert) ins zwanzigste Jahrhundert und nach München (Min-chen), von wo er einem zurückgebliebenen Freund in reportagehaften Briefen …

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"Einen wenig tröstlichen deutschen Gegenwartsstoff erzählt Ingo Schulze mit vitalen amerikanischen Stilmitteln. Ein Schelmenroman in 23 short stories. Wie er aber darüber hinaus seine einzelnen Momentaufnahmen des Alltags zu einem Handlungsgeflecht verbindet, ist hohe Erzählkunst."Hajo Steinert in ›FOCUS‹"Hier, im kleinen, zeigt sich die Virtuosität dieses Autors. Es gibt keine aufgesetzten Gefühlsfarben. Was gesprochen wird, ist dem banalen Alltag so kongenial abgewonnen, daß es ungeheuer verdichtet erscheint. Dieses genaue Hinschauen, dieses bis zur Schmerzgrenze exakte Hinhören und Wiedergeben gaukelt nichts vor. Aber es hat etwas Unerhörtes.Die List des Autors ist dabei, sich bis zur Unkenntlichkeit zurückzuziehen. Wie bei seinem ersten Buch splittert sich der Erzählton in die verschiedensten Sprechhaltungen auf, und die eigene Sprache des Autors ist nur durch dieses Paradoxon zu fassen: sie existiert dadurch, daß sie alle möglichen Sprechweisen einnehmen kann. Ob es das übliche Beziehungskrisen-Gespräch ist oder ob sich Männer in der Kneipe über eine Frau unterhalten, ob zwei Kollegen einen ebenfalls wartenden Konkurrenten im Vorzimmer des potentiellen Auftraggebers hochnehmen, ob ein Besoffener sich in einen lyrisch-assoziativen Monolog hineinsteigert, der bis in das Platzen letzter Badeschaumbläschen hineinreicht - alle O-Töne stimmen, ohne Kunstgriffe und Stilisierungen. … Mit diesem Buch hat Ingo Schulze unter Beweis gestellt, daß er tatsächlich zu den wesentlichen zeitgenössischen Autoren in Deutschland gehört. Damit muß er nun leben."Helmut Böttiger in der ›Frankfurter Rundschau‹"Befreit von der Pflicht, für die Lage der Nation eine literarische Form zu finden, hat hier ein junger, überraschend souveräner Schriftsteller seinen Gegenstand und seine Sprache gefunden. Altenburg, die kleine Stadt in der ostdeutschen Provinz, hat große Chancen, zu einem Ort zu werden wie Uwe Johnsons Jerichow oder Martin Walsers Phillippsburg. Etwas Besseres konnte der deutschen Literatur nicht passieren." Thomas Steinfeld in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹"Für ›33 Augenblicke des Glücks‹ wurde Ingo Schulze beim Bachmann-Wettbewerb prämiert - da schrieb er wie ein Russe. In ›Simple Storys‹ versammelt er brillant-lakonische Geschichten - und plötzlich klingt die ostdeutsche Provinz wie Los Angeles."›Der Spiegel‹, Kultur Extra
Herbert Rosendorfer, geb. 1934 in Bozen, ist Jurist und Professor für Bayerische Literaturgeschichte. Er war Gerichtsassessor in Bayreuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993-97 in Naumburg/Saale. Seit 1969 zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die Briefe in die chinesische Vergangenheit am bekanntesten geworden sind. Herbert Rosendorfer, Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, wurde mit zahlreichen bedeutenden Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Tukan-Preis, dem Jean-Paul-Preis, dem Deutschen Fantasypreis, dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und zuletzt 2010 mit dem Corine-Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten. Er lebt mit seiner Familie in Südtirol.

Leseprobe zu "Die große Umwendung" von Herbert Rosendorfer

Os-si und Wes-si

Hier gibt es zweierlei Menschen: Os-si und Wes-si, abgesehen von stark vielen östlichen Insel-Zwergen ( Wie die hierherkommen, mag der Kuckuck wissen). Die Os-si männlichen Geschlechts haben kleine bürstenartige Bärtchen auf der Oberlippe, die Os-si weiblichen Geschlechts, sofern sie nicht sehr alt sind, haben starkfarbene Haare: rote oder orangegelb oder violett oder grün. Die alten Os-si sind meist dick und hinken. Das kommt davon, sagte Hei-tsi, genannt "der Großfuß mit dem schwarzen Zahn", daß zu Zeiten jenes Obermandarins Ho-neng-ning oder, wie jene Zeiten auch genannt werden, "vor der Großen Wendung" es nur ungenügende "Schu-he" gegeben habe. Das sind jene an sich schon unbequemen Futterale aus hartem Leder, in die die Großnasen ihre Füße zwängen. (Es gibt auch andere "Schu-he", die sind aus einer undefinierbaren Masse, oft stark farbig, äußerst kompliziert, meist dreckig und erzeugen Fußschweiß. Besonders bei jungen Leuten sind solche Farb-Schu-he beliebt.) Zu Zeiten des verwichenen Ho-neng-ning also, als noch an den Dämon oder Götzen Le-ning geglaubt wurde, hat es nur eine Werkstätte, eine riesige solche gegeben, die Schuhe gemacht hat. Nun haben, wie man weiß, die Leute verschieden große Füße. Darauf konnte jene Werkstätte, sie nannte sich "Banner des Friedens" - warum, wußte Hei-tsi nicht -, keine Rücksicht nehmen. Sie vereinfachte die Sache und nahm das Maß vom größten Fuß der Roten Provinz. (Ich stelle mir vor, daß alle Großfüße zusammengerufen wurden; sie mußten sich hinsetzen und die Füße ausstrecken. Der Obermandarin, der grämliche Ho-neng-ning, schritt die Reihe ab, vielleicht mit einem Maßband, und stellte den größten Großfuß fest.) Die Werkstätte "Banner des Friedens" kalkulierte, daß der so gewonnene Groß-Schuh allen paßt, vom größten Groß-Fuß herunter bis zum kleinsten. Die Os-si mit kleinen Füßen mußten eben die Fußfutterale vorn ausstopfen. Dazu benutzten sie das "Neue Land, in dem wir Os-si leben". Du wirst fragen was das ist. Das ist eine Art Plakat, das aber nicht an die Wand geklebt, sondern gefaltet und an die Bevölkerung verteilt wird. Es heißt Tsei-tung, und darin stehen lügenhafte Bemerkungen abgedruckt. Die Tsei-tung "Neues Land, in dem wir Os-si leben" tat sich in der Hinsicht besonders hervor, und so konnte man damit ohnedies nichts anderes anfangen, als die Fuß-Futterale vorne auszustopfen. Aber dennoch, sagt Hei-tsi, sind die Os-si häufig gestolpert, und daher sind sie fußmarod und hinken. Hei-tsi weiß das alles, denn er ist selber ein Os-si und muß es wohl wissen. Auch er hinkt, aber eher deswegen, sagt er, weil er sich letzten Winter die Zehen abgefroren hat.

Kundenbewertungen zu "Die große Umwendung" von "Herbert Rosendorfer"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Jörg aus Dachau am 06.09.2001 ***** ausgezeichnet
Kao-Tai ist zurück. Nach 15 Jahren kehrt der Chinese aus dem Land der Mitte von vor 1000
Jahren wieder zurück in das 20. Jahrhundert, weil er zu Hause vor Problemen flüchten muss. Die Geschichte ist im gleichen Stil und genauso humorvoll erzählt wie schon der erste Band. Wer die Briefe in die chinesische Vergangenheit gelesen hat, kommt um diesen zweiten nicht herum. Einfach zum Brüllen sind die Verballhornungen der modernen Welt, wodurch dem Leser ein satirischer Spiegel vorgehalten wird.
Auf die Schippe genommen wird der Alltag, die Polizik und die Religion. Mein Tip: Lesen!!!

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Bewertung von Ulrich HAGN aus Köln am 17.10.2000 ***** ausgezeichnet
Genauso gut wie der erste Teil, was man bei einer Fortsetzung ja nicht immer erwarten kann. Wie Kao-Tai uns "Großnasen" immer wieder den Spiegel vorhält, indem er an seinen Freund Dji-gu schreibt, bringt den Leser oft vom Lachen zum Nachdenken. Intelligent, witzig, ironisch und, wie immer bei Rosendorfer, einfach gut erzählt. Diesmal landet Kao-Tai nicht in Min-chen, aber was ihm in "Kö-leng", der Stadt "Haste-mal-ne-Mark", dem "Großen Apfel" oder "Lom" passiert, ist mindestens so unterhaltsam. Nicht für Leute, für die der Quatsch-Comedy-Club das Höchste ist, ein bisschen mehr Basiswissen ist gefordert. Unbedingt vorher Teil 1 lesen

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Bewertung von Ursula Schmitt aus Groß-Rohrheim am 22.07.2000 ***** ausgezeichnet
Genau so gut wie der erste Teil: Briefe in die chinesische Vergangenheit. Ich habe stellenweise laut gelacht. Intelligenter feinster Humor. Sehr zu empfehlen. Allerdings unbedingt den ersten Teil vorher lesen.

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