Der Überdruss - Mo Yan

Mo Yan 

Der Überdruss

Roman

Aus d. Chines. v. Martina Hasse
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Der Überdruss

Der neue Roman von Mo Yan ("Das rote Kornfeld") über die letzten 50 Jahre der stürmischen Geschichte Chinas.

Mo Yans neuer Roman beginnt am 1. Januar 1950 in der Hölle. Kurz zuvor ist durch Mao Tsetungs Landreformbewegung die traditionelle Ordnung des ländlichen China abgeschafft worden.Zwei Jahre lang hat Fürst Yama, der Herrscher der Unterwelt, den Grundbesitzer Ximen Nao jeder möglichen Folter unterworfen, um ihn zu zwingen, die Anklagepunkte zu akzeptieren, die zu dessen Hinrichtung durch die Kleinbauern führten. Aber Ximen Nao beteuert hartnäckig seine Unschuld.Widerwillig lenkt Yama schließlich ein und erlaubt Ximen, auf die Erde zu seinem früheren Besitz im verarmten Shandong zurückzukehren. Aber als dieser dort ankommt, findet er zu seiner Enttäuschung heraus, dass er nicht als Mann wiedergeboren wurde, sondern als Esel. Mit den Augen des Tieres verfolgt er nun das Schicksal seiner früheren Familie, seiner Freunde, Rivalen und Feinde. Weitere Wiedergeburten lassen ihn zu einem Stier, einem Schwein, einem Hund und einem Affen werden und schließlich zu einem Jungen mitgroßem Kopf,
der ein verblüffendes Gedächtnis und ein Talent für Sprachen hat. Aus der derben und außerordentlich unterhaltsamen Perspektive eines jeden Charakters - sowie von Mo Yan selbst, der immer wieder unterbricht, um Ereignisse zu kommentieren - erzählt dieser Roman die letzten 50 Jahre der stürmischen Geschichte Chinas. 'Der Überdruss' ist dazu bestimmt, ein Klassiker der gegenwärtigen Literatur zu werden.


Produktinformation

  • Verlag: Horlemann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 812 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 816
  • Deutsch
  • Abmessung: 239mm x 162mm x 69mm
  • Gewicht: 1110g
  • ISBN-13: 9783895022722
  • ISBN-10: 3895022721
  • Best.Nr.: 25662190
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Wie sich die Leute niedermachen
Der chinesische Autor Mo Yan seziert in seinen Romanen das bestialische Jahrhundert aus Krieg, Gewalt und Elend
Die Provinzstadt Gaomi, im Jahre 1899. Die deutschen Kolonialherren bauen die erste Eisenbahn durch die chinesische Provinz. Zhao Jia ist Foltermeister, der letzte von Kaisers Gnaden. Er wurde extra aus Beijing herbeigerufen, um einen Aufrührer möglichst kunstvoll, das heißt langwierig, zu Tode zu foltern. Während er sich darauf vorbereitet, sein Opfer mittels Sandelholzstrafe fünf Tage lang minutiös zu quälen, erinnert er sich an einen anderen Höhepunkt seines Schaffens, die Hinrichtung eines Mannes durch die Strafe der 500 Schnitte: „Als Zhao Jia den fünfzigsten Schnitt machte, war Qian Xiongfeis Brustmuskelfleisch vollständig aufgebraucht. Zehn Prozent seines Werkes waren bereits vollendet. Der Lehrling reichte ihm ein neues Messer, und er räusperte sich zweimal kräftig, um seine Atemwege frei zu machen. Er sah Qians Rippen aus seinem Brustkorb hervortreten, um die Rippen legte sich eine dünne Membran, unter der das Herz pochte. Es sah aus wie ein in Stoff gewickeltes Kaninchen.”
Paul Valéry definierte …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Wiedergeburten eines chinesischen Großgrundbesitzers als Ochse, Affe und Schwein haben Michael Müller amüsiert. Allerdings erkennt er auch die Symbolfunktion dieser Maskerade, mit der Mo Yan die dramatischen Entwicklungen in seinem Land während der letzten 50 Jahre präsentiert: Landreform, Großmachtstreben, Hungersnöte. Yans magischer Realismus hat den Rezensenten gekonnt durch ein halbes Jahrhundert chinesischer Geschichte geführt. Ein bisschen erschöpft ist er am Ende dennoch. Weil 812 Seiten eine Menge Lektürearbeit bedeuten, weil Yan gegen Ende etwas die Puste ausgeht, seine Schilderungen schließlich oberflächlich und die Erzählstruktur gedrängt wirken. Und weil das Thema dem Leser einiges abfordert. Yans Kritik an den Verhältnissen, so Müller, bleibe auf individuelle Schicksale beschränkt. Die Einordnung in den großen Zusammenhang bleibt dem Leser überlassen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.01.2010

Streitgespräch in der Hölle

Sein Name heißt übersetzt "Spricht nicht", doch der chinesische Autor Mo Yan hat viel zu sagen: Zwei große Romane von ihm liegen nun auf Deutsch vor.

Er wird mit Kafka und Faulkner verglichen, manche sehen ihn gar als Nobelpreiskandidaten - der chinesische Autor Mo Yan genießt Ansehen im Literaturbetrieb. In Wirklichkeit heißt er Guan Moye, doch spätestens seit Zhang Yimous preisgekrönter Verfilmung seines Romans "Das Rote Kornfeld", die 1988 auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt, ist Mo Yan auch im Westen bekannt. Übersetzt bedeutet seine Name "keine Sprache" oder "spricht nicht". Doch der "Sprachlose" hat im Gegenteil viel zu sagen. Gerade wurden zwei seiner Romane ins Deutsche übersetzt: "Der Überdruss" und "Die Sandelholzstrafe".

"Der Überdruss" beginnt in der Hölle mit einem Streitgespräch zwischen dem Fürsten der Unterwelt Yama und dem verstorbenen Großgrundbesitzer Ximen Nao. Nao, was so viel wie "laut" bedeutet, macht seinem Namen alle Ehre und beschwert sich unablässig darüber, zu Unrecht als "Klassenfeind" von aufgebrachten Kleinbauern ermordet worden zu sein. Yama ist der Wehklagen …

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"Wenn ich einen Nobelpreis verleihen dürfte,ginge er an Mo Yan. Kenzaburo Oe' Mo Yan ist einer der bedeutendsten Autoren der chinesischen Gegenwartsliteratur." (Ruth Keen, Neue Zürcher Zeitung)

"Wenn ich einen Nobelpreis verleihen dürfte,ginge er an Mo Yan." Kenzaburo Oe»Mo Yan ist einer der bedeutendsten Autoren der chinesischen Gegenwartsliteratur.« Ruth Keen, Neue Zürcher Zeitung
Mo Yan kam als Bauernsohn in der Provinz Shandong zur Welt. Während der Kulturrevolution verließ er die Schule, um in einer Fabrik zu arbeiten. Mit 20 Jahren trat er in die Volksbefreiungsarmee ein, wo er noch als Soldat sein literarisches Schaffen begann. Zu Beginn der 80er Jahre fiel er dann mit ersten Veröffentlichungen auf. Als erstes erschien von ihm eine Sammlung von Erzählungen Der kristallene Rettich, deutsch in Auszügen 1997 als "Trockener Fluss" erschienen. 1984 begann er, an der Literaturabteilung der Kulturakademie der Armee zu unterrichten. Im Jahr 1986 schloss er das Studium an der Kunsthochschule der Volksbefreiungsarmee ab. Der literarische Durchbruch gelang ihm 1987 mit der Veröffentlichung des Novellenzyklus Die rote Sorghumhirse, der als Das rote Kornfeld im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. Der Roman zählt zur chinesischen Literatur der Wurzelsuche und fand auch internationale Anerkennung durch die Verfilmung Rotes Kornfeld von Zhang Yimou. Mo Yan kann als

Blick ins Buch "Der Überdruss"

Inhaltsangabe

Mo Yans neuer Roman beginnt am 1. Januar 1950 in der Hö
lle. Kurz zuvor ist durch Mao Tsetungs Landreformbewegung die traditionelle Ordnung des lä
ndlichen China abgeschafft worden.Zwei Jahre lang hat Fü
rst Yama, der Herrscher der Unterwelt, den Grundbesitzer Ximen Nao jeder mö
glichen Folter unterworfen, um ihn zu zwingen, die Anklagepunkte zu akzeptieren, die zu dessen Hinrichtung durch die Kleinbauern fü
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ckig seine Unschuld.Widerwillig lenkt Yama schließ
lich ein und erlaubt Ximen, auf die Erde zu seinem frü
heren Besitz im verarmten Shandong zurü
ckzukehren. Aber als dieser dort ankommt, findet er zu seiner Enttä
uschung heraus, dass er nicht als Mann wiedergeboren wurde, sondern als Esel. Mit den Augen des Tieres verfolgt er nun das Schicksal seiner frü
heren Familie, seiner Freunde, Rivalen und Feinde. Weitere Wiedergeburten lassen ihn zu einem Stier, einem Schwein, einem Hund und einem Affen werden und schließ
lich zu einem Jungen mitgroß
em Kopf, der ein verblü
ffendes Gedä
chtnis und ein Talent fü
r Sprachen hat. Aus der derben und auß
erordentlich unterhaltsamen Perspektive eines jeden Charakters * sowie von Mo Yan selbst, der immer wieder unterbricht, um Ereignisse zu kommentieren * erzä
hlt dieser Roman die letzten 50 Jahre der stü
rmischen Geschichte Chinas."Der Ü
berdruss" ist dazu bestimmt, ein Klassiker der gegenwä
rtigen Literatur zu werden.

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