Der Traum meines Großvaters - Yan, Lianke

Lianke Yan 

Der Traum meines Großvaters

Roman

Aus d. Chines. v. Ulrich Kautz
Broschiertes Buch
 
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Der Traum meines Großvaters

Voller Trauer und mit einer großen Liebe zum Leben setzt Yan Lianke all jenen Menschen ein poetisches Denkmal, die dem in China bis heute vertuschten Aids-Skandal der 90er Jahre zum Opfer fielen. Ein zutiefst bewegender Roman von einem der wichtigsten chinesischen Schriftsteller der Gegenwart.

Die Sonne geht unter über der chinesischen Provinz Henan und taucht das Tal in Rot. Ein toter zwölfjähriger Junge erscheint seinem Großvater in dessen Träumen und erzählt uns diese unglaubliche Geschichte: Vor vielen Jahren folgten die Bürger im Dorf Dingzhuang einem Aufruf der Regierung und verkauften ihr Blut. Ein besseres Leben wurde ihnen versprochen, und der Großvater, Lehrer und Dorfvorsteher, riet ihnen gut zu. Sein ältester Sohn organisierte den Handel, und für eine Weile zog tatsächlich ein wenig Wohlstand ein. Dann aber kam die Krankheit, die die einstigen "Spender" schlicht "das Fieber" nennen und die sie nun aus dem Leben weht wie tote Blätter von den Bäumen. Yan Lianke erzählt von einer Schicksalsgemeinschaft und ihrem zum Scheitern verurteilten Versuch, in einer extremen Situation menschlich zu bleiben. Die Übersetzung aus dem Chinesischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch litprom - Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. Weitere Informationen finden Sie unter www.litprom.de


Produktinformation

  • Verlag: List Tb.
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 363 S.
  • Seitenzahl: 368
  • List Taschenbücher Nr.61004
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 123mm x 22mm
  • Gewicht: 307g
  • ISBN-13: 9783548610047
  • ISBN-10: 3548610048
  • Best.Nr.: 29736065
.

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Bis vor wenigen Jahren zählte er noch zu den wichtigsten Gegenwartsautoren Chinas, doch mit "Der Traum meines Großvaters" wurde jetzt bereits sein dritter Roman hintereinander von der Zensurbehörde verboten. Auch zur Frankfurter Buchmesse (Schwerpunkt: China) durfte Yan Lianke nicht reisen. Allerdings zahlt er diesen Preis für eine Herzensangelegenheit, denn in den 1990er-Jahren wurde Liankes Heimat, die Provinz Henan im Osten Chinas, von einer grauenvollen Aids-Epidemie heimgesucht. Das Buch "Der Traum meines Großvaters" ist ein literarisches Denkmal, das der Autor den Toten gesetzt hat, verfasst in einer einfachen und dafür emotional umso wuchtigeren Sprache. Erzähler ist Großvater Ding Shuiyang, dem sein toter Enkel Ding Quiang im Traum immer wieder Einzelheiten zu den Umständen der Epidemie erzählt. Bald wird klar: Nicht nur Aids ist Thema dieses Buches, sondern auch der Kapitalismus und seine Schwester, die Korruption, die einen armen Landstrich völlig zugrunderichten. Eindringlich schildert Lianke, wie eine dörfliche Solidargemeinschaft unter diesem Druck regelrecht implodiert. (jw)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Rezensentin Iris Radisch hat den chinesischen Autor Yan Lianke in Peking besucht und einen traurigen, einsamen und imponierenden Schriftsteller kennen gelernt. Seinen von der Zensur verbotenen Roman "Der Traum meines Großvaters" über einen Aidsskandal in seiner Heimatprovinz Henan, dem knapp eine Million Bauern zum Opfer fielen, hat die Rezensentin mit großer Anteilnahme gelesen und dabei festgestellt, dass er trotz des traurigen Sujets auch amüsant ist. Der Autor schildert, wie an Aids erkrankte Bewohner eines Dorfes eine Art "Sterbe-Wohngemeinschaft" gründen, und er geht deren Liebeleien, Intrigen und Alltagsproblemen nach, erklärt Radisch. In ihren Augen ist dieser Roman eine "gekonnte Synthese aus naivem Realismus, beißender Groteske und moderner Lakonie", der gewissermaßen zwischen China und dem Westen steht, und sich keiner länderspezifischen Poetik zuordnen lässt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Allein mit dem Virus

Verzweifelter Kampf gegen ein Tabu: In seinem in China verbotenen Roman setzt Yan Lianke den verdrängten Aids-Opfern ein Denkmal.

Von Michael Müller

Der chinesische Schriftsteller Yan Lianke besitzt zwei besondere Eigenschaften: Er verfügt über das literarische Talent, große Romane zu schreiben, und er hat Mut, in seinen Romanen unbequeme Themen aufzugreifen. Beides fügt sich in seinem jüngsten Werk eindrucksvoll zusammen: "Der Traum meines Großvaters" thematisiert ergreifend Chinas Blutspendenskandal Mitte der neunziger Jahre. Schauplatz des Romans ist das Dorf Dingzhuang in der Provinz Henan. Mitte der neunziger Jahre erfahren die umliegenden Dörfer einen wahren Geldsegen. Die dortigen Bauern verfügen plötzlich über Geld, um sich neue Häuser mit einem Obergeschoss zu bauen. Nur an Dingzhuang geht die Entwicklung vorbei. Hier fristen die Bauern noch immer ein hartes, entbehrungsreiches Leben, denn Dingzhuang ist das einzige Dorf, das sich dem staatlich propagierten Blutverkauf bisher entzogen hat.

Erst dem Dorfältesten, dem von allen respektierten "Lehrer" und "Großvater" Ding Shuiyang, gelingt es, die …

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"Die Lektüre dieses Romans hat eine geradezu magische Wirkung." (Libération)<br/><br/>"Sein Roman 'Der Traum meines Großvaters' über den Aids-Skandal in Henan ist eines der schönsten chinesischen Bücher des Herbstes ... Der Stil des Romans - eine gekonnte Synthese aus naivem Realismus, beißender Groteske und moderner Lakonie - knüpft weder an westlicher noch an traditioneller Poetik an. Es ist ein Buch zwischen den Zeiten und den Welten, einsam und ziemlich traurig, wie sein bewunderungswürdiger Autor." (Zeit Literatur, 08.10.09)<br/><br/>"Das Buch besticht trotz des tragischen Themas durch Spannung, Poesie und eine literarisch ausgefeilte Sprache. Die Lektüre ist ein Vergnügen - der mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnete Yan Lianke kann es einfach." (Handelsblatt, 02.10.09)<br/><br/>"Ergreifende Literatur, mit dicken Tränen geschrieben." (Kurier, 10.10.09)<br/><br/>"Es ist ein aufrüttelndes und mit Herzblut verfasstes Werk, erstellt aus einfachsten literarischen Mitteln und daher umso unter die Haut gehender." hr-online, 24.08.09, Roman Halfmann "Bewegend, aufrüttelnd - und in China verboten!" (Der Nord-Berliner, 20.08.09)<br/><br/>"Yans Roman setzt den Opfern der chinesischen Aidstragödie ein literarisches Denkmal." (WDR1, 01.09.09)<br/><br/>"Yan Lianke hat auf dem Hintergrund des chinesischen AIDS-Skandals der vergangenen 90er Jahre ein poetisch kraftvolles, zugleich aber auch betroffen machendes Stück Literatur geschaffen." (Librido)
Yan Lianke, geboren 1958 in der ostchinesischen Provinz Henan, zählt zu den bedeutendsten chinesischen Gegenwartsautoren. Seine zahlreichen Romane und Kurzgeschichten wurden vielfach ausgezeichnet, darunter mit den beiden bedeutendsten Literaturpreisen Chinas, dem Lao-She-Preis sowie dem Lu-Xun-Preis.

Blick ins Buch "Der Traum meines Großvaters"

Kundenbewertungen zu "Der Traum meines Großvaters" von "Lianke Yan"

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Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011 ***** ausgezeichnet
Der Traum vom Reichtum wird auf der ganzen Welt geträumt. Warum soll der Wohlstand nicht auch in die chinesische Provinz gelangen? Weil der korrupte Funktionär das verhindert!

Mitten in der Provinz Henan in einem kleinen Ort taucht in den 90er Jahren medizinisches Personal auf, um die Menschen gegen Geld zur Blutspende zu bewegen. Warum nicht, denken sich die Dorfbewohner. Das ist doch leicht verdientes Geld und was kann schon passieren. Allerhand, wenn eine Spritze für alle Blutspender benutzt wird. Am Ende ist ein Großteil der Dorfbewohner mit AIDS infiziert und vegetiert einsam und allein vor sich hin.

Lianke berichtet von der Gier aller Beteiligter nach einem Stück vom vermeintlichen Glück. Vor allem brilliert er in der Schilderung des Untergangs und der Auflösung der Dorfgemeinschaft. Eine tragische Geschichte, wie sie so ähnlich wahrscheinlich überall hätte stattfinden können. Lianke ist ein ganz großer Roman gelungen.

Ullstein Buchverlage Verlag GmbH 2005

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