"Dies ist ein Buch über einen Abwesenden, einen im Gefängnis Festgehaltenen, über einen Nobelpreisträger, der seinen Preis nicht entgegennehmen darf: Liu Xiaobo. Sein alter Freund Bei Ling schreibt über ihn. Er zeichnet ein Bild mit vielen Facetten, wie es nur ein Freund kann. Es geht in diesem Buch um Manifeste, Unterschriftenaktionen, politische Handlungen, aber auch um Selbstzweifel und Schuldgefühle, Sturheit und Ehrgeiz. Der Autor, der einst selbst inhaftiert war, sieht es als seine Pflicht an, ein differenziertes Bild des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo zu malen, mit allen Zwischentönen. Bei Ling ist bewußt, daß es nur ein Bild von einer Seite her sein kann, sozusagen im Halbprofil, aber schon dieser Ausschnitt eines Lebens enthüllt einen ganzen Kosmos aus Mut und Repression, es erzählt vom Arbeitslager und dem Leben unter Polizeiaufsicht, wie es die Frau des Bürgerrechtlers führen muß. Gerade weil dieses Buch viel erklärt, aber auch immer wieder zu Fragen anregt, ist es Pflichtlektüre." -- Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
 | Besprechung von 29.12.2010 |
Sisyphus ist ein Chinese
Die erste Biographie über den Dissidenten Liu Xiaobo
Am Dienstag dieser Woche wurde Liu Xiaobo 55 Jahre alt. Es war der
dritte Geburtstag in Folge, den der Friedensnobelpreisträger in
einem Gefängnis verbracht hat. Bis zur Verleihung des Preises
durfte sich wenigstens noch seine Frau einmal im Monat in Peking in
den Zug setzen, um ihn in der 500 Kilometer entfernten Strafanstalt
Jinzhou zu besuchen. Seit einigen Wochen aber ist er völlig
isoliert: Keine Briefe, keine Besuche, nichts. So wird er auch
nicht mitbekommen haben, welch schönes Geschenk ihm sein ferner
Freund Bei Ling zum Geburtstag gemacht hat: Der in Boston und
Taiwan lebende Exil-Dichter hat soeben im deutschen Riva-Verlag die
erste Biographie Liu Xiaobos veröffentlicht.
Das Buch ist in den Wochen zwischen der Bekanntgabe des
Friedensnobelpreises und der Verleihung entstanden, Bei Ling hatte
für die Niederschrift also gerade mal zwei Monate Zeit. Teilweise
merkt man das, es gibt Brüche und Wiederholungen, und oft enden
Absätze mit formelhaften Sätzen wie „Liu hielt Vorträge über
Literatur und trug zum akademischen Leben und Unterricht bei.“
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Seit mittlerweile drei Jahren sitzt der chinesische Autor Liu Xiaobo im Gefängnis, seit ihm im Oktober der Friedensnobelpreis verliehen wurde, ist er total isoliert. Wer Liu Xiaobo ist, was ihn zu dem unnachgiebigen Dissidenten gemacht hat, den das chinesische Regime so hasst, das hat Rezensent Alex Rühle in dieser "tiefenscharfen" und offensichtlich sehr bewegenden Biografie nachlesen können. Geschrieben hat sie der in Taiwan und Boston im Exil lebende Dichter Bei Ling, der Liu Xiabo seit 1986 kennt, als dieser in einem recht angriffslustigen Vortrag in Peking die gesamte zeitgenössische Literatur als konformistisch geißelte. Das war ganz nach dem Geschmack des Untergrundpoeten Bei Ling! Herzstück des Buches ist für Rühle natürlich die Schilderung von Liu Xiaobos Rolle bei den Protesten vom Tienanmen, nach deren Niederschlagung er als einer der Anführer verhaftet wurde. Nach eineinhalb Jahren Kerker unterschrieb er ein furchtbares Schuldbekenntnis, das ihn für lange Zeit mit Scham erfüllte, wie Rühle mit geradezu stockendem Atem schreibt: "ein schwarzer Quell am Grund seiner Seele". So versteht der Rezensent Lius späteres Leben, sein ganzes Engagement, seine Unerbittlichkeit gegenüber den Machthabern, die ihn immer wieder ins Gefängnis oder ins Umerziehungslager (zum Bohnensortieren) brachte, auch als eine Art "permanente Abbitte".
© Perlentaucher Medien GmbH
"Dies ist ein Buch über einen Abwesenden, einen im Gefängnis Festgehaltenen, über einen Nobelpreisträger, der seinen Preis nicht entgegennehmen darf: Liu Xiaobo. Sein alter Freund Bei Ling schreibt über ihn. Er zeichnet ein Bild mit vielen Facetten, wie es nur ein Freund kann. Es geht in diesem Buch um Manifeste, Unterschriftenaktionen, politische Handlungen, aber auch um Selbstzweifel und Schuldgefühle, Sturheit und Ehrgeiz. Der Autor, der einst selbst inhaftiert war, sieht es als seine Pflicht an, ein differenziertes Bild des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo zu malen, mit allen Zwischentönen. Bei Ling ist bewußt, daß es nur ein Bild von einer Seite her sein kann, sozusagen im Halbprofil, aber schon dieser Ausschnitt eines Lebens enthüllt einen ganzen Kosmos aus Mut und Repression, es erzählt vom Arbeitslager und dem Leben unter Polizeiaufsicht, wie es die Frau des Bürgerrechtlers führen muß. Gerade weil dieses Buch viel erklärt, aber auch immer wieder zu Fragen anregt, ist es Pflichtlektüre." Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
"Dies ist ein Buch über einen Abwesenden, einen im Gefängnis Festgehaltenen, über einen Nobelpreisträger, der seinen Preis nicht entgegennehmen darf: Liu Xiaobo. Sein alter Freund Bei Ling schreibt über ihn. Er zeichnet ein Bild mit vielen Facetten, wie es nur ein Freund kann. Es geht in diesem Buch um Manifeste, Unterschriftenaktionen, politische Handlungen, aber auch um Selbstzweifel und Schuldgefühle, Sturheit und Ehrgeiz. Der Autor, der einst selbst inhaftiert war, sieht es als seine Pflicht an, ein differenziertes Bild des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo zu malen, mit allen Zwischentönen. Bei Ling ist bewußt, daß es nur ein Bild von einer Seite her sein kann, sozusagen im Halbprofil, aber schon dieser Ausschnitt eines Lebens enthüllt einen ganzen Kosmos aus Mut und Repression, es erzählt vom Arbeitslager und dem Leben unter Polizeiaufsicht, wie es die Frau des Bürgerrechtlers führen muß. Gerade weil dieses Buch viel erklärt, aber auch immer wieder zu Fragen anregt, ist es Pflichtlektüre." Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
Sein langjähriger Freund, der Schriftsteller und Dissident Bei Ling, gründete mit Liu Xiaobo zusammen den PEN-Club in China. Auch er wurde von den chinesischen Sicherheitsbehörden verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Bei Ling wurde freigelassen, weil sich namhafte Schriftstellerkollegen wie Günther Grass oder Susan Sontag für ihn einsetzen. Jetzt schreibt er die ganz persönliche Biografie von Liu Xiaobo, seinem Freund und Wegbegleiter.
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