Der Berg der Seele - Gao Xingjian

Gao Xingjian 

Der Berg der Seele

Roman

Aus d. Chines. v. Helmut Forster-Latsch, Marie-Luise Latsch u. Gisela Schneckmann
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Der Berg der Seele

Auf seiner Reise ins Herz eines unbekannten China begegnet der Erzähler, Wandermönchen, den letzten Schamanen - und vielen Frauen. Zugleich führt ihn die Reise in sein Innerstes, Kindheitserinnerungen werden wach. Weg vom politisch repressiven Peking treibt es den Rastlosen immer weiter hin zum Lingshan, dem "Berg der Seele". Den Berg erreicht der Erzähler nie, aber seine Reise bleibt von befremdend trauriger Schönheit. "... ein großartiges, fremdes, singuläres Romanwerk..." "Karl Markus Gauss"

Der Berg der Seele ist der große autobiographische Roman des Nobelpreisträgers Gao Xingjian. Den Fluss Yangtze hinab von der Quelle bis ans Meer führt ihn eine epische Reise in das Herz eines unbekannten China. 1983 diagnostiziert ein Arzt bei Gao Lungenkrebs und gibt ihm nur noch wenige Monate. Dies stellt sich bald als falsch heraus und mit dem Gefühl, dem Tod durch Finger geschlüpft zu sein, beschließt er, der sich abzeichnenden politischen Repression in der Hauptstadt zu entgehen. Lingshan, der von Legenden umwobene Berg der Seele, wird zum Fluchtpunkt einer Reise, auf der er die leuchtenden Farben einer vom offiziellen Peking an den Rand gedrängten Welt entdeckt. Unterwegs wie Bruce Chatwin in Australien ist er auf der Spur einer anderen, einer sinnlichen Geschichte, begegnet er weisen Frauen, skurilen Helden und den letzten Schamanen.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 548 S.
  • Seitenzahl: 547
  • Fischer Taschenbücher Bd.15250
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 127mm x 35mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783596152506
  • ISBN-10: 359615250X
  • Best.Nr.: 11182424
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.11.2001

Niemand entgeht seiner Maske
Das große Vermögen des Gao Xingjian erreicht uns nur in kleiner Münze / Von Mark Siemons

Die Vertrautheit, die sich beim Lesen des Romans "Der Berg der Seele" von Gao Xingjian einstellt, ist trügerisch. Rasch meint man, auf alte Bekannte zu treffen: auf den Bewußtseinsstrom, die Auflösung des Subjekts in ungewöhnlichen grammatischen Strukturen, die Sehnsucht auch noch, der Kultur zu entkommen in einer "Authentizität", die sich jeder Beschreibung entzieht. Nach wenigen Seiten schon glaubt man genug über Gao Xingjian zu wissen; es ist in etwa das gleiche, was man sich schon dachte, als er letztes Jahr den Nobelpreis für Literatur bekam: ein mit sträflichem Wohlwollen überschätzter Epigone.

Aber Gaos Welt ist eine andere als die seiner westlichen Leser. Um sich davon zu überzeugen, sollte man die Lektüre besser nicht mit dem ersten, sondern mit dem 28. Kapitel beginnen. Die Szene schildert das abrupte Ende einer Busfahrt im Süden Chinas. Zuerst werden die Fahrgäste, unter ihnen der Ich-Erzähler, Zeuge, wie der Busfahrer einen Bauern schikaniert, den er beim Schwarzfahren erwischt. Er läßt ihn das Geld …

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"Die literarische Ausbeute einer Reise durch die chinesische Kultur, durch die eigene Psyche und Sprache." (FAZ)

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Hugo Dittberner begegnet diesem Roman voller Hochachtung und preist ihn als "grandiosen, souverän und scharfsinnig geschriebenen Bericht". Dem chinesischen Schriftsteller, der letztes Jahr zum Ärger seines Heimatlandes den Literaturnobelpreis erhielt, sei ein "vielfältiges Erzählbuch" um eine an sich einfache Geschichte gelungen, lobt der Rezensent, der besonders den erzählerischen Kniff, mit dem der Autor die Erzählperspektive entwickelt hat, rühmt. An das "Du" dieses Romans, dem später auch ein "ich", ein "er" und schließlich eine "sie" folgt, gewöhne man sich nämlich während des 500-Seiten-Romans nicht, und dies verleihe ihm "Spannung und Legitimation", so der Rezensent begeistert. Er sieht die wechselvolle Geschichte Chinas der 70er und 80er Jahre rekapituliert und vergleicht den Protagonisten mit einem "Ethnografen", der sich kritisch mit seinem Land, dieser "Mischwelt aus Sozialismus und Folklore" auseinandersetze.

© Perlentaucher Medien GmbH
Gao Xingjian wurde am 4. Januar 1940 in Ganzhou (Provinz Jiangyi) in Ostchina geboren. Bis 1962 studierte er in Peking französische Literatur und wurde dann im Zuge der Kulturrevolution lange zur 'Umerziehung' aufs Land gezwungen. Mach Maos Tod erschienen ab 1980 seine ersten Schriften, u. a. 'Erkundungen in modernen Erzähltechniken' sowie die Theaterstücke 'Das Warnsignal' und 'Die Busstation'. Nach Aufführungsverboten und einer politischen Kampagne zog er sich auf Land zurück. 1985/96 lebte er als DAAD-Stipendiat in Berlin, 1987 verließ er China endgültig und lebt seither in Paris. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens trat er 1989 aus der Partei aus, seine Schriften wurden in China endgültig verboten. 2000 wurde er mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.

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