Schurken - Derrida, Jacques

Jacques Derrida 

Schurken

Zwei Essay über die Vernunft

Übersetzer: Brühmann, Horst
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Schurken

Wir leben seit dem 11. September 2001 im Zeitalter der Schurkenstaaten. Dieser Begriff eröffnet grundlegende politische Fragen wie die nach staatlicher Souveränität, aber auch nach den politischen Möglichkeiten und Grenzen der Vereinten Nationen, ja nach der Demokratie als solcher. "Was geschieht", so fragt Derrida, "mit den Begriffen der 'Politik', des 'Kriegs' und des 'Terrorismus', wenn das alte Gespenst der staatlichen Souveränität seine Glaubwürdigkeit verliert?" Zwischen Globalisierung und staatlicher Souveränität, dem Recht der Macht und der Macht des Rechts, Schurkenstaaten und nationalen wie internationalen demokratischen Organisationen steht die Demokratie als solche auf dem Spiel.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 219 S.
  • Seitenzahl: 219
  • Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.1778
  • Best.Nr. des Verlages: 29378
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 111mm x 17mm
  • Gewicht: 140g
  • ISBN-13: 9783518293782
  • ISBN-10: 3518293788
  • Best.Nr.: 14103395

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Noch nie wurde ein Buch des französischen Philosophen so unmittelbar politisch wahrgenommen, berichtet Sonja Asal und verweist auf den politischen Kontext der Auseinandersetzungen um den Irakkrieg, die den zwei im Sommer 2002 gehaltenen Vorträgen Jacques Derridas ungewohnte Beachtung im politisch-publizistischen Bereich gewährten. Zumal Derridas "Volte", so Asal, die USA als ersten Schurkenstaat zu bezeichnen, natürlich für Aufregung sorgen musste. Doch Aufregung beiseite - Derrida führe im Grunde seine in "Gesetzeskraft" begonnene Reflexion über das Verhältnis von Gewalt und Gerechtigkeit fort und übertrage das ganze in den Antagonismus der Begriffe Demokratie und Souveränität, erklärt Asal. Denn der Demokratie sei immer auch "eine undemokratische Möglichkeit inhärent", d.h. zu ihrer Verteidigung müsse sie sich auch einschränken, oder anders ausgedrückt: der Gebrauch von Macht schließt auch den Missbrauch von Macht ein. Derrida genügt diese Feststellung nicht, stellt Asal fest, er denke mithilfe von Platon und Aristoteles über die Demokratie als Regierungsform der Zukunft nach, bei der Souveränität nicht einem einzelnen, sondern dem Volk zukommt. Noch nie habe man die politischen Implikationen von Derridas Methode der Dekonstruktion deutlicher formuliert lesen können, schreibt die Rezensentin angetan.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.10.2003

Mit guten Karten schlecht gespielt
Brillant: Jacques Derrida über die Schurken im Herzen der Demokratie / Von Joseph Hanimann

Als die Achse der Tatentschlossenen gegen die "Schurkenstaaten" sich aufbaute, blieben die Philosophen der Vernunftkritik uns eine Antwort schuldig. Sie, die im Unterschied etwa zu Habermas an einen machtfreien Vernunftgebrauch nicht glauben und das stärkere Argument stets als das Argument des Stärkeren verdächtigten, stellten die Legitimität von Interventionen wie zuletzt jener im Irak offen in Frage. Auf welcher Grundlage? War das Vorgehen der Koalition im Irak mit ihrem Eiertanz der Begründungen an den Vereinten Nationen vorbei nicht gerade die Bestätigung dafür, daß Rechtmäßigkeit von den Mächtigen je nach Bedarf fabriziert werden kann?

Hier ist nun die Antwort eines jener Philosophen: umfassend, grundsätzlich, klar, mag auch die in Nebenbemerkungen, Sprachspielen und wortverliebten Geistestrillern um den Argumentationsstrang sich windende Gedankenbewegung dem Leser manche Strapazen abverlangen. Derridas Bücher werden auf leicht affektierte Art immer persönlicher. Dennoch ist dieses sein seit Jahren wohl …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.10.2003

Von Schurken und Staaten
Präventiver Kommentar zum Irak-Krieg: Jacques Derridas Essays über die Vernunft
Selten wurde ein Buch Jacques Derridas so unmittelbar politisch rezipiert wie die im Februar veröffentlichten „Voyous” (siehe SZ vom 14. 2. 2003). Entstanden aus zwei im Sommer 2002 gehaltenen Vorträgen, erschien es gerade rechtzeitig zu den Auseinandersetzungen um den bevorstehenden Irak-Krieg. Derridas Volte, die USA selbst als ersten Schurkenstaat zu bezeichnen, weil sie sich mit ihrem unilateralen Vorgehen über internationales Recht hinwegsetzten, blieb in der amerikakritischen europäischen Öffentlichkeit nicht ohne Echo. Nun liegt die deutsche Übersetzung vor und lädt zur Probe aufs Exempel ein: Politische Streitschrift oder philosophische Grundlagenreflexion?
Derrida ist im Grunde nicht an der Frage interessiert, welcher der in der internationalen Diskussion als solcher bezeichneten Staaten ein Schurkenstaat ist oder nicht. Er nimmt die Rede von den Schurkenstaaten als eine façon de parler: als „Schurkenstaaten” können sich wechselseitig letztlich nur moderne Nationalstaaten titulieren. Sie sind eine erst in der Moderne ausgeprägte …

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Jacques Derrida wurde am 15. Juli 1930 in El-Biar in der Nähe von Algier als Sohn jüdischer Eltern geboren und starb am 8.Oktober 2004 in Paris. Während seiner Schulzeit war er antisemitischen Repressionen ausgesetzt. Ab 1949 lebte er in Frankreich und besuchte das Lycée Louis-le-Grand in Paris. Von 1952 bis 1954 studierte er an der École Normale Supérieure, wo er Vorlesungen bei Louis Althusser und Michel Foucault besuchte und sich mit Pierre Bourdieu anfreundete. 1956 gewann er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Harvard University. Während seines Militärdienstes von 1957 bis 1959 lehrte er Englisch und Französisch in Algerien. Von 1960 bis 1964 war er wissenschaftlicher Assistent an der Sorbonne. Ab 1965 bis 1984 bekleidete er eine Professur für Geschichte der Philosophie an der École Normale Supérieure. 1981 gründete er die Gesellschaft Jan Hus (eine Hilfsorganisation für verfolgte tschechische Intellektuelle). Im selben Jahr wurde er in Prag verhaftet und erst nach einer energischen Intervention François Mitterrands und der französischen Regierung von der Tschechoslowakei freigelassen. 1983 gründete er das Collège international de philosophie , zu dessen erstem Direktor er gewählt wurde.

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