Die Politiker - Scheer, Hermann

Hermann Scheer 

Die Politiker

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Die Politiker

Politik, im richtigen Sinne des Begriffs, ist gesellschaftliche Existenzbedingung. Ohne Politiker keine Politik. Es ist ein Alarmsignal für Gesellschaften, wenn Politik zum Unwort geworden ist und Politiker zum Schimpfwort. Die Erfahrung oder zumindest Wahrnehmung, dass das gesellschaftliche Mandat der "Politik" von den "Politikern" nicht mehr konstruktiv praktiziert wird, hat zu einem dramatischen Vertrauensverlust in beide geführt. Wenn sich soziale und wirtschaftliche Existenzgefahren zuspitzen und Wähler den gewählten Volksvertretern und Parteien deren Lösung nicht mehr zutrauen, droht ein Verfall demokratischer Verfassungsstaaten. Hermann Scheer, aktiver Politiker, Wissenschaftler und "praktischer Visionär" (Bundespräsident Rau), untersucht in diesem Buch die Grundbedingungen politischen Handelns, die derzeitige Verfassung unserer politischen Institutionen und ihrer Akteure - und die Vorstellungen, die wir uns von ihnen machen.


Produktinformation

  • Verlag: KUNSTMANN
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 285 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 144mm x 28mm
  • Gewicht: 450g
  • ISBN-13: 9783888973437
  • ISBN-10: 3888973430
  • Best.Nr.: 11874320
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2003

Pappnasen ganz oben
Die wenigsten Politiker haben Hohn und Spott verdient, denn auch sie sind Gefangene einer komplexen Welt
Gleich im zweiten Absatz der Begrüßung auf seiner Homepage im Internet wird Hermann Scheer ein wenig grob: „Ich konzentriere mich auf sachliche Informationen”, steht da, „Spielereien und Sprechblasen müssen Sie woanders suchen.” Der studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sitzt seit 1980 für die SPD im Bundestag und seit 1993 im SPD-Bundesvorstand; aber obwohl er seit knapp 25 Jahren der Avantgarde der deutschen Politik angehört, gibt er sich immer gern ein wenig aufgeklärter als seine Kollegen. Das allerdings nicht ganz zu Unrecht: Immerhin ist Scheer Träger des Alternativen Nobelpreises, des Weltsolarpreises und des Weltpreises für Bio-Energie; er trägt den so informellen wie bombastischen Titel „deutscher Solarpapst” und hat eine ganze Latte von Artikeln und Büchern über erneuerbare Energien verfasst.
Charaktermasken unterwegs
Sein neues Buch hat nichts zu tun mit Klimawechsel und Sonnenenergie. Aber wieder einmal zeigt Scheer, dass er ein wenig anders ist als andere Politiker – wenn auch mit einer …

Weiter lesen

literaturtest.de<br/><br/>Die Reputation ist im Keller<br /> Das Ansehen der Politiker in der Gesellschaft könnte schlechter kaum sein. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach (2001) rangierten sie weit hinter Ärzten, Pfarrern, Hochschulprofessoren, Unternehmern, Rechtsanwälten und sogar Journalisten am unteren Ende der Skala. Ähnlich gering ist das Vertrauen in den Politiker-Beruf in Großbritannien, in Italien und in Frankreich. Warum das so ist, hat ein Mann untersucht, der seit 1980 Mitglied des Bundestages ist und als überzeugter Streiter für erneuerbare Energien 1999 den Alternativen Nobelpreis erhielt.<br/><br/>Die Ängste der Wähler<br /> Meist haben sie mehr versprochen, als sie selbst beim besten Willen einhalten können, lautet eine Erkenntnis Hermann Scheers. Zudem sorgen Existenz- und Lebensangst gerade in hoch entwickelten Staaten wie Deutschland, England, Frankreich und den Niederlanden für zusätzliches Misstrauen in die Regierenden. Politiker erscheinen als bevorzugte Projektionsfläche für die Nöte der Bürger. Die Arbeitslosigkeit wächst, staatliche Finanzkrisen sind eine Dauererscheinung, soziale Sicherungssysteme werden abgebaut, Reformen kommen nicht entscheidend voran. Dass die Politik diese Existenzprobleme allein nicht lösen, sondern nur die Rahmenbedingungen für Verbesserungen schaffen kann, ahnen oder wissen auch die meisten Bürger. Dennoch bestrafen sie bei der nächsten Wahl erst einmal die gerade Herrschenden.<br/><br/>Autonomie statt Unterwerfung<br /> Politiker in einer Demokratie spiegeln stets, so schlussfolgert der Autor, den politischen Kulturzustand der Gesellschaft wider. Unkonventionelles, nicht konformistisches, nicht lineares politisches Denken müsse daher neu belebt werden. Und je mehr Bürger sich dafür die Freiheit nehmen, desto mehr belebe sich auch eine politische Zivilgesellschaft. Der Einzelne könne Politik aber auch anders praktizieren: mit eigenen Ideen und Initiativen, mit geistiger Autonomie statt Unterwerfung.<br /> (Mathias Voigt)<br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Mathias Greffrath findet, dass Hermann Scheer tief stapelt: Sein Buch sei "nichts weniger als ein kleines Lehrbuch vom politischen Handeln in den Strukturen, wie sie nun einmal sind". Es komme nämlich, argumentiert Scheer, nach wie vor auf die Parteien und auf das Parlament an - trotz aller Kritik, die auch er nicht zurückhält. Scheer, informiert Greffrath, diagnostiziert eine Krise der parlamentarischen Demokratie, hervorgebracht zum einen durch die "Verdampfung nationaler Geltungsmacht" zu Gunsten der WTO und die "absolutistische" europäische Wirtschaftspolitik der EU-Kommission, zum anderen dadurch, dass die Gesellschaft "ihre Kräfte delegiert" habe- die Basis der parlamentarischen Vertretung in der Gemeinschaft souveräner und politisch handelnder Bürger fehle. Was muss also passieren? Eine "Kulturrevolution" - im Geiste des Grundgesetzes.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hermann Scheer, geb. 1944, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, ist seit 1988 Präsident von eurosolar, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien. Er leitete zahlreiche wissenschaftliche Konferenzen über erneuerbare Energien, u.a. die Welt-Biomassekonferenz und die Europäische Photovoltaik-Konferenz. Er ist seit 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1998 erhielt Hermann Scheer den Weltsolarpreis, 1999 wurde er mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, 2000 mit dem Weltbiomassepreis.

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