Die erregte Republik - Bussemer, Thymian

Thymian Bussemer 

Die erregte Republik

Wutbürger und die Macht der Medien. Vorw. v. Gesine Schwan

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Die erregte Republik

Wie Politik auf Wirklichkeit trifft. Deutschland zwischen "Wutbürger" und "Stimmungsdemokratie"

Hamburger Volksentscheid oder Stuttgart 21: In diesem engagierten Plädoyer zur Verteidigung der repräsentativen Demokratie warnt Thymian Bussemer eindringlich davor, die Axt an unser politisches System zu legen. Mit einem Vorwort von Gesine Schwan

Die Bürger trauen ihren demokratischen Institutionen nicht mehr. Sie proben den Aufstand, initiieren Volksbegehren, fordern Bürgerbeteiligung und Formen direkter Demokratie. Auch die Gewichte zwischen Politik und Medien haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben.

Die traditionelle Parteipolitik ist auf dem Rückzug, die Medien und allerlei Stimmungspolitiker versuchen, dieses Vakuum zu füllen. Doch die Logik der Medien ist eine andere als die Logik der Politik. Hier zählt Quote, nicht Problemlösungskompetenz.

Der Autor zeichnet das Bild einer erregten Republik, die mehr und mehr zum Spielball von Stimmungen und Kampagnen wird. Und er zeigt, wer daran ein Interesse hat und wohin es führen kann, wenn um der Erregung willen die auf Konsensbildung, Abstimmung und das Aushandeln von Kompromissen angelegte repräsentative Demokratie beschädigt wird. Wie Politik auf Wirklichkeit trifft.


Produktinformation

  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 253 S.
  • Seitenzahl: 253
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 139mm x 29mm
  • Gewicht: 416g
  • ISBN-13: 9783608946208
  • ISBN-10: 3608946209
  • Best.Nr.: 33412588

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Unterhaltsam, lehrreich und die öffentliche Debatte dringend erfordernd, so beschreibt Felix Ekardt seine Lektüreeindrücke betreffend Thymian Bussemers Buch über die "erregte Republik". Dass es darin nicht nur um Stuttgart 21 geht, sondern der Autor mitunter leicht zugespitzt, aber im Ganzen durchaus realistisch unsere Demokratie zur Disposition stellt, wird dem Rezensenten rasch klar. Ebenso leuchtet ihm bald ein, wie wenig hilfreich die allenthalben geforderten Plebiszite tatsächlich sind, wenn es darum geht, die repräsentative Demokratie zu schützen, weil die Bürger zunehmend unpolitisch und egoistisch agieren. Zustimmend liest Ekardt über die wechselseitige Verstärkung von politischen Untugenden, wie Personalisierung, Inszenierung und Stil, zwischen Politik und Medien beziehungsweise Bürger. Bussemers Lösungsvorschlag scheint ihm so schwierig wie alternativlos: die Reanimation des politischen Interesses bei allen Beteiligten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.10.2011

Persönlichkeitsfimmel
Thymian Bussemers unterhaltsame Kritik an den Medien,
den Politikern und dem deutschen Volk
Noch ein Buch über Stuttgart 21 – zu diesem Großprojekt, zu dem momentan jeder seine Meinung sagen muss? Und dann gleich noch eine ordentliche Medienschelte? Ein anfängliches Misstrauen gegen das Buch des VW-Managers und früheren Mitarbeiters von Gesine Schwan und Peter Glotz, Thymian Bussemer, lag nahe. Doch „Die erregte Republik“ hält für Laien und Fachleute gleichermaßen interessante Einsichten bereit und ist auch noch packend geschrieben.
Seit Stuttgart 21 heißt es allerorten, wie wichtig mehr Bürgerbeteiligung wäre. Sogar Guido Westerwelle denkt plötzlich über Plebiszite nach. Bussemer sieht das ganz anders: Die Bürger in westlichen Demokratien seien zunehmend unpolitisch und rein eigennützig und betätigten sich nur noch, wenn ihnen ein Großprojekt persönlich in die Quere kommt. Oder wenn die Schulpolitik ihre vergötterten Kinder zu treffen drohe. All das würde durch mehr Plebiszite aber nur verschlimmert. Die repräsentative Demokratie, die auf ein ausgewogenes und vorausschauendes Aushandeln von Kompromissen setze, …

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" Die erregte Republik hält für Laien und Fachleute gleichermaßen interessante Einsichten bereit und ist auch noch packend geschrieben. Auch in den Details ist das Buch unterhaltsam. So ergeben sich am Rande etwa eine sehr originelle Einschätzung Helmut Kohls und eine ebenso scharfsinnige wie vernichtende Kritik an Karl-Theodor zu Guttenberg." Felix Ekard, Süddeutsche Zeitung, 24.10.2011 "Ein kluges Buch." Anne Gramm, Kieler Nachrichten, 05.11.2011

»"Die erregte Republik" hält für Laien und Fachleute gleichermaßen interessante Einsichten bereit und ist auch noch packend geschrieben. ...Auch in den Details ist das Buch unterhaltsam. So ergeben sich am Rande etwa eine sehr originelle Einschätzung Helmut Kohls und eine ebenso scharfsinnige wie vernichtende Kritik an Karl-Theodor zu Guttenberg.«
Felix Ekard, Süddeutsche Zeitung, 24.10.2011

»Ein kluges Buch.«
Anne Gramm, Kieler Nachrichten, 05.11.2011
Thymian Bussemer, geb. 1972, war Büroleiter, Berater und Redenschreiber verschiedener Spitzenpolitiker. Seit 2007 ist er Manager in einem großen Industrieunternehmen.

Leseprobe zu "Die erregte Republik" von Thymian Bussemer

1. Die zerbrechliche Demokratie
Jahrzehntelang galt die (west)deutsche Demokratie als ein Stabilitätswunder. Ausgerechnet die Deutschen hatten es geschafft, in ihrem Land eine vorbildliche Form der Volksherrschaft zu errichten. Weder die APO noch die Ölkrise vermochten die Republik ernsthaft zu erschüttern. Demokratie in Deutschland nach 1945 das war nicht nur eine bestimmte, stark von der alten deutschen Kleinstaaterei bestimmte Ausprägung der repräsentativen Demokratie. Untrennbar verbunden waren damit auch eine bestimmte Haltung zum Westen, die soziale Marktwirtschaft, ein gut ausgebauter Wohlfahrtsstaat, eine spezifische Form der Konfliktpartnerschaft in den Betrieben und ein gesellschaftlicher Konsens über die Aufgaben und die zu ihrer Erfüllung benötigten Ressourcen des Staates.
Obwohl dieses ökonomische Gründungsfundament der Bundesrepublik schon ab Mitte der 1970er-Jahre in die Krise geriet, weil die wirtschaftlichen Wachstumsraten nicht mehr ausreichten, um den voranschreitenden Ausbau des Sozialstaats zu finanzieren, und weil infolge eines neuen Globalisierungsschubs mit jeder Rezession die Sockelarbeitslosigkeit stieg, fand der politische Überbau unverändert Akzeptanz. Nach 1989 konnten die Institutionen der bundesdeutschen parlamentarischen Demokratie unverändert auf das Beitrittsgebiet der ehemaligen DDR ausgedehnt werden. Repräsentative Umfragen begannen zwar schon bald nach der deutschen Einheit eine bedenkliche Unzufriedenheit der Ostdeutschen mit der parlamentarischen Demokratie zu zeigen, doch wurde dies allgemein auf die ökonomische Misere der Ostdeutschen geschoben, was mit der impliziten Erwartung verbunden war, dass eine Steigerung des Wohlstands auch zu einer Versöhnung mit der parlamentarischen Demokratie führen würde.
An der Milleniumswende im Jahr 2000, 55 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches, hätte niemand im In- oder Ausland Zweifel daran gehabt, dass die deutsche Demokratie eine der stabilsten der Welt ist.
Elf Jahre später hat sich dieses Bild verändert. Natürlich haben die demokratischen Institutionen des Landes nach wie vor Bestand. Doch die Zweifel an ihrer Verlässlichkeit bei der Bearbeitung der anstehenden Probleme, an ihrer Legitimität angesichts stetig schwindender Wahlbeteiligungen und an ihrem Einfluss angesichts eines globalisierten Kapitalismus sind nicht mehr zu überhören. Das beginnt mit der schwindenden Akzeptanz der Parteien. Die einst allmächtige CSU in Bayern ist zu einer Regionalpartei geschrumpft, die von Wahl zu Wahl um ihre Mehrheiten fürchten muss. Die SPD, einst die stolzeste Partei des Landes, wurde bei den Bundestagswahlen im September 2009 auf bislang unvorstellbare 23 Prozent reduziert und musste im Frühjahr 2011 in Baden-Württemberg eine Koalition mit den Grünen eingehen als Juniorpartner. Der Ansehensverlust der Demokratie betrifft aber nicht nur die politischen Parteien. Auch die Wahlbeteiligung hat ein historisches Tief erreicht. 2006 nahmen an der Landtagswahl in SachsenAnhalt nur noch 44,4 Prozent der Wähler teil. Bei der Bundestagswahl 2009 gingen rund 30 Prozent der Wahlberechtigten, etwa 18 Millionen Menschen, nicht mehr zur Stimmabgabe. Noch 2005 hatten nur 22,3 Prozent der Wähler den Gang zur Wahlurne verweigert. Und bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2010 betrug die Wahlbeteiligung nur 59,3 Prozent obwohl der Ausgang als offen galt, es also alle Gründe gab, die eigene Stimme in die Waagschale zu werfen. Immer unklarer ist im Vorfeld von Wahlen, wohin sich die Waage neigen wird. Noch in den 1970er-Jahren gab es bei Bundestagswahlen eine stabile Beteiligung von 90 Prozent und von den abgegebenen Stimmen entfielen wiederum 90 Prozent auf die Volksparteien CDU/CSU und SPD. Solche Ergebnisse sind heute undenkbar. Die Wähler wenn sie überhaupt noch zur Wahl gehen werden unberechenbar, entscheiden erst in letzter Minute und wenden sich schon kurz nach der Stimmabgabe wieder von der Partei ab, die sie unterst

Inhaltsangabe

Inhalt
Vorwort von Gesine Schwan 7
1. Die zerbrechliche Demokratie 17
2. Die Bürger proben den Aufstand 26
3. Von der Medien- zur Stimmungsdemokratie 45
4. Die Bonner und die Berliner Republik 84
5. Die entfaltete Medienrepublik 115
6. Die entfesselte Politik 168
7. Am Ende? 209
Dank 241
Anmerkungen 242
Literatur 252

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