Demokraten aller Couleur können (Neo-)Faschisten nicht wirklich
kritisieren, lautet Freerk Huiskens provokantes Fazit.
Verfassungsschutz, Bundeszentrale für politische Bildung, viele der
Volksparteien, aber auch Gewerkschaften und einige Antifa-Bündnisse
stellen bei ihrem Kampf gegen Neonazis deren Kleidung vor,
decodieren Zahlencodes und benennen rechtsextreme Musiklabels. Es
wird enttarnt, was sie offen zeigen, wenn sie sich präsentieren.
Diese Art der "Auseinandersetzung" lebt von der
Vorstellung, Jugendliche würden sich abwenden, wenn sie nur
erkennen könnten, wie Neonazis sich kleiden und welche Mucke sie
hören.
Weit gefehlt, denn diese sind vor allem enttäuschte Nationalisten,
die die Verschwendung nationaler Ressourcen durch undeutsche
Unternehmenspolitik anprangern, am globalen Kapitalismus gerade
nicht den weltweiten Siegeszug eines Ausbeutungssystems
kritisieren, sondern beklagen, dass sich gute deutsche Unternehmen
in internationale Konzerne verwandeln.
Damit kommen gute Demokraten in Schwierigkeiten, entdecken sie doch
bei der unerwünschten Konkurrenz Einvernehmen mit dem eigenen
höchsten politischen Ziel: Dem Erfolg der Nation, um Deutschland
ökonomisch und politisch voran zu bringen. Und so verkommen
Verbotsdebatten, Enttarnungen und Steckbriefe sowie die Warnung,
dass der Schoss noch fruchtbar sei, zu einer Ehrenrettung von
Nationalbewusstsein zum Segen des demokratisch regierten
Kapitalismus. Daran sollte man sich wirklich nicht beteiligen.
Freerk Huisken, Professor im Ruhestand an der Universität Bremen mit dem Schwerpunkt Politische Ökonomie des Ausbildungssektors. 2007 erschien von ihm bei VSA: »Über die Unregierbarkeit des Schulvolks. Rütli-Schulen, Erfurt, Emsdetten usw.« Er ist darüber hinaus Autor des Standardwerks »Erziehung im Kapitalismus«.
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