Zwischen den Zeiten - Thompson, Kate

Kate Thompson 

Zwischen den Zeiten

Ausgezeichnet mit dem Guardian Children's Fiction Award 2005 und dem Whitbread Children's Book Award 2005

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Zwischen den Zeiten

"Dieses Buch ist absolut bahnbrechend und wird definitiv ein Klassiker werden!" Inis, The Irish Literary Magazine

"Eine Parabel über die Zeit vor dem Hintergrund der irischen Mythologie - poetisch, romantisch, spannend bis zum Ende und zurecht mit zwei britischen Buchpreisen ausgezeichnet." Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung

"Ein herrlich komponiertes Buch, nicht nur für Leute, die die Fiddle und das Guiness lieben." Saarbrücker Zeitung

"Ein außergewöhnlicher Fantasy-Roman." Westfälischer Anzeiger

"Ein spannend geschriebener Roman, erzählt mit der Leichtigkeit und dem Schwung irischer Lieder." Bulletin Jugend & Literatur / Maren Bonacker

"Ein herrlich komponiertes Buch, nicht nur für Leute, die die Fiddle und das Guiness lieben." Saarbrücker Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Cbt
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 315 S. m. Notenbeisp.
  • Seitenzahl: 315
  • cbt Taschenbücher Bd.30582
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 125mm
  • Gewicht: 345g
  • ISBN-13: 9783570305829
  • ISBN-10: 3570305821
  • Best.Nr.: 25576442
»Ein außergewöhnlicher Fantasy-Roman.« Westfälischer Anzeiger
Kate Thompson, geb. in Belfast, Studium der englischen und französischen Literatur in Dublin. Danach Theater- und TV-Schauspielerin. 1989 Gewinn des Best Actress Award. Arbeit für eine erfolgreiche irische Soap-Opera und Buchautorin. Kate Thompson lebt mit ihrer Familie in Dublin.

Leseprobe zu "Zwischen den Zeiten"

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Leseprobe zu "Zwischen den Zeiten" von Kate Thompson

Liddy und sein bester Freund Jimmy Dowling hatten häufig Streit. JJ nahm das nie ernst. Er betrachtete es sogar als Zeichen für die Stärke ihrer Freundschaft, weil sie sich immer gleich wieder vertrugen. Anders als manche Mädchen in der Schule, die sich derartig in die Wolle bekamen, dass sie sich in längere Schlachten verstrickten. Aber an jenem Tag Anfang September, noch während der ersten Schulwoche, hatten sie einen Streit wie nie zuvor.

JJ konnte sich nicht einmal mehr erinnern, worum es eigentlich gegangen war. Aber am Schluss, zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich üblicherweise gegenseitig verziehen und sich wieder vertrugen, hatte Jimmy die Bombe platzen lassen.

"Ich hätte es besser wissen müssen und mich gar nicht erst mit dir einlassen sollen, nach dem, was meine Großmutter mir über die Liddys erzählt hat."

Auf seine Worte folgte eine entsetzliche Stille, voller Verwirrung aufseiten JJs und Scham aufseiten Jimmys. Er wusste, dass er zu weit gegangen war.

"Was ist mit den Liddys?", fragte JJ.

"Nichts." Jimmy wandte sich um und ging auf das Schulgebäude zu.

JJ stellte sich vor ihn. "Sag schon. Was hat sie dir erzählt?"

Jimmy hätte sich vielleicht herauswinden und so tun können, als sei alles nur ein Scherz gewesen, aber man hatte sie belauscht. Er und JJ waren nicht mehr allein. Zwei andere Jungen, Aidan Currie und Mike Ford, hatten alles mit angehört und mischten sich jetzt ein.

"Mach schon, Jimmy", sagte Aidan. "Jetzt kannst du's ihm sagen."

"Ja", sagte Mike. "Wenn er es noch nicht weiß, dann ist er wohl der einzige Mensch im ganzen Landkreis."

Die Glocke klingelte zum Ende der großen Pause. Aber keiner schenkte ihr Beachtung.

"Was soll ich wissen?", fragte JJ. Ihm war kalt, und er hatte Angst, nicht vor etwas, was geschehen könnte, sondern vor etwas, was er in sich trug, in seinem Blut.

"Es ist schon lange her", sagte Jimmy, der weiter versuchte, einen Rückzug zu machen.

"Was ist lange her?"

"Einer der Liddys..." Jimmy sagte noch mehr, aber er murmelte es so in sich hinein, dass JJ nichts hören konnte. Es klang wie "hat den Karren geordnet".

Der Lehrer, der Hofaufsicht hatte, rief sie hinein. Jimmy ging auf das Schulgebäude zu. Die anderen folgten ihm.

"Was hat er?", fragte JJ.

"Vergiss es", sagte Jimmy.

Es war Aidan Currie, der es sagte, so laut, dass JJ und alle anderen es hören konnten. "Das weiß doch wohl jeder. Dein Urgroßvater. JJ Liddy, genau wie du. Der hat den Pfarrer ermordet."

JJ blieb wie vom Donner gerührt stehen. "Niemals!" "Doch, hat er", sagte Mike. "Und nur wegen einer alten hölzernen Flöte."

"Ihr seid ein Haufen Lügner!", sagte JJ.

Die Jungen lachten, mit Ausnahme von Jimmy. "Die Liddys waren halt schon immer verrückt nach Musik", sagte Mike.

Er fing an, in einer albernen Parodie von irischem Volkstanz auf die Schule zuzuhüpfen und zu springen. Aidan trottete nebenher und sang dabei eine misstönende Version von The Irish Washerwoman. Jimmy warf einen Blick zurück auf JJ und folgte ihnen dann mit gesenktem Kopf hinein.

JJ stand allein auf dem Hof. Es konnte nicht wahr sein. Aber bei näherem Nachdenken wurde ihm klar, dass da immer etwas gewesen war in der Art und Weise, wie manche der Einheimischen ihm und seiner Familie begegneten. Viele aus der Gemeinde kamen zu den Ceilis und den Set-Dance-Volkstanzstunden, die samstags bei ihnen zu Hause abgehalten wurden. Sie waren schon immer gekommen und vor ihnen ihre Eltern und Großeltern. In den letzten Jahren war die Zahl der Teilnehmer rasant gestiegen, durch den Zuzug von neuen Leuten in der Gegend. Einige fuhren über dreißig Meilen weit. Aber es gab auch eine große Zahl von Einheimischen, die nichts mit den Liddys und ihrer Musik zu tun haben wollten. Und solche Leute hatte es immer gegeben. Sie wechselten nicht gerade die Straßenseite, um JJ und seiner Familie aus dem Weg zu gehen, aber sie redeten auch nicht mit ihnen. Wenn JJ überhaupt darüber nachgedacht hatte, dann war er immer davon ausgegangen, es läge daran, dass seine Eltern eines der wenigen Paare in der Gegend waren, die nicht verheiratet waren, aber was, wenn das nicht der wahre Grund war? Wenn es nun wirklich so geschehen war? Konnte JJ Nachfahre eines Mörders sein?

"Liddy!"

Der Lehrer stand an der Tür und wartete auf ihn.

JJ zögerte. Einen Augenblick lang schien es ihm, als könnte er nie wieder einen Fuß in diese Schule setzen. Dann fiel ihm die Lösung ein.

Der Lehrer schloss die Tür hinter ihm. "Kannst du mir sagen, was das soll, dass du da draußen wie angewachsen herumstehst?"

"'tschuldigung", sagte JJ. "Ich wusste nicht, dass Sie mit mir gesprochen haben."

"Mit wem sollte ich wohl sonst sprechen, Liddy?"

"Ich heiße Byrne", sagte JJ. "Meine Mutter heißt Liddy, das stimmt, aber mein Vater heißt Byrne. Ich bin JJ Byrne."

DER neue Polizist stand auf dem Gehweg vor Greens Pub. Auf der anderen Seite der verriegelten Tür war eine Gruppe von Musikanten in vollem Gange und der kräftige Zusammenklang ihrer Instrumente übertönte das bienenstockartige Summen der vielen Unterhaltungen. Auf der anderen Straßenseite klatschte die steigende Flut gegen die Mauern des winzigen Hafens. Unter unsichtbaren Wolken lag das Wasser bleigrau da, mit schlammig bronzefarbenem Glitzern, wo sich die Straßenlaternen in ihm spiegelten. Die Oberfläche war unruhig. Wind kam auf. Bald würde es regnen.

Drinnen im Pub gab es einen kurzfristigen Schluckauf in der Musik, als ein Stück endete und das nächste begann. Ein paar Takte lang spielte nur eine einsame Flöte die neue Melodie, bis die anderen Musiker sie erkannten und einstimmten und das alte Gasthaus bis an die Dachbalken mit Klang erfüllten. Draußen auf der Straße erkannte Garda O'Dwyer die Melodie. In den schwarzen Uniformschuhen zuckten seine eingezwängten Zehen im Takt. Am Straßenrand hinter ihm beugte sich sein Partner, Garda Treacy, über den leeren Beifahrersitz des Streifenwagens und klopfte ans Fenster.

Larry O'Dwyer seufzte und trat einen Schritt auf die schmale zweiflügelige Tür zu. Er war aus gutem Grund Polizist geworden, aber manchmal fiel es ihm schwer, sich zu erinnern, was es gewesen war.

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