Zeit und Fest - Rüpke, Jörg

Jörg Rüpke 

Zeit und Fest

Eine Kulturgeschichte des Kalenders

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Zeit und Fest

Was ein Kalender ist, weiß wohl jeder, aber wie umfassend und nachhaltig er unseren Alltag, unsere Zeitrhythmen, unser Denken und Fühlen prägt, ist kaum jemandem bewußt. Jörg Rüpke zeichnet die Geschichte des Kalenders von der Antike bis zur Gegenwart nach und präsentiert in unterhaltsamer Form ebenso überraschende wie faszinierende Erkenntnisse über diesen wirkungsmächtigen kulturellen Zeitgeber.

Im Anfang war der Kalender - und zwar in Gestalt des Mondkalenders. Er bot unseren Vorfahren die Möglichkeit, ihr durch den Ackerbau bestimmtes Jahr angemessen zu organisieren. Je weiter sich die Menschheitskultur entwickelte, um so mehr wuchs das Unbehagen an diesem Zeitgeber. Das Mondjahr mußte dem Sonnenjahr weichen, doch selbst dieses mußte noch nachjustiert werden. Feste wollten exakt im Jahreskreis fixiert, Gerichtstermine bestimmt, Zinstermine festgelegt sein. Nicht zuletzt die Religion verlangte nach zuverlässig bestimmbaren Daten, um den kultischen Verpflichtungen nachzukommen und die Götter nicht zu verstimmen. Herrschaft über die Zeit bedeutete zudem stets auch Herrschaft über die Menschen, ja sogar über ihr Bewußtsein - und das wurde den Mächtigen bald bewußt. So macht dieser Band auch deutlich, weshalb es wichtig war, dieses Instrument unter Kontrolle zu bekommen.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 256 S. m. 19 Abb.
  • Seitenzahl: 256
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 148mm x 24mm
  • Gewicht: 460g
  • ISBN-13: 9783406542183
  • ISBN-10: 3406542182
  • Best.Nr.: 20746948
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.11.2006

Wie man die Zeit totschlagen kann

Die Organisation der Zeit scheint ein Kinderspiel zu sein. Für Jörg Rüpke hat sich der Kalender von der Antike bis in die Gegenwart so gut wie nicht verändert. Was gerne in der Aneinanderreihung von Reformen und Revolutionen daherkomme, erklärt er frei heraus, sei eher Langeweile denn Geschichte. Er legt eine "Eine Kulturgeschichte des Kalenders" vor und teilt dem Leser mit, daß es sich dennoch um "keine Geschichte", "keine Geschichte der kleinen Unterschiede", "keine Kultur-Geschichte" handle (Jörg Rüpke: "Zeit und Fest". Eine Kulturgeschichte des Kalenders. C. H. Beck Verlag, München 2006. 256 S., 19 Abb., geb., 22,99 [Euro]).

Das Werk beginnt mit einer Reihe von Fragen und Verneinungen, die Originalität erheischen. Doch schon der erste Satz ist ein Kalauer: "Läßt der Kalender Zeit, ein Buch über den Kalender zu lesen?" Der Autor schlüpft anfangs in die Rolle des dekonstruktivistischen Zynikers und schlägt zunächst einen leichten Ton an: "Kalender klingt schon fast drohend: Termine, deadlines, knappe Zeit, verplante Freizeit, Hetze. Der Kalender als Ordner der Zeit? Lachhaft! Zeit ist doch die Abwesenheit …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit diesem Buch über die Geschichte des Kalenders geht Erwin Seitz hart ins Gericht. Schon gleich zu Anfang geht ihm der offenbar bemüht originelle Ton von Jörg Rüpke auf die Nerven. Eine Fülle von Themen und wissenschaftlichen Diskursen werde in diesem Buch aufgegriffen, aber kaum je ausgeführt, meckert der Rezensent weiter, der bei den vielen Einzelpunkten übergreifende Themenschwerpunkte vermisst. Auch sprachlich genügt das Werk nicht den Ansprüchen Seitz', er beklagt Schachtelsätze, ungelenke Genitivkonstruktionen und Wortdrechseleien. Verschiebungen in den Kalendern von der Antike bis zur Gegenwart im Verhältnis zu Alltags- und Festtagen, religiösen oder politischen Gedenktagen werden bei Rüpke zwar benannt, deren Bedeutung aber nirgends reflektiert, so der enttäuschte Rezensent, der diesem Buch sogar zutraut, den guten Ruf des Beck-Verlags zu schädigen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jörg Rüpke, geb. 1962, lehrte von 1995 bis 1999 als Professor für Klassische Philologie an der Universität Potsdam. Seit 1999 ist er als Professor für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Erfurt tätig. Er hat zahlreiche Publikationen zur Religion der Römer vorgelegt.

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