Zähl nicht die Stunden - Fielding, Joy

Joy Fielding 

Zähl nicht die Stunden

Roman

Dtsch. v. Mechthild Sandberg-Ciletti u. Kristian Lutze
Broschiertes Buch
 
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Zähl nicht die Stunden

Mattie Hart hat vieles, wovon andere träumen: Erfolg im Beruf, einen attraktiven Mann und eine Tochter, die sie über alles liebt. Eines Tages muss sie sich jedoch eingestehen, dass ihr Leben eine Lüge ist - denn ihr Mann Jake betrügt sie seit vielen Jahren. Mattie ist entschlossen einen Neubeginn zu wagen, als das Schicksal auf grausame Weise zuschlägt. So beginnt für die junge Frau ein Wettlauf gegen die Zeit ...


Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2003
  • 15. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 447 S.
  • Seitenzahl: 448
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45405
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 118mm x 35mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783442454051
  • ISBN-10: 3442454050
  • Best.Nr.: 10801657
"Mit diesem wunderbaren Buch erweist sich Joy Fielding einmal mehr als hervorragende Kennerin der Abgründe, die in menschlichen Beziehungen lauern!" (Publishers Weekly)

"Mit diesem wunderbaren Buch erweist sich Joy Fielding einmal mehr als hervorragende Kennerin der Abgründe, die in menschlichen Beziehungen lauern." (Publishers Weekly)<br/><br/>"Ein hinreißender, ein ermutigender Roman über eine Frau, die im größten Unglück zu sich selbst findet." (Kirkus Reviews)<br/><br/>"Wahrlich meisterhaft spielt Joy Fielding mit unseren geheimsten Erwartungen und tiefsten Ängsten!" (The Washington Post)<br/><br/>

"Ein hinreißender, ein ermutigender Roman über eine Frau, die im größten Unglück zu sich selbst findet."

"Ein hinreißender, ein ermutigender Roman über eine Frau, die im größten Unglück zu sich selbst findet."
Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller "Lauf, Jane, lauf" waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

Leseprobe zu "Zähl nicht die Stunden" von Joy Fielding

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Leseprobe zu "Zähl nicht die Stunden" von Joy Fielding

Sie dachte darüber nach, wie sie ihren Mann umbringen könnte.

Martha Hart, von allen Mattie genannt, nur nicht von ihrer Mutter, die regelmäßig erklärte, Martha sei doch ein wunderschöner Name - "Oder hast du je davon gehört, dass Martha Stewart ihren Namen geändert hat?" -, zog in dem langen beheizten Pool, der den größten Teil des ansehnlichen Gartens einnahm, ihre Bahnen. Außer bei Gewitter oder bei für Chicago nicht untypischem vorzeitigen Schnee pflegte sie von Anfang Mai bis Mitte Oktober jeden Morgen fünfzig Minuten zu schwimmen, genau einhundert Bahnen, abwechselnd Frei- oder Kraulstil. Gewöhnlich war sie spätestens um sieben im Wasser, um fertig zu sein, bevor Jake und Kim aus dem Haus gingen, aber heute hatte sie verschlafen, genauer gesagt, sie war nach einer Nacht, in der sie kein Auge zugetan hatte, erst kurz vor dem Läuten des Weckers eingenickt. Jake, wie üblich von solchen Schwierigkeiten unbehelligt, war aus dem Bett und in der Dusche, bevor sie richtig wach geworden war. "Geht's dir gut?", hatte er etwas später, tadellos gekleidet und gut aussehend wie immer, gefragt und das Haus so schnell verlassen, dass sie gar nicht dazu gekommen war, ihm zu antworten.

Ich könnte ihn mit einem Fleischermesser erstechen, dachte sie jetzt und schob die geballten Fäuste durch das Wasser, als stieße sie mit jeder Armbewegung die mindestens dreißig Zentimeter lange Klinge ihrem Mann mitten ins Herz. Als sie am Ende des Beckens wendete, um die nächste Bahn in Angriff zu nehmen, fiel ihr ein, dass es vielleicht einfacher wäre, Jake mit einem wohlberechneten Schubs die Treppe hinunter ins Jenseits zu befördern. Oder sie könnte ihn vergiften, indem sie ihm statt geriebenem Parmesan eine Hand voll Arsen auf die Spaghetti streute, die er sehr gern aß und die sie ihm erst gestern Abend gemacht hatte, bevor er noch einmal weggefahren war, angeblich in die Kanzlei, um dem alles entscheidenden Schlussplädoyer für den heutigen Prozesstag den letzten Schliff zu geben. Bevor sie in seiner Jacke - der Jacke, die sie für ihn hatte zur Reinigung bringen wollen - die Hotelrechnung gefunden hatte, die eindeutig bewies, dass er wieder einmal fremd ging.

Sie könnte ihn natürlich auch erschießen, sagte sie sich und drückte das Wasser, das zwischen ihren Fingern hindurchglitt, als drückte sie auf den Abzug einer Pistole. In ihrer Phantasie sah sie die Kugel über das Wasser fliegen, direkt in den Gerichtssaal, wo ihr nichts ahnender Ehemann sich soeben erhob, um das Wort an die Geschworenen zu richten. Sie sah zu, wie er sein dunkelblaues Jackett knöpfte, kurz bevor die Kugel es zerfetzte und dunkelrotes Blut langsam auf die akkuraten Diagonalstreifen der blau-goldenen Krawatte quoll, während das jungenhafte kleine Lächeln, das so sehr von seinen Augen wie von seinem Mund ausging, zuerst erstarrte und dann verblasste und schließlich ganz erlosch, als er in dem ehrwürdigen alten Gerichtssaal zu Boden stürzte.

Meine Damen und Herren Geschworenen, sind Sie zu einem Urteil gelangt?

"Tod den Verrätern!", rief Mattie laut und trat im Wasser um sich, als hätte sie sich in einer Decke verheddert, aus der sie sich befreien musste. Ihre Füße fühlten sich plötzlich so bleiern an, schwer wie Zementblöcke. Einen Moment lang erschienen sie ihr wie Fremdkörper, als gehörten sie einer anderen Person und seien völlig willkürlich an ihrem Rumpf befestigt, wo sie nun keinem anderen Zweck dienten, als sie in die Tiefe zu ziehen. Sie versuchte zu stehen, aber ihre Fußsohlen fanden den Grund des Beckens nicht, obwohl das Wasser nur einen Meter fünfzig tief war und sie beinahe zwanzig Zentimeter größer.

"Verdammt noch mal!", schimpfte Mattie, verhaspelte sich beim Atmen und schluckte eine Ladung Chlorwasser. Sie schnappte heftig nach Luft und rettete sich an die Seitenwand des Pools. Über den Beckenrand gekrümmt, hielt sie sich an den glatten braunen Steinen fest. Immer noch umschlossen unsichtbare Hände ihre Füße und suchten, sie unter Wasser zu ziehen. "Geschieht mir ganz recht!", stieß sie zwischen schmerzhaften Hustenattacken hervor. "Geschieht mir ganz recht! Was muss ich so finstere Pläne wälzen!"

Sie war noch dabei, sich ein paar Tropfen Speichel vom Mund zu wischen, als sie aus dem Nichts von einem hysterischen Lachkrampf geschüttelt wurde. Das Gelächter mischte sich mit dem Husten, eines schaukelte sich am anderen hoch, und die hässlichen Geräusche schallten laut über das Wasser und brachen sich an den Wänden des Pools. Warum lache ich?, fragte sie sich, unfähig aufzuhören.

"Hey, was ist los?" Die Stimme befand sich irgendwo oberhalb von ihr. "Mama? Mama, ist alles in Ordnung?"

Mattie hob die Hand zur Stirn, um ihre Augen gegen die gleißenden Sonnenstrahlen abzuschirmen, die sie wie ein Scheinwerfer umfingen, und blickte hinauf zu der großen schattigen Terrasse aus Zedernholz hinter der Küche des roten Backsteinhauses, in dem sie und ihre Familie lebten. Ihre Tochter Kim stand scharf umrissen vor dem Herbsthimmel, die sonst so klaren Züge ihres Gesichts seltsam verwischt vom grellen Sonnenlicht. Aber das machte nichts. Mattie kannte jede Linie und Kontur ihres Gesichts und ihres Körpers: die großen blauen Augen, die dunkler waren als die ihres Vaters und größer als die ihrer Mutter; die lange, gerade Nase, die sie vom Vater, den Mund mit dem hübsch geschwungenen Amorbogen, den sie von der Mutter mitbekommen hatte; die knospenden Brüste, die schon jetzt, obwohl Kim erst fünfzehn war, eine Üppigkeit erahnen ließen, die von der Großmutter an ihre Enkelin weitergegeben worden war; Kim war groß wie ihre beiden Eltern und dünn wie ihre Mutter in diesem Alter. Aber sie hatte eine weit bessere Haltung, als Mattie sie mit fünfzehn gehabt hatte, ja, als sie sie heute hatte. Kim brauchte man nicht zu ermahnen, die Schultern zu straffen oder den Kopf hoch zu halten; sie besaß, das sah man auch jetzt, wie sie da biegsam wie ein junger Baum an dem stabilen Holzgeländer lehnte, ein natürliches Selbstbewusstsein, das Mattie erstaunlich fand. Manchmal fragte sie sich, ob sie an seiner Entwicklung überhaupt mitgewirkt hatte.

"Ist alles in Ordnung?", fragte Kim ein zweites Mal und reckte ihren langen, schlanken Hals, um zum Pool hinuntersehen zu können. Ihr schulterlanges blondes Haar war streng zurückgenommen und oben am Scheitel zu einem festen kleinen Knoten gedreht. Meine kleine Schulmamsell, zog Mattie sie manchmal liebevoll auf.

"Ist jemand bei dir?", rief Kim.

"Alles in Ordnung", antwortete Mattie, musste aber immer noch so stark husten, dass ihre Worte nicht zu verstehen waren. Deshalb wiederholte sie "Alles in Ordnung" und begann dann von neuem schallend zu lachen.

"Was ist denn so komisch?" Kim kicherte, zaghaft und scheu in ihrem Bemühen, an dem Schmerz teilzuhaben, der ihre Mutter so amüsierte.

"Mir ist der Fuß eingeschlafen", sagte Mattie, während sie langsam beide Füße zum Grund des Beckens hinunterließ und erleichtert wahrnahm, dass sie stand.

"Beim Schwimmen?"

"Ja. Ist das nicht ulkig?"

Kim zuckte kurz mit den Schultern, als wollte sie sagen, so ulkig auch wieder nicht, und beugte sich aus dem Schatten ein Stück weiter vor. "Ist wirklich alles okay?"

"Aber ja. Ich habe nur ein bisschen Wasser geschluckt." Mattie hustete, wie um ihren Worten Glaubwürdigkeit zu verleihen. Als sie sah, dass Kim ihre Lederjacke anhatte, wurde ihr zum ersten Mal an diesem Morgen die herbstliche Kühle des Tages bewusst. Es war immerhin schon Ende September.

"Ich geh jetzt", sagte Kim, aber sie rührte sich nicht von der Stelle. "Was hast du heute vor?"

"Ich habe am Nachmittag einen Termin mit einem Klienten, der sich ein paar Fotografien ansehen will."

"Und heute Morgen?"

"Heute Morgen?"

"Dad hält sein Schlussplädoyer", sagte Kim.

Mattie nickte, ungewiss, wohin dieses Gespräch führen würde. Während sie auf die nächsten Worte ihrer Tochter wartete, sah sie zu dem alten Ahornbaum hinauf, der hoch und ausladend im Nachbargarten stand. Im grünen Laub begann das tiefe Rot des Herbstes sich auszubreiten. Es sah aus, als bluteten die Blätter langsam aus.

"Er würde sich bestimmt freuen, wenn du ins Gericht kämst, um ihn anzufeuern. Du weißt schon, wie du das bei mir immer tust, wenn ich in der Schule Theater spiele. Zur moralischen Unterstützung und so."

Und so, dachte Mattie, sagte aber nichts, hüstelte nur ein wenig.

"Na ja, egal, ich geh jetzt jedenfalls."

"Okay, Schatz. Ich wünsch dir einen schönen Tag."

"Ich dir auch. Gib Dad einen Kuss von mir. Als Glücksbringer."

"Ich wünsch dir einen schönen Tag", wiederholte Mattie und blickte Kim nach, bis diese im Haus verschwunden war. Wieder allein, schloss sie die Augen und ließ sich unter den glatten Wasserspiegel sinken. Augenblicklich schlug ihr das Wasser über Mund und Ohren zusammen und blendete die Geräusche des Morgens aus. Kein Hundegebell aus benachbarten Gärten mehr, kein Vogelgezwitscher aus den Bäumen, kein ungeduldiges Hupen von der Straße. Alles war still und friedlich. Keine untreuen Ehemänner, keine Teenager, die alles ganz genau wissen wollten.

Wie macht sie das nur, fragte sich Mattie. Ihre Tochter schien ungeheuer feine Antennen zu haben. Mattie hatte ihr kein Wort davon gesagt, dass sie Jake wieder einmal bei einem Seitensprung ertappt hatte. Sie hatte auch mit sonst keinem Menschen darüber gesprochen, weder mit ihren Freundinnen noch mit ihrer Mutter oder Jake. Beinahe hätte sie gelacht. Wann hatte sie sich zum letzten Mal ihrer Mutter anvertraut? Und was Jake anging, so war sie einfach noch nicht bereit, ihm in einer Auseinandersetzung gegenüberzutreten. Sie brauchte Zeit, um alles gründlich zu überlegen, ihre Gedanken zu sammeln wie ein Eichhörnchen die Nüsse für den Winter, um für die Entscheidung, die sie schließlich fällen, den Weg, den sie wählen würde, gewappnet zu sein.

Sie öffnete unter Wasser die Augen und schob sich das kinnlange dunkelblonde Haar aus dem Gesicht. Ganz recht, mein Kind, sagte sie sich, es ist Zeit, die Augen zu öffnen. The time for hesitating's through, meinte sie Jim Morrison singen zu hören. Come on, baby, light my fire. Wollte sie wirklich darauf warten, bis jemand ihr Feuer unterm Hintern machte? Wie viele Hotelrechnungen musste sie noch finden, ehe sie endlich etwas unternahm? Es war Zeit zu handeln. Es war Zeit, gewisse unbestreitbare Fakten ihrer Ehe einzugestehen. Meine Damen und Herren Geschworenen, ich möchte diese Hotelrechnung als Beweis vorlegen.

"Ach, zum Teufel mit dir, Jason Hart", prustete sie nach Luft schnappend, als sie mit dem Kopf die Wasseroberfläche durchstieß. Der Vorname ihres Mannes lag ihr fremd auf der Zunge, denn sie hatte ihn, seit sie einander vor sechzehn Jahren vorgestellt worden waren, immer nur Jake genannt.

Light my fire. Light my fire. Light my fire.

"Mattie, ich möchte dich mit Jake Hart bekannt machen", hatte ihre Freundin Lisa gesagt. "Du weißt schon, er ist ein Freund von Todd, von dem ich dir erzählt habe."

"Jake", wiederholte Mattie, der der Klang gefiel. "Ist das eine Kurzform von Jackson?"

"Von Jason. Aber so nennt mich kein Mensch."

"Nett, dich kennen zu lernen, Jake." In der Erwartung, dass gleich einer der ernsthaft Beschäftigten hier aufspringen und sie mit einem "Pscht" zum Schweigen bringen würde, sah sie sich im Hauptsaal der Bibliothek der Loyola Universität um.

"Und was ist mit Mattie? Heißt du in Wirklichkeit Matilda?"

"Martha", gestand sie verlegen. Wie hatte ihre Mutter ihr nur einen so altmodischen und biederen Namen anhängen können? Er hätte weit besser zu einem ihrer geliebten Hunde gepasst als zu ihrer einzigen Tochter. "Aber nenn mich bitte Mattie."

"Gern. Ich darf dich doch mal anrufen?"

Mattie nickte, den Blick auf den Mund des jungen Mannes gerichtet, dessen volle Oberlippe über der schmäleren Unterlippe leicht vorsprang. Es war ein sehr sinnlicher Mund, fand sie und stellte sich vor, wie es wäre, diesen Mund zu küssen, diese Lippen auf den ihren zu fühlen.

"Oh, entschuldige", stotterte sie. "Was hast du eben gesagt?"

"Ich sagte, dass ich gehört habe, dass du im Hauptfach Kunstgeschichte studierst."

Wieder nickte sie und zwang sich, ihm dabei in die blauen Augen zu blicken, die etwa die gleiche Farbe hatten wie ihre eigenen. Aber seine Wimpern waren länger als ihre, und das fand sie unfair. Oder war es etwa gerecht, dass ein einziger Mann so lange Wimpern und einen so sinnlichen Mund mitbekommen hatte?

"Und was tun Kunsthistoriker genau?"

"Frag mich was Leichteres", hörte Mattie sich antworten, ihre Stimme eine Spur zu laut, sodass diesmal tatsächlich jemand "Pscht!" zischte.

"Hast du Lust auf eine Tasse Kaffee?" Er nahm sie beim Arm und führte sie aus der Bibliothek, ohne auf ihre Antwort zu warten, als gäbe es überhaupt keinen Zweifel daran, wie ihre Antwort ausfallen würde. Und sie bestätigte ihn in seiner Selbstgewissheit, auch später, als er sie ins Kino einlud und dann in seine Wohnung, die er mit mehreren Kommilitonen von der juristischen Fakultät teilte, und schließlich in sein Bett. Danach war es zu spät. Keine zwei Monate nach diesem ersten Abend, zwei Monate, nachdem sie sich mit Wonne von diesem gut aussehenden Mann mit den langen Wimpern und dem sinnlichen Mund hatte verführen lassen, stellte sie fest, dass sie schwanger war - ausgerechnet an dem Tag, an dem er erklärte, ihm gehe das alles zu schnell, sie müssten ein wenig bremsen, eine Pause einlegen, sich wenigstens vorübergehend trennen. "Ich bin schwanger", sagte sie wie betäubt, unfähig, dem noch irgendetwas hinzuzufügen.

Sie redeten über Abtreibung, sie redeten über Adoption; am Ende hörten sie auf zu reden und heirateten. Oder genauer, sie heirateten und hörten auf zu reden, sagte sich Mattie jetzt, als sie aus dem Wasser stieg und leicht fröstelnd in der frischen Herbstluft nach dem großen magentafarbenen Badetuch griff, das ordentlich gefaltet auf dem mit weißem Leinen bezogenen Liegestuhl lag. Mit einem Zipfel des Badetuchs frottierte sie ihre Haarspitzen, den Rest wickelte sie fest wie eine Zwangsjacke um ihren Körper. Jake hatte nie heiraten wollen, das wusste sie jetzt - wie sie es damals schon gewusst hatte, obwohl sie beide, zumindest zu Beginn, so getan hatten, als wäre diese Heirat unvermeidlich gewesen; als wäre ihm nach einer kurzen Trennung unweigerlich klar geworden, wie sehr er sie liebte, sodass er zwangsläufig zu ihr zurückgekehrt wäre.

Aber er liebte sie gar nicht. Er hatte sie damals nicht geliebt. Und er liebte sie jetzt nicht.

Und Mattie selbst war sich, wenn sie ehrlich war, nie sicher gewesen, ob sie ihn wirklich liebte.

Sie hatte sich zu ihm hingezogen gefühlt, keine Frage. Sie war wie gebannt gewesen von seinem blendenden Aussehen und seinem mühelosen Charme. Aber sie wusste nicht, ob sie ihn je wirklich geliebt hatte. Sie hatte nicht die Zeit gehabt, es herauszufinden. Alles war viel zu schnell gegangen. Und plötzlich war keine Zeit mehr geblieben.

Mattie knotete das Badetuch über ihrer Brust und lief die kurze Holztreppe zur Terrasse hinauf. Sie zog die Schiebetür zur Küche auf und trat ein. Wasser tropfte von ihrem Körper auf den dunkelblauen Fliesenboden. Normalerweise bekam sie sofort gute Laune, wenn sie diesen Raum betrat. Er war ganz in Blau- und sonnigen Gelbtönen gehalten, mit viel rostfreiem Stahl und einem runden Tisch mit einer Steinplatte, um den vier Stühle aus Schmiedeeisen und Rattan gruppiert waren. Von genau so einer Küche hatte Mattie geträumt, seit sie in einer Einrichtungszeitschrift eine Bilderserie über provenzalische Küchen gesehen hatte. Sie hatte die Renovierung ihrer Küche im letzten Jahr, auf den Tag vier Jahre nach ihrem Umzug in das Sechs-Zimmer-Haus am Walnut Drive, persönlich überwacht. Jake war gegen die Renovierung gewesen, genau wie er gegen den Umzug an den Stadtrand gewesen war, auch wenn man von Evanston bis zum Zentrum von Chicago mit dem Auto nur eine Viertelstunde brauchte. Er hatte in der Wohnung am Lake Shore Drive bleiben wollen, obwohl er Mattie in allen Punkten, dass es draußen am Stadtrand weniger Verbrechen gebe, bessere Schulen und mehr freie Natur, Recht geben musste. Er behauptete, er sei aus Gründen der Bequemlichkeit gegen den Umzug, aber Mattie wusste, dass Angst vor Verbindlichkeit dahinter steckte. Ein Haus am Stadtrand, das war zu viel der Etabliertheit für einen Mann, der immer einen Fuß aus der Tür hatte. "Aber für Kim ist es besser", hatte Mattie vorgebracht, und da hatte Jake endlich nachgegeben. Für Kim tat er alles. Nur ihretwegen hatte er ja Mattie überhaupt geheiratet.

Leseprobe zu "Zähl nicht die Stunden" von Joy Fielding

"12 (S. 119-120)

»Du sagst mir nie, dass ich schön aussehe.« Jake stöhnte, warf sich auf den Rücken, dann auf die linke Seite und zog sich die kratzige rosarote Wolldecke über die Ohren, um die Stimme seiner Mutter nicht hören zu müssen. »Wieso sagst du mir nie, dass ich schön aussehe?« »Ich sag es dir dauernd. Aber du hörst nicht zu«, versetzte Jakes Vater unwirsch, desinteressiert. Jake hörte das ferne Rascheln der Zeitung in den Händen seines Vaters. Er stöhnte lauter, wünschte vergeblich, er würde nicht hören müssen, was, wie er wusste, gleich kommen würde. Er hatte es schon so oft gehört, er wollte es nicht schon wieder hören.

»Warum gehen wir nicht ein bisschen aus? Komm, gehen wir tanzen«, drängte seine Mutter und tanzte in den Vordergrund von Jakes Traum, verdrängte mit ihrem blonden Haar und ihren dunklen Augen alle anderen Bilder. In ihrem weiten Blumenrock schwenkte sie verführerisch die Hüften vor ihrem Mann, der verbissen seine Zeitung las und keine Notiz von ihr nahm. »Hast du gehört? Ich hab gesagt, gehen wir tanzen.« »Du hast getrunken.« »Nein, hab ich nicht.«

»Ich riech den Alkohol doch bis hierher.« Der schmollende rote Mund seiner Mutter füllte den riesigen Bildschirm, der Jakes Unterbewusstsein war. »Na schön, dann gehen wir eben nicht tanzen. Hast du wenigstens Lust, ins Kino zu gehen? Wir waren seit Monaten nicht mehr.« »Ich will nicht ins Kino. Ruf eine von deinen Freundinnen an, wenn du ins Kino gehen willst.« »Ich hab keine Freundinnen«, gab Eva Hart schnippisch zurück. »Die Freundinnen hast du.« Jake warf sich wieder auf den Rücken. Zeit zum Aufwachen, flüsterte es in seinem Kopf. Wimmerte es. Du willst das doch nicht hören. »Sprich nicht so laut«, sagte sein Vater.

»Du weckst die Jungs.« »Ich wette, deinen Freundinnen verbietest du nicht den Mund. Denen sagst du bestimmt nicht, sie sollen leise sein, wenn sie ihre Lustschreie loslassen -« »Herrgott noch mal, Eva -« »Herrgott noch mal, Warren!«, äffte sie ihn spöttisch nach, und Jake sah, wie ihr Gesicht sich vor Wut verzerrte."

Kundenbewertungen zu "Zähl nicht die Stunden" von "Joy Fielding"

15 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 15 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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hilfreichste - beste - neueste

Bewertung von Barbara aus Bayreuth am 26.10.2010 ***** ausgezeichnet
Ein wunderbares Buch!
Eine fesselnde und rührende Geschichte über große menschliche Gefühle!
Wirkich erstklassige Unterhaltung!
Uneingeschränkt empfehlenswert und Taschentücher bereithalten!
Ich habe sie gebraucht :-)

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 22.08.2010 ***** sehr gut
Sehr schönes Buch! Kann man nur schwer wieder aus der Hand legen. Sehr empfehlenswert!!!

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Bewertung von Edda aus Mitteldeutschland am 16.08.2010 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch kann man in keine Schublade stecken, es ist kein typischer Joy-Fielding-Roman, kein Thriller aber auch keine Love-Story. Das Buch handelt von einer Geschichte, die mitten aus dem Leben gegriffen ist, welche eigentlich jeden treffen kann und die zum Nachdenken anregt. Zeit - welch ein kostbares Gut das ist - darüber wird der Leser am Ende nachdenken. Ein gelungener Roman, sehr spannend und herzergreifend, den ich bestens empfehlen kann.

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Bewertung von Zissi aus Braunschweig am 30.05.2010 ***** ausgezeichnet
Eine Geschichte - so klar, so wahr. Eine messerscharfe Realität, die einen ganz schnell dorthin zurückholt, von wo man vergebens versuchte zu entfliehen.

Diese Story berührt Herz und Seele, verschiedene Erzählerperspektiven machen dieses Buch zu einem unbeschreiblichen Erlebnis.

Ich bin sehr kritisch bei der Auswahl meiner Lektüre, aber Joy Fielding hat mich umgehauen!

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Bewertung von Cora am 28.01.2010 ***** ausgezeichnet
Ende gut ? - nein , nicht! aber doch - irgendwie .....

Die Geschichte ist atemberaubend ! von Anfang an bis zum Ende, wobei das Ende, stockt den Atem.
Eine wunderschöne Geschichte, die jedem passieren kann, mit einem Wendepunkt der es bestättigt , dass jede Stunde zählt, und wenn das Leben aussichtslos ist, kann es plötzlich, auch wenn nur für wenige Momente einfach nur wunderschön sein.

Sie hat alles, wunderbaren Mann, tolle Tochter, super Job , Haus ... kann doch nicht alles so vollkommen sein - Nein ist es auch nicht ! Der Mann betrügt Sie !
doch in einem Moment wo er geht, kommt er zurück !
In einem tragischen Lebenabschnitt, kann man sich vom Leben verabschieden.
Viele Jahre waren um sonst, doch die paar wunderschönen Momente machen wieder alles gut!
Das Leben zu verabschieden mit Lächeln im Gesicht, den richtigen Zeitpunk selbst zu bestimmen!!!!!
Schon dafür lohnt es sich zu leben !!!!! Das Ende kann so schnell kommen.

ich kann es nur empfehlen, es ist eine wunderschöne Geschichte, wo man plötzlich so viele Dinge versteht ! Es hilft jemanden, sich selbst zu finden !!!!!!!!!

PS
Taschentücher bereit halten!

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Bewertung von Kathy aus z.Zt. in Malaysia am 03.08.2009 ***** ausgezeichnet
Ende Gut - "Alles Gut"........??????

Wieder wählte ich ein Buch von Joy Fielding, die meisten ihrer Bücher haben mich auch sehr gut unterhalten.
Diese Geschichte ist wie aus dem täglichen Leben, sie könnte überall passieren, deshalb berührte sie mich auch so.
Mattie, die Hauptperson in diesem Buch sieht wie ihr Leben, welches bisher so glücklich verlief, plötzlich als Scherbenhaufen vor ihr liegt.
Entschlossen gegen diesen Schmerz, Kummer und die Angst anzukämpfen, versucht sie alles was in ihrer Macht steht.....

Bewegend und ergreifend wird hier eine Familiengeschichte beschrieben, die fesselnd und zugleich auch sehr emotionell "unter die Haut" geht.

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Bewertung von Paty aus Heilbronn am 30.07.2009 ***** ausgezeichnet
Also, wem das nicht gefällt, dann weiß ich auch nicht mehr!
Super Geschichte, toll beschrieben und einfach nur genial. Aber unsere Joy hat (fast) nur tolle Bücher!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sehr zu empfehlen. Ich habe nur Bücher von Joy Fielding. Würde auch mal gerne ein anderes Buch lesen (zur Abwechslung), aber irgendwie hätte ich dann ein schlechtes Gewissen ;-)

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Bewertung von Kathi aus München am 02.11.2008 ***** ausgezeichnet
das buch ist echt spitze, mitfühlend und am ende hin traurig - tolle autorin. zum weiterempfehlen....Übrigens wie alle bücher von joy fielding.......

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Bewertung von Krissy aus Altdorf b. Nbg am 31.01.2008 ***** ausgezeichnet
Was soll man zu einem solchen Buch sagen?
Lässt sich einfach lesen, man kann sich in jede Rolle hineinversetzen
und mit jedem ein wenig mitfühlen...
Der Schluss ist echt sehr gut gelungen, auch ich war zu Tränen gerührt *g*
Guten Gewissens weiterzuempfehlen!!!

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Bewertung von *Kathrin* am 12.02.2007 ***** ausgezeichnet
Diese Buch ist einer der besten Bücher Fieldings,ich habe schon einige gelesen und dieses hat mich am meisetn berührt.Ich hab dieses Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen,weil es richtig fesselnd war. Zum Schluss war ich auch zu Tränen gerührt.

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