Leseprobe zu "Yachtfieber" von Gaby Hauptmann
Gaby Hauptmann
Yachtfieber
Das Rennboot schob sich langsam, fast lautlos, an die Längsseite des bauchigen großen Segelschiffs. Marc Richard sah es erst, als die Festmacherleinen herüberflogen.
"Oh, nein", sagte er und verzog das Gesicht. "Sag ihm, daß ich nicht da bin!"
"Kann ich nicht", entgegnete seine Frau, "ich bin auch nicht da!"
Sie drückten sich beide in die blauen Leinenkissen ihrer Stühle, halb verdeckt durch die mächtigen Holzvorbauten am Heck des Schiffes.
"Wieso weiß er, wo wir stecken?" wollte Marc halblaut wissen.
"Ich hab's ihm sicherlich nicht gesagt!"
"Und was machen wir jetzt?"
Pia linste vorsichtig um die Ecke.
"Er kommt tatsächlich an Bord!"
Marc seufzte.
"Und nicht nur er!"
Marc runzelte die Stirn. "Was soll das heißen?"
In dem Moment setzte laute Discomusik ein, dröhnte mit harten Bässen vom Rennboot herüber und deckte alles zu.
Marc sprang auf. Er war ein drahtiger Mann Ende Fünfzig, kurzgeschnittenes weißes Haar, braungebrannt. "Habt ihr noch alle?" Mit wenigen Sätzen war er an der Reling.
"Na, da bist du ja!" Breit grinsend stand Franco vor ihm, ein italienischer Playboy deutscher Abstammung.
Marc holte tief Luft. "Schalt bloß dieses Gewummer ab!" Franco schnippte kurz zu seinem Boot hinüber, ein langbeiniges Geschöpf in blaßrosa Bikini, dunkel gebräunter Haut und strohblonden Haaren drückte auf einen Knopf an der unübersichtlichen Instrumententafel. Augenblicklich war es still. Und augenblicklich gab es Protest aus dem Hintergrund.
Marc drehte sich um. Das hätte er sich denken können, seine Tochter Kim und deren Freundin Alissa standen hinter ihm.
"Laß doch!" Kim warf ihm einen typischen Tochter-Vater-Blick zu: "Sei doch kein Spielverderber."
Alissa blinzelte verschlafen zu dem Boot hinüber. "Gibt's 'ne Party?"
"Verschon mich bitte damit", sagte Marc und drehte sich hilfesuchend nach Pia um. Sie hatte sich ein weißes Herrenhemd übergeworfen und kam heran.
"Das ist eine Überraschung", sagte sie indifferent und reichte Franco ihre Hand, die er übersah.
Statt dessen zog er sie gleich in seine Arme, küßte sie rechts und links auf die Wange und grinste dabei Marc an. "Habt ihr wirklich geglaubt, ihr könntet euch vor der Welt verstecken?"
"Och ..." Marc tat unschuldig. "Und jetzt willst du dich mit deiner Bande hier bei uns einnisten?"
Franco lachte. "Ich wollte mal meinen Mädchen hier den berühmten Modedesigner aus Deutschland vorstellen", sagte er laut, und leise fügte er mit Verschwörermiene hinzu: "Ein bißchen mit dir angeben, versteht sich ..."
"Das fehlt mir noch!" Marc schaute zu dem Rennboot, eine feuerrote Zigarre mit weißer Lederinnenausstattung. "Ein wenig dezenter hätte dir das Ding nicht gefallen?" fragte er rhetorisch.
"In meinem Alter doch nicht." Franco zwinkerte ihm zu und machte eine Handbewegung zum Boot hin. Es war schon klar, was er meinte. Die beiden Mädchen, die er dabeihatte, waren bildhübsch und Anfang Zwanzig, jede von ihnen sicherlich dreißig Jahre jünger als er selbst. Er fuhr sich mit seiner rechten Hand kurz durch sein gewelltes braunes Haar, das er aus der Stirn nach hinten gekämmt und nackenlang trug. "Die haben Spaß", sagte er dazu, "und ich auch!"
In diesem Moment setzte die Musik wieder ein. Ein junger Mann, der aus der Kajüte aufgetaucht war, hatte auf den Knopf gedrückt.
"Ich nicht." Marc wandte sich ab. "Aber wenn du jetzt schon mal da bist, dann laß uns was trinken. Vielleicht finden wir ja ein lärmgeschütztes Eckchen ..."
Kim und Alissa dagegen waren schon zu den anderen in das Rennboot gestiegen, machten sich bekannt und freuten sich über die Abwechslung. Sie waren seit zehn Tagen an der türkischen Küste unterwegs, schwammen und fuhren Jet- oder Wasserski und suchten sich abends eine ruhige Bucht für die Nacht. Für Alissa war es ein Traum, der sich hier für sie erfüllte, für Kim pure Gewohnheit, denn Jahr für Jahr mieteten ihre Eltern für drei Wochen eines der typisch türkischen Segelschiffe, ganz aus Holz, bauchig, gemütlich und trotzdem komfortabel. Dies hier sah aus wie ein ehemaliges Piratenschiff, und Alissa verschoß am ersten Tag allein von den sich im Wind bauschenden riesigen Segeln in einer einzigen Stunde einen ganzen Film. Kim hatte bäuchlings auf einer der vielen Segeltuchmatten gelegen, die vor dem großen Fenster des Führerhauses aufgereiht waren, und ihr kopfschüttelnd zugesehen.
"Das siehst du jetzt drei Wochen lang", hatte sie ihr zugerufen. "Die fliegen dir nicht weg!"
Aber Alissa hatte nur gelacht und ein Foto von Kim geschossen. Kim war zwanzig, und durch den Beruf und den Erfolg ihres Vaters lag ihr die Welt zu Füßen. Wie sollte sie Alissas Gefühle verstehen können, die als drittes Kind einer ganz normalen Familie mit einem ganz normalen Einkommen großgeworden war? Die beiden hatten gemeinsam Abitur gemacht, hatten sich in den vergangenen zwei Jahren angefreundet, nachdem Kim nach einem Austauschjahr aus Amerika zurückgekehrt und neu in ihrer Klasse gelandet war. Kim war mit viel Spaß durchs Abitur gekommen, ohne große Anstrengung und ohne großen Ehrgeiz.
Alissa dagegen war die Beste in der Klasse, hatte wenig von Kims Lässigkeit, sondern war eher gewissenhaft und bemüht, sich alles selbst zu erarbeiten. Sie hatte Kim wie einen Stern eines anderen Universums empfunden, war über ihre Freundschaft glücklich, hatte sie in der Schule mitgezogen, ihr Spickzettel zugesteckt und sie abschreiben lassen, wann immer es möglich und nötig war. Zum Dank hatte Kim sie im Namen ihrer Eltern eingeladen. "Zur Vorbereitung aufs Leben", hatte sie gelacht, während Alissa vor Freude fast geheult hätte.
Am Heck der Ketsch stand ein langer Tisch in einer Art Nische, die sich durch den Bau des Deckhauses ergeben hatte. Die gepolsterte Rückenlehne der Sitzbank schmiegte sich an das cognacfarbene Holz des Aufbaus, an der offenen Seite der Nische standen blau bezogene Stühle. Marc und Pia zogen sich zwei davon heran, Franco setzte sich auf die Bank, die Hände hinter seinem Nacken verschränkt. Er streckte sich ausgiebig und schaute sich um. Von seinem Platz aus übersah man achtern den offenen Steuerstand des Kapitäns und die bequeme Liege- und Sonnenfläche dahinter.
"Wo sind denn alle?" Franco zog die Stirn kraus. "Es ist hier ja wie ausgestorben!"
Marc seufzte und schickte einen theatralischen Blick zum Himmel. "Sie sind nach Fethiye zum Einkaufen."
Ein dunkelhaariger Mann in weißem Poloshirt und dunkelblauen Shorts brachte eine Flasche Wein, drei Gläser und einen Sektkühler voller Eiswürfel.
"Aha." Franco nahm die Flasche in die Hand und begutachtete das Etikett des Rosés. "Wenigstens die Crew ist noch da ..."
"Nur Hussein, der Kapitän und der Maschinist", sagte Pia und schob Franco ihr Glas hin.
"Dann ist ja nur gut, daß wir den müden Laden etwas auffrischen." Franco stellte die Flasche laut ab. "Lâl. Ich kann das Zeug nicht ausstehen. Ich habe noch Champagner in meiner Hütte!"
"Wir mögen aber keinen Champagner", kam es wie aus einem Mund. Pia und Marc mußten lachen, dann goß Pia ihre Gläser voll. "Wir sind in der Türkei und trinken Lâl. Basta!"
Marc Richard führte zwar ein großes Unternehmen und war auf allen wichtigen Modeschauplätzen aktiv, aber privat hatten er und seine Frau am liebsten ihre Ruhe. Sie mochten es gemütlich und bodenständig, so wie es ihrem Wesen entsprach. Pia hatte in Marcs Unternehmen gearbeitet, und es war klassisch, was passierte, bis zu dem Moment, da sie aus ihm, dem eingeschworenen Junggesellen, einen verheirateten Mann machte. Da war es nicht mehr klassisch, alle waren erstaunt, aber es paßte. Er konnte beruflich auf den Wolken tanzen, und sie hielt die Füße auf dem Boden. Genauso verhielt es sich mit ihren Freunden. Einmal im Jahr trafen sie sich auf der "Dogukan", immer auf demselben Schiff mit demselben Personal, einer Crew von fünf Mann. Richards und ihre Freunde waren zu acht auf dem zweiunddreißig Meter langen und sieben Meter breiten Schiff, das sechs gemütliche Doppelkabinen besaß. Ein Pärchen war jedes Jahr dasselbe, dazu Kim und eine Freundin und ein Überraschungspärchen oder zwei Singles. Das brachte jedes Jahr aufs neue Spannung und genügend Gesprächsstoff und Ansichten, nur diesmal war es anders verlaufen als gedacht: Ausgerechnet das Ehepaar, an das sie schon lange gedacht hatten und das nun endlich einmal dabeisein sollte, hatte sich kurz vor Reiseantritt getrennt. Der Grund waren eine vollbusige Auszubildende in der Firma des Mannes und der Umstand, daß seine Frau von einer Reise zu früh zurückkam. Und damit hatte Marc nun ein Problem. Wen von beiden sollte er mitnehmen? Den Mann oder die Frau? Er plädierte für seinen Geschlechtsgenossen, aber als klar wurde, daß der seine neueste Errungenschaft vorzustellen gedachte, protestierten die Frauen. Und gegen Pia war Marc natürlich machtlos, also gab er nach. Von den Aufrüstungs-, Mobilmachungs- und Schadenwiedergutmachungsgesprächen der Frauenrunde hielt er sich in der Folge fern, aber recht geben mußte er ihr: Nadines Mann war ein Trottel. Wie hatte er sie alle in eine solche Situation bringen können? Hätte das nicht bis nach ihrem Urlaub Zeit gehabt?
So hatte Marc es begrüßt, daß alle nach Fethiye wollten. Die Crew wollte sowieso frische Lebensmittel einkaufen, und bis auf zwei Personen fanden auch alle in dem Schnellboot, das zum Schiff gehörte, Platz. Praktischerweise hatten Kim und Alissa den Aufbruch verschlafen, so brauchte nicht einmal gelost zu werden, wer an Bord bleiben mußte, und alles schien sich wunderbar zu fügen, bis, ja, bis ...
Marc nahm einen tiefen Schluck des leichten türkischen Rosés und sah tief in Francos Augen. "Also gut, Franz, wir haben alle weggeschickt, weil wir heute unseren Hochzeitstag feiern und dieses Ereignis stilgerecht begehen wollten. Also, Pia und ich, wenn du verstehst ..."
"Nenn mich nicht Franz, das tun nur meine Eltern, mein Lieber, wie du weißt, und was heißt hier Hochzeitstag? Wenn ihr dafür einen Hochzeitstag braucht ...?"
Pia mußte lachen. Sie hatten kürzlich festgestellt, daß sie beide wieder mal das schicksalhafte Datum vergessen hatten. Den vierzehnten Dezember. In diesem Augenblick tanzte Kim um die Ecke, mit Alissa im Schlepptau und zwei jungen Frauen sowie zwei jungen Männern. Sie waren alle sichtbar gut gelaunt, lachten und bestellten bei Hussein Getränke.
Marc schaute kurz aufmerksam hin. "Nehmen die was?"
Franco zuckte die Achseln. "Ich bin nicht ihr Vater." Er nippte vorsichtig an seinem Glas und verzog angewidert sein Gesicht. "Ein bißchen Koks vielleicht ... keine Ahnung!"
"Na, du machst mir Spaß ..." Pia betrachtete Kim genauer. Das fehlte gerade noch. Und erst Alissa, ein geliehenes Kind sozusagen.
"Wo hast du die denn aufgegabelt?" wollte Marc wissen. Er hatte sich seinem Schicksal ergeben und angelte nach einer Zigarre.
"Sie laufen mir scharenweise zu." Franco strich sich betont kokett übers Haar, was Pia dazu brachte, ihm einen längeren Blick zu gönnen.
Sie registrierte die dicke goldene Kette um seinen Hals, die Anzeichen alternder Haut darunter, das Gesicht mit dem fliehenden Kinn, den rehbraunen Augen und der hohen Stirn mit den zurückgegelten Haaren. Sie lehnte sich zurück: "Es sind Models, und sie wollen Marc kennenlernen, weil sie sich was davon versprechen. Paß auf, gleich werden sie hier zur großen Show auflaufen." Ihr Tonfall war leicht spöttisch, leicht gelangweilt. Sie war keines dieser gazellenhaften Geschöpfe, denen Marc beruflich auf Schritt und Tritt begegnete. Sie war eine Frau aus Fleisch und Blut, mit Charme, beiden Beinen auf dem Boden, ihrem Verstand im Hier und Jetzt, einer Kleidung, die sich ausschließlich nach ihrem eigenen Geschmack richtete, und einem energischen Kinn im ovalen Gesicht. Ihre Haut war von Natur leicht getönt, sie hatte Sommersprossen über der schmalen Nase, braune Augen mit gelben Sprenkeln, die Augenbrauen so dunkelbraun wie die Wimpern, und hatte dichte halblange Haare, die sie zu einem dicken Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Auf Make-up verzichtete sie, wie meistens.
Franco machte eine wegwerfende Bewegung. "Sie sind noch nicht groß im Geschäft - doch die ...", er wies auf ein athletisch gebautes Mädchen mit olivfarbener Haut und klassischen Gesichtszügen, "... die ist in Griechenland schon ein Star. Während der Olympiade war sie ständig auf den Titelblättern und im Fernsehen."
Marc warf einen kurzen Blick hin und nickte dann. "Ja, hat was. Griechin? Wie kommst du denn zu so einer Göttin?"
"Und auch gleich noch zu einer, die dir vom Olymp herunter den Weg zu unserer 'Dogukan' zeigt?" Pia zog bewundernd die Augenbrauen hoch. "Quer durchs Mittelmeer?"
"Ach, jetzt hör auf." Franco schüttelte den Kopf. "Als ob nicht längst bekannt wäre, wo ihr euch um diese Jahreszeit immer herumtreibt."
"Bisher hat uns außer dem Chef unserer türkischen Zulieferfirma noch niemand aufgespürt ..." Der Rest von Marcs Satz ging in lauter Musik unter. Jetzt waren es nicht nur die Lautsprecher aus dem Rennboot, die dröhnten, sondern auch die Anlage der "Dogukan" war eingeschaltet worden.
"ABBA", stöhnte Marc und hielt sich die Ohren zu. "Haben wir das nicht schon längst abgefeiert?"
"Erinnere dich, wir hatten eine Einladung zur Premierenfeier des Musicals in Stuttgart", rief ihm Pia zu.
"Wie in der Mode", grinste Franco. "Alles kommt wieder!"
Doch zunächst kam der Kapitän. Durch die Fenster gab er ein Zeichen ins Innere des Schiffes, und augenblicklich wurde die Lautstärke heruntergedreht. Er wies auf die jungen Gäste, die ausgelassen hinter ihm tanzten.
"Ihre Tochter läßt fragen, ob wir nicht ein Seil hinter uns herziehen könnten. Sie würde sich mit ihren Freunden gern dranhängen."
"Wir fahren doch gar nicht." Marc wies auf das nahe Ufer und auf den Baum, an dem das Heck des Schiffes angeleint worden war. "Ganz offensichtlich sind wir festgemacht."
"Sie meint, wir könnten den anderen in Richtung Fethiye entgegenfahren, dann könnten sie gleich mitmachen."
"Könnten wir das?" Marc schaute Pia an.
"Theoretisch schon." Pia musterte die tanzenden Jugendlichen. "Hatten die Alkohol?" fragte sie den Kapitän.
Der schüttelte den Kopf. "Bitter Lemon. Ich habe Hussein schon gefragt."
"Und dein Renntiger? Den können wir nicht hinterherziehen, wenn wir eine Horde Youngster an der Leine haben."
Franco stand schon auf. "Na, endlich kommt Leben in die Bude." Er winkte einem der Jungen zu. "Wir ankern. Da hinten ist eine geschützte flache Stelle!"
Die "Dogukan" hatte schon Fahrt aufgenommen. Der Dieselmotor stampfte durch ein Meer, das abends wunderbar glatt wurde, jetzt aber noch immer gewaltig in Bewegung war. Es wehte ein scharfer Wind, und überall schossen kleine Wellen spitz nach oben, ohne Gleichklang, sie züngelten empor und ließen sich wieder fallen, um gleich darauf wieder hochzuschießen. Der Wind strich über Bord und wirbelte die Hitze auf, die die brütenden Mittagsstunden auf den Planken hinterlassen hatten.
"Action!" rief Marc, aber sein Scherz ging unter, denn nun tanzten wirklich alle, selbst Pia und Franco. Marc hatte sich ein Glas Wasser geholt und schaute aus sicherer Entfernung zu. Es waren wirklich hübsche Körper, die sich da vor ihm bogen. Sie waren nicht mehr ganz so mager wie zu Zeiten des Grungy-Look, sie hatten wieder Busen und Pobacken, und auch die Männer bestanden nicht mehr nur aus Sixpacks. Marc ließ die Eiswürfel in seinem Glas klirren und betrachtete ein Mädchen, das neben seiner Tochter tanzte. Sie agierte wie auf einer Bühne, mit kontrollierten Bewegungen und einer Mimik, als ob vor ihr im Publikum Tausende von begeisterten Fans säßen. Sicherlich steckte da jahrelanges hartes Training dahinter, dachte Marc. Eine Weile sah er ihr zu und war sich nicht sicher, ob ihm das gefiel oder nicht, dann ging sein Blick auf Pia, die sich so sinnlich bewegte, so in sich versunken war, als ob nichts um sie herum existierte. Er kannte das an ihr, dieses Entrücktsein, das ihn am Anfang ihrer Beziehung gestört hatte, so als ob sie sich ihm entzöge, nur noch für sich selbst da wäre. Vielleicht hatte er sie deswegen geheiratet, weil er den Gedanken nicht ertrug, sie könne sich ihm tatsächlich entziehen, in eine andere Welt, mit einem anderen Kerl. Blödsinn, er schüttelte den Kopf über sich selbst. Er war Realist, solche Gedanken hatten ihm fremd zu sein. Sein Blick schweifte noch einmal über die tobende Schar vor sich. Kim und Alissa waren offenbar völlig in ihrem Element. Kim tanzte mit einem der Jungs. Sie sah gut aus, hatte die verführerischen Augen und den vollen Mund ihrer Mutter geerbt und auch das dichte dunkelbraune Haar, das sie mit blonden Strähnchen aufgehellt hatte und das ihr nun lang und wild um den Kopf wirbelte. Sie war graziler als Pia und auch ein wenig größer. Marc lächelte. Sie war ein fröhlicher, selbstbewußter Mensch, und, das war ihm klar, ihr stand die Welt offen. Aber auch Alissa gefiel ihm, sie war eine hübsche junge Frau mit sportlicher Figur und entschlossenen Bewegungen, sie hielt sich gern im Hintergrund und schirmte sich hinter ihrem dichten Pony gegen die Welt ab. Alissa wirkte immer etwas ernster als Kim, sie hatte sehr feine, klare Gesichtszüge, und ihre schulterlangen dunkelblonden Haare waren meist zusammengebunden. Beide konnten im Kreis der Models gut mithalten, fand Marc - und überhaupt, dachte er gleich darauf, war fast zu bezweifeln, daß Francos Mitbringsel wirklich Models waren. Dazu waren sie eindeutig zu hübsch.
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