Wir sind Utopia - Andres, Stefan

Stefan Andres 

Wir sind Utopia

Kleine Prosa aus den Jahren 1933-1945

Hrsg. v. Erwin Rotermund u. Heidrun Ehrke Rotermund
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Wir sind Utopia

Die Novellen »El Greco malt den Großinquisitor« (1936) und »Wir sind Utopia« (1942) begründeten Stefan Andres Ruhm als Erzähler. Mit ihnen markierte er im »Dritten Reich« eindrucksvoll seine christlich-humanistische Position. Wird im »El Greco« vor dem dunklen Hintergrund der spanischen Inquisition die Auseinandersetzung zwischen kirchlich-staatlicher Macht und dem individuellen Freiheitsverlangen des Künstlers ausgetragen, so erfolgt in »Wir sind Utopia« die radikale Absage an alle politischen Traumreiche und deren mechanistische Menschenbilder.
Im Gegensatz zu diesen exempla classica zeitkritischen Erzählens sind die zahlreichen unterhaltsam-didaktischen Prosatexte (Anekdoten, Legenden, Parabeln), die Stefan Andres während der Nazizeit in verbreiteten deutschen Presseorganen publizieren konnte, den späteren Lesergenerationen unbekannt geblieben. Die wichtigsten werden hier neben den berühmten Novellen erstmals wieder zugänglich gemacht.
Die ausgewählten Texte folgen den Erstveröffentlichungen. Ein Nachwort informiert ausführlich über die Quellen und Vorlagen des Autors sowie über die Entstehungs-, Deutungs- und Rezeptionsgeschichte der Texte.


Produktinformation

  • Verlag: Wallstein
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 230 S.
  • Seitenzahl: 314
  • Werke in Einzelausgaben Bd.4
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 137mm x 28mm
  • Gewicht: 490g
  • ISBN-13: 9783835305861
  • ISBN-10: 3835305867
  • Best.Nr.: 27985062
»Die Erzählungen bestechen durch eine differenzierte Zeichnung der Konflikte, durch eine subtile, unterschwellige Kritik am Nationalsozialismus und vor allem durch die Schönheit der Sprache.«(Helmut Eggl, Buchprofile/Medienprofile, Jg. 56/2011, Heft 1)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.06.2012

Es gibt kein Patentrezept für die Gegenwart und auch nicht für die Zukunft

Von den fatalen Beziehungen zwischen den Menschen und der Politik: Der Wallstein Verlag versucht das Werk des Dichters Stefan Andres dem Gestern zu entreißen.

Dem Namen Stefan Andres sind wohl alle literarisch interessierten Bürger unseres Landes irgendwo, irgendwann begegnet. Aber kennen sie auch die Bücher dieses Schriftstellers? Einige Literaturfreunde gewiss, die Mehrheit möglicherweise nicht. Doch wenn es so wäre, läge das sicherlich nur in wenigen Fällen daran, dass die Bereitschaft zum Lesen geringer war als das Bedürfnis, als Leser eines anerkannten Dichters von dessen Glamour auch ein bisschen abzubekommen.

Man kommt der Realität näher, wenn man sie in des Schriftstellers Lebenszeit sucht: Stefan Andres wurde 1906 geboren, geriet als junger Erwachsener in das politisch-moralische Chaos der Hitler-Ära und vor allem unter den Druck der braunen Zensur. Und er ist 1970 gestorben, ihm blieb nach den verheerenden Kriegs- und den bitteren Nachkriegsjahren nicht übermäßig viel Zeit, vielleicht auch nicht mehr allzu viel Kraft, um auszugleichen, was die …

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Stefan Andres, 26. 6. 1906 Breitwies bei Trier - 29. 6. 1970 Rom. Der Sohn eines Müllers wuchs in einer katholisch geprägten bäuerlich-dörflichen Umwelt auf und war von seinen Eltern zur geistlichen Laufbahn bestimmt. Er trat in den Kapuzinerkonvent in Krefeld ein (1926-28), entschied sich aber nach dem Noviziat, den Orden zu verlassen und Germanistik zu studieren (1929- 1932 Köln, Jena, Berlin; kein Abschluss). Da seine Frau, die er 1932 geheiratet hatte, 'Halbjüdin' war, verlor er 1935 seine Stellung beim Reichssender Köln. 1937 gelang es ihm, mit seiner Familie Deutschland zu verlassen und nach Italien überzusiedeln (Positano). 1950 kehrte er nach Deutschland zurück (Unkel am Rhein), seit 1961 lebte er in Rom.

Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der »inneren Emigration« und war nach dem Zweiten Weltkrieg ein vielgelesener Autor. Zu seinen bekanntesten Werken zählen »El Greco malt den Großinquisitor« (1936), »Wir sind Utopia« (1943) und »Der Knabe im Brunnen« (1953)Erwin Rotermund ist Professor (em.) für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

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