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Winter in Maine
Roman
Aus d. Engl. v. Thomas Gunkel
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
Produktinformation
- Verlag: (Luchterhand Literaturverlag)
- 2009
- Ausstattung/Bilder: 2009. 206 S.
- Seitenzahl: 208
- Deutsch
- Abmessung: 222mm x 144mm x 24mm
- Gewicht: 374g
- ISBN-13: 9783630872728
- ISBN-10: 3630872727
- Best.Nr.: 26330366
Leseprobe zu "Winter in Maine"
Bitte klicken Sie auf die Navigation oder das Artikelbild, um in "Winter in Maine" von "Donovan, Gerard" zu blättern!
Produktbeschreibung zu "Winter in Maine"
Kurzbeschreibung
"Wir (...) erschrecken über uns selbst und tauchen auf aus
einer Geschichte voller Blut und Kälte, die uns so fasziniert hat
wie schon lange nichts mehr, das wir gelesen haben. Wo ist die
Grenze zwischen unendlichem Kummer und rächender Gewalt? Das ist
die Frage, mit der uns dieses irritierende, ruhig und großartig
erzählte Buch zurücklässt." -- Elke Heidenreich / Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
"'Winter in Maine' taucht ein sich immer weiter
verdüsterndes Schicksal in gleißende Helle. In der Schneewüste des
amerikanischen Hinterlands arrangiert Autor Donovan seine Helden zu
einem tragischen Tableau. Es erscheint wie mit dem Messer
herausgeschnitten aus dem friedlichen Winterweiß. Ein Text wie eine
Klinge. Präzise und gefährlich." -- Daniel Haas / Spiegel
Online
"'Winter in Maine' von Gerard Donovan, auch so ein
Knaller, das könnte ein Kultbuch werden wie Marlen Haushofers
'Die Wand': Mann mit Hund (und dreitausend Büchern!!!) in
Wildnis, Hund wird erschossen, Mann wird zum Serienkiller. Soviel
in Kurzform, aber es ist viel mehr, es geht um das Raubtier in uns,
um Einsamkeit, um verlorene Liebe und verlorene Maßstäbe, und das
Furchtbare ist: Unsere Sympathie ist immer auf der Seite des
Mörders." -- Elke Heidenreich / stern.de
Beschreibung
Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, und er hat einen treuen Gefährten, seinen Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius- Welt zusammen. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss ...
Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Der Winter steht vor der Tür, er ist allein, aber er hat die über dreitausend Bücher seines Vaters zur Gesellschaft und vor allem seinen Hund Hobbes, ein treuer und verspielter Pitbullterrier. Eines Nachmittags, als er gerade vor dem Feuer sitzt und liest, hört er einen Schuss. Eigentlich nichts Besonderes, denn es ist gerade Jagdsaison. Dennoch wundert sich Winsome, weil der Schuss ganz in seiner Nähe gefallen ist, zu nahe. Als er vor die Tür geht, entdeckt er, dass Hobbes erschossen wurde - offenbar mit Absicht.
Der Verlust trifft Julius mit ungeahnter Wucht. Er denkt an all die anderen Verluste in seinem Leben: die Mutter, die er gar nicht kannte, weil sie bei seiner Geburt starb, den Vater, der nie wieder heiratete, der ihn allein großzog und ihm die Sprache Shakespeares beibrachte und jetzt auch schon zwanzig Jahre nicht mehr da ist, an Claire, die einzige Frau in seinem Leben, die ihn einen Sommer lang liebte und dann wieder verschwand. Und jetzt Hobbes, sein letzter wahrer Freund. Am nächsten Tag holt er das Gewehr seines Großvaters aus der Scheune und zieht los, um seinen Hund zu rächen. Er macht Jagd auf die Jäger. Und obwohl diese Rache ebenso sinnlos ist wie die Tat, die ihr zugrundeliegt, verstehen wir diesen einsamen, verzweifelten Mörder, werden seine Komplizen in Eis und Schnee.
Leseprobe zu "Winter in Maine" von Gerard Donovan
30. Oktober - 2. November
Ich glaube, ich habe den Schuss gehört.
Es war ein kalter Nachmittag Ende Oktober, und ich saß in meiner
Hütte auf dem Stuhl neben dem Holzofen und las. Durch diese Wälder
streifen viele mit Gewehren bewaffnete Männer, meist in abgelegenen
Gegenden, wo niemand wohnt, und besonders am ersten Tag der
Jagdsaison, wenn die Leute aus Fort Kent oder noch kleineren
Städten mit ihren langen Gewehren in Pick-ups heraufkommen, um
Hirsche oder Bären zu jagen, durchsieben ihre Schüsse die
Luft.
Doch der metallische Knall, der durch den Wald hallte, schien ganz
aus der Nähe zu kommen, nicht mehr als einen Kilometer entfernt,
falls das tatsächlich die Kugel war, die ihn tötete. Ehrlich
gesagt, habe ich mir seither so oft vorgestellt, ihn zu hören, habe
ich das Tonband dieses Augenblicks so oft zurückgespult, dass ich
den realen Klang des Gewehrs nicht mehr vom eingebildeten
unterscheiden kann.
Das war nah, sagte ich, legte ein weiteres Scheit aufs Feuer und
schloss die Ofentür, bevor der Rauch hervorquellen und sich im
Zimmer ausbreiten konnte.
Die meisten Jäger, auch die Anfänger, blieben im offenen Wald,
weiter westlich in den …
11.10.2009
Beiläufige Morde
"Winter in Maine" von Gerard Donovan erzählt von einem
Mann, der andere erschießt, einfach so. Und erschreckenderweise
kann der Leser ihn verstehen
Vor Jahren habe ich eine gespenstisch gute Inszenierung von
Shakespeares "Richard III." gesehen. Gespenstisch, weil
man als Zuschauer die ganze Zeit auf Seiten des Bösewichts war -
Richard mordete sich an die Macht, und man dachte: Gib's ihnen,
diesen verdammten Hofschranzen, die dich wie Abschaum
behandeln!
"Weil ich nicht schmeicheln
und nicht schöntun kann,
Und nicht falsch lächeln,
schleimen, schmieren und
Katzbuckeln kann französisch
affenglatt,
Schon steh ich da als
bitterböser Feind",
sagt Richard ganz am Anfang, einsam, unglücklich, ohne Liebe.
Julius Winsome kann auch nicht schleimen und schöntun. Auch er lebt
einsam, was ja noch nicht bedeuten muss, dass einer zum Mörder
wird. Aber in Gerard Donovans Roman "Winter in Maine"
geschehen sechs eher beiläufige Morde. Sechs Morde an Jägern, die
ihrerseits auf alles schießen, was ihnen vor die Flinte kommt, nur
so zum Spaß, weil sie …
27.10.2009
Blutdurchsiebt und bestoben
„Hast du diesen Hund erschossen?” Gerard Donovan erzählt vom „Winter in Maine”
Durch die Bäume ist die Hütte kaum zu erkennen. Ein flacher Bau aus Holz, an den sich eine kleine Veranda schmiegt. Doch so unscheinbar sie von außen auch wirken mag, in ihrem Inneren besteht sie fast nur aus Büchern. Vom Holzofen bis zur Küche, vom Wohnraum bis in die beiden Schlafzimmer erstrecken sich Regale, voll mit Taschenbüchern und wertvollen Erstausgaben, die Julius Winsome von seinem Vater übernommen hat. Und auch wenn der Vater schon seit zwanzig Jahren tot ist, gibt es kaum etwas, das Julius tiefer im Gedächtnis geblieben wäre als die gemeinsamen Lesestunden: „Und ich konnte mich noch an die kalten Seiten in meinen Händen erinnern, wenn ich meinem Vater den Band brachte, den er haben wollte, und beobachtete, wie sich das Buch unter seinem Blick am Feuer erwärmte.”
Leicht könnte man diese Szene für ein melancholisch gefärbtes Erinnerungsbild halten. Doch der in Irland geborene Autor Gerard Donovan hat von jeher eine Vorliebe für kleine Verschiebungen. Geschickt benutzt er das vertraute Muster, um die …
27.10.2009
Ein eindrucksvolles Buch sieht Rezensent Nico Bleutge in Gerard
Donovans Roman "Winter in Maine". Die Geschichte um
Julius Winsome, einen begeisterten Leser und Außenseiter, der in
einer einsamen Blockhütte im amerikanischen Norden in Gesellschaft
seines Pitbullterrier Hobbes lebt, hat für ihn etwas verstörendes,
vor allem ab dem Moment, als der Hund mit einer Schrotflinte
getötet wird, und Julius beginnt, jene Jäger zu jagen und zu
erschießen, von denen er glaubt, sie hätten Hobbes auf dem
Gewissen. Auch wenn der Roman in den USA zu einigen Debatten über
den Besitz von Waffen geführt hat, sieht Bleutge in dem Buch keinen
Beitrag zur Waffenkultur des Landes. In seinen Augen geht es
vielmehr um die Fragen, was Trauer, Verlust und Einsamkeit mit
einem Menschen anstellen können. Der Leser erhalte Einblick in das
Denken und Fühlen von Julius, in seine Widersprüche und
Wahnvorstellungen, der Autor stelle dessen Bewusstsein in seiner
"ganzen Zerrüttung" dar. Bleutge hebt hervor, dass
Donavan auf Eindeutigkeit und moralische Bewertung seiner Figur
verzichtet. Mit Lob bedenkt er auch Thomas Gunkels vorzügliche
Übersetzung des Werks.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
"Kann man sich für den Verlust der vollkommenen Liebe rächen? Eine erschreckende und zugleich herzzerreißende Antwort gibt dieser meisterhafte Roman."
Autorenporträt zu "Gerard Donovan"
Thomas Gunkel, geb 1956 in Treysa, Erzieher, studierte Germanistik und Geographie und ist als Übersetzer tätig.
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