 | Besprechung von 18.12.1999 |
Kakanisch ist die KokotterieBeschreibungswütig: Lilian Faschingers Wiener Passion · Von Ulrich WeinzierlDer erste Eindruck: ein Schmöker. Immerhin hat Lilian Faschingers "Wiener Passion" nicht weniger als 562 Seiten. Doch die Lektüre scheint uns eines Besseren zu belehren. Dieser Roman beginnt als ebenso elegante wie witzige Krankengeschichte. Da spricht ein mutterkomplexgeplagter Hypochonder von seinen tagtäglichen Wehwehchen und seiner Obsession, unbedingt in Schuberts Sterbehaus wohnen zu wollen. Im zweiten Erzählstrang berichtet eine gewisse Magnolia Brown, die Tochter einer aus Wien stammenden Mutter und eines Afroamerikaners, vom Abenteuer ihrer Wien-Reise. Weil sie die Anna Freud in einem Freud-Musical spielen soll, ist sie zur Gesangsausbildung nach Österreich gekommen. Naturgemäß wird der musikpathologische Herr Horvath aus Kapitel eins ihr Lehrer und schließlich ihr Liebhaber. Das dritte Handlungselement besteht aus den nachgelassenen Papieren der anno 1900 gehenkten Gattenmörderin Rosa Havelka, die in der Todeszelle Rückschau auf ihr Leben gehalten hatte. Magnolia Brown findet die Autobiographie in der Wohnung der seltsamen Tante …
"In Lilian Faschingers neuem Roman liegt beides dicht beieinander: Schönheit und Schrecken. Sie ist eine bestrickende Erzählerin. [...] Ein hinreißender Roman - bunt, spannend, skurril. Und voll Sympathie für den verführerischen Geist der Stadt." Joachim Campe in der 'Berliner Morgenpost'<br/><br/>"Daß Lilian Faschinger Österreichs fabulierfreudigste Schriftstellerin ist, weiß man seit ihrem Prosadebüt 'Die neue Scheherazade'. [...] Das jüngste Produkt ihrer munter sprudelnden Phantasie übertrifft indes vom Umfang und dem transportierten Bildungsgut her die früheren bei weitem. Bewundernswert, wie Lilian Faschinger die Prosafäden spinnt und zum bunten Textteppich knüpft. [...] Ihr Stil - böse funkelnde Satzkaskaden erinnern zuweilen an Thomas Bernhard - wirkt [...] sehr gediegen, ja erlesen. 'Wiener Passion' ist ein Schmöker. Aber einer auf beträchtlichem Niveau." Ulrich Weinzierl in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung'<br/><br/>"Diese Autorin ist eine leidenschaftliche Erzählerin, eine, die sich auf die Kraft der Sprache verläßt und der das Entwickeln eines Plots sichtbares Vergnügen bereitet. [...] Heldin des aus drei Perspektiven erzählten Romans ist Wien, die Stadt selbst beziehungsweise jene merkwürdige Melange diffuser Gefühle, die sie hervorruft. Leiden und Leidenschaft scheinen hier enger zusammen zu gehören als anderswo. Und auch die Uhren gehen anders: so als seien die Zeiger vor rund hundert Jahren stehengeblieben. Man kann sich also zurücklehnen. Die Zeitreise vergeht wie im Flug, die 550 Seiten sind mühelos zu bewältigen." Meike Fessmann in der 'Süddeutschen Zeitung'<br/><br/>"Eine altehrwürdige Stadt, zwei Jahrhundertwenden, drei Hauptfiguren, tausend Schnurren und noch viel mehr bietet Lilian Faschingers Roman. Einschüchternd ist zunächst die Dicke des Werkes, doch die Fülle von Geschichten aus der Wiener Stadt geht weg wie eine raffinierte Mehlspeise. Ab Mitte des Buches wird den Leser nichts mehr abschrecken, kein sahniger Konjunktiv und keine üppigen Wortpolster, denn hinter der reichlichen Hülle will er nur noch sehen, wie es den drei [Helden] an der schönen blauen Donau ergeht ..." Franz Haas in der 'Neuen Zürcher Zeitung'
"So ist dieser historische Roman, der in die Wiener Unterwelt ebenso führt wie in den Palast des Königs und die Zwistigkeiten der gerade keimenden Psychoanalyse, eine mitreißende Geschichte voller Leidenschaft von Wienerinnen und für Wien."<br />Mathilde Juli 2008 <br />
»Eine altehrwürdige Stadt, zwei Jahrhundertwenden, drei Hauptfiguren, tausend Schnurren und noch viel mehr bietet Lilian Faschingers Roman. Einschüchternd ist zunächst die Dicke des Werkes, doch die Fülle von Geschichten aus der Wiener Stadt geht weg wie eine raffinierte Mehlspeise. Ab Mitte des Buches wird den Leser nichts mehr abschrecken, kein sahniger Konjunktiv und keine üppigen Wortpolster, denn hinter der reichlichen Hülle will er nur noch sehen, wie es den drei [Helden] an der schönen blauen Donau ergeht ...« Franz Haas in der >Neuen Zürcher Zeitung<
Lilian Faschinger wurde 1950 in Tschöran/Kärnten geboren. Sie studierte englische Literatur und Geschichte in Graz. 1975 promovierte sie in englischer Literaturwissenschaft. Sie lebt als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in Paris.
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