Wie fließendes Wasser - Daehaeng
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Daehaeng 

Wie fließendes Wasser

33 Zen-Geschichten aus Korea erzählt von Zen-Meisterin Daehaeng

Illustrator: Lim, Seung Hyun / Übersetzer: Sunim, Haejin
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Produktbeschreibung zu Wie fließendes Wasser

Seon- (=Zen-) Meisterin Daehaeng Sunim erzählt 33 Geschichten aus der reichen buddhistischen Tradition Koreas. Auf den ersten Blick vermitteln diese Anekdoten, Tierfabeln und Berichte den Reiz einfacher, locker skizzierter Szenen. Doch jede Geschichte hat, vergleichbar unseren Märchen, eine psychologische Botschaft. Die ausdrucksstarken Tuschemalereien der koreanischen Künstlerin Seung Hyun Lin unterstreichen die inspirierende, meditative Stimmung des Werks.

Daehaeng ist eine koreanische Zen-Meisterin mit großer Anhängerschaft auch im deutschsprachigen Raum.

Produktinformation


  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 187 S. m. Farbtaf.
  • Seitenzahl: 192
  • Goldmann Arkana Bd.21819
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 128mm x 25mm
  • Gewicht: 237g
  • ISBN-13: 9783442218196
  • ISBN-10: 3442218195
  • Best.Nr.: 22818130
Daehaeng Kunsunim ist eine in Korea hoch geachtete Zen-Meisterin. Sie wurde 1927 als erste Tochter eines Offiziers der kaiserlich-koreanischen Armee geboren. Während der japanischen Besatzung verlor die Familie ihren gesamten Besitz. Mit 24 Jahren wurde sie zur buddhistischen Nonne ordiniert. 1972 gründete sie in Anyang, in der Nähe von Seoul, das Hanmaum Seon Zentrum, wo sie bis heute lebt. Sie wird - nicht nur in Korea - als eine der wenigen Frauen, zu den bedeutendsten buddhistischen Meistern unserer Zeit gezählt. Seit 1996 besteht auch ein Zentrum in Kaarst bei Düsseldorf.

Leseprobe zu "Wie fließendes Wasser" von Daehaeng

17. Die Maultaschensuppe (S. 93-94)

In der Meditationshalle eines Klosters saßen Mönche mit dem Gesicht zur Wand und meditierten. Plötzlich drehte sich einer um und sprach schmunzelnd zu den anderen: »Eure schönen Gesichter könnten in der Wand stecken bleiben. Warum sucht ihr euer Gesicht, während das ursprüngliche Gesicht doch da ist?« Wie war das zu verstehen? Jeder trägt das wahre Selbst in sich. Dennoch starrten sie auf die Wand, als ob das wahre Selbst dort angeklebt wäre. Die Mönche hörten ihm ruhig zu. Sie spürten, dass jedes seiner Worte den Kern traf, und beschlossen, ihn als ihren Meister anzunehmen.

Eines Tages brachte der Meister einen Sack mit Buchweizenkeimen und trug ihnen auf, sie auszusäen. Für gewöhnlich fielen die Mahlzeiten in ihrem tief in den Bergen gelegenen Tempel recht kärglich aus. Daher freuten sich die Mönche schon jetzt auf das schmackhafte Essen, das sie aus dem Buchweizenmehl bereiten würden. Als die Keime ausgesät waren, fragten sie ihren Meister: »Meister, bestimmt werden wir nach der Ernte Nudeln kochen und Kuchen backen, nicht wahr?« Der Meister aber schaute seine erwartungsfrohen Schüler kaum an und murmelte nur beiläufig: »Wir werden sehen.« Unbemerkt keimte der Buchweizen aus.

Als er schon in Blüte stand, fragten die Mönche erneut: »Meister, zumindest Buchweizenkuchen werden wir doch essen?« Doch wie schon zuvor antwortete der Meister ausweichend: »Das weiß man erst, wenn es so weit ist.« Die Zeit verging, die Blüten verwelkten, schließlich war die Zeit der Ernte gekommen. Der Meister ließ den Buchweizen mahlen und aus dem Mehl Maultaschen zubereiten. Ein feiner Suppenduft lag in der Luft, als ein Mönch zum Meister kam und fragte: »Meister, die Maultaschensuppe ist fertig. Jetzt werden wir doch essen, oder?« Aber wieder sprach der Meister gleichmütig:

»Das weiß man erst, wenn das Essen im Mund ist. Kommt mit euren Essschalen in die Meditationshalle.« Mit großer Vorfreude versammelten sich alle Mönche in der Dharmahalle. Endlich durften sie die Buchweizenmaultaschen kosten. Man teilte die Suppe aus, das Signal zum Essen wurde gegeben, und alle Mönche führten gleichzeitig die Löffel zum Mund. Doch gerade hatten sie den ersten Bissen auf der Zunge, da rief ihr Meister mit Donnerstimme: »Nicht schlucken! Nicht ausspucken!« Weil es ein strikter Befehl des Meisters war, konnten die Mönche die heißen Maultaschen weder herunterschlucken noch ausspucken.

Wie sie aber so dasaßen, lösten sich die Maultaschen allmählich im Mund auf und rutschten dann nach und nach einfach hinunter. In diesem Augenblick kam die Frage des Meisters: »Sind die Maultaschen noch da?« Ein Mönch antwortete: »Ein bisschen ist noch da.« Schweigend betrachtete der Meister seine Schüler. »Sie sind einfach hinuntergerutscht «, sagte ein anderer. »Wie meinst du das?«, fragte der Meister. »Sie sind einfach so hinuntergerutscht, ohne dass mir überhaupt bewusst war, dass ich sie schlucke.« Nun rief der Meister mit schmetternder Stimme: »Das ist es! Das ist es! Essen, ohne gegessen zu haben! Erkennt ihr jetzt diese Wahrheit?« Plötzlich verstanden die Mönche vollkommen.

Leseprobe zu "Wie fließendes Wasser" von Daehaeng

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