Werktage - Braun, Volker

Volker Braun 

Werktage

Arbeitsbuch 1977-1989

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Werktage

Unbekanntes, hoch Wichtiges ist zu vermelden. Volker Braun hat, beginnend im Januar 1977, bis in die Gegenwart ein Werktagebuch geführt. Dessen erster Band, teils kurze, teils längere Notate, erlaubt nicht allein den erhellenden Einblick in die Werkstatt des "lauteren, spielwütigen Autors". Solche Mitschriften des täglichen Lebens machen erfahrbar, wie Volker Braun sich und seine Arbeit, die Kollegen und die politische Situation in Ost und West sieht. Und seine Beobachtungen, mal giftig, mal ironisch, Reflexionen und Erzählungen zeigen erneut die Kunst dieses Dramatikers, Lyrikers und Prosaisten: Mit jedem Satz von ihm steigert er humoristisch-traurig die Einsicht in die Verbesserungswürdigkeit und Verbesserungsnotwendigkeit unserer Lage.
In diesem Lebens-, Lese- und Arbeitsbuch ist also zu erfahren, wie Volker Braun nach der Publikation der Unvollendeten Geschichte 1975 in der DDR, 1977 in der BRD seine Dramen zum Druck befördert und auf die Bühne bringt, wie er listig den Hinze-und Kunze-Roman zuerst in Frankfurt und dann in Halle veröffentlicht, was die im Westen so alles mit ihm anstellen, warum er 1988 das Stück Lenins Tod schreibt, und im Jahr 1989 der erste Band seiner Werkausgabe erscheint.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 800 S.
  • Seitenzahl: 995
  • Best.Nr. des Verlages: 42048
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 136mm x 46mm
  • Gewicht: 896g
  • ISBN-13: 9783518420485
  • ISBN-10: 3518420488
  • Best.Nr.: 26391165
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.11.2009

Übung in Angstlosigkeit
Volker Brauns Arbeitsbuch 1977 - 1989
Im Juni 1983 notierte Volker Braun, der gerade 44 Jahre alt geworden war, eine Formel, die es in sich hatte: „demokratie oder handbetrieb”. Dem autoritären Sozialismus attestierte er damit Lebensunfähigkeit. Was als Diktatur des Proletariats, als Führungsanspruch der Partei, als demokratischer Zentralismus verbrämt oder als Herrschaft verdorbener Greise attackiert wurde – die politische Form der Ostblock-Staaten – taugte bestenfalls für einfachste Produktionsverhältnisse, „handbetrieb” eben. Entwickeltere Verhältnisse waren mit den Gepflogenheiten des Kriegskommunismus nicht zu haben, geschweige denn herbeizuführen. Ohne Demokratisierung würde das System zur Erstarrung auf niedrigem Niveau verurteilt bleiben.
Volker Braun fand die schöne Formel, als er eine sowjetische Diskussion rekapitulierte. Es ging um ein Brigadegesetz: „die entwickelte produktion läuft nicht mit der groben mechanischen stellvertreterkurbel. die großcomputer können nicht eingesetzt werden in einer sicherheitsgesellschaft; die daten müssen verfügbar, die prozesse durchsichtig sein. demokratie …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Großes intellektuelle Lesevergnügen gibt Evelyn Finger zu Protokoll bei diesem "ziegeldicken Arbeitsbuch" aus den Jahren 1977-1989 - ein "literaturhistorisches Fahrtenbuch aus der DDR und ihrer zweiten, endzeitlichen Hälfte", wie die Kritikerin schreibt. Die Namen der Protagonisten klingen für sie wie die Dramatis Personae eines Historiendramas, die Zensurgeschichten wie Nachrichten aus einer untergegangenen Epoche. Dennoch haben den Zeitenwechsel aus Fingers Sicht wesentliche Themen dieses Tagebuchs überdauert. Denn wenn man Volker Brauns Notate nun, ein halbes Leben später, lese, falle speziell die Zähigkeit auf, mit der dieser Schriftsteller sich von Schwierigkeit zu Schwierigkeit durchgeschlagen habe. Aus diesen mühseligen Kämpfen aber habe Braun einige "überzeitliche Prinzipien der Unvernunft" und Wahrheiten über den Anteil der Literatur an der Menschwerdung des Affen destilliert, was diese Werkstatttexte für Finger dauerhaft haltbar macht.

© Perlentaucher Medien GmbH

""Werktage" ist das künstlerische und intellektuelle Protokoll einer engagierten Schriftstellerexistenz, ein Tagebuch, wie man es sich nur wünschen kann. Es gibt Einblicke in die Erarbeitung und das Vorantreiben des eigenen Werkes, in die damit verbundenen Absichten und Schwierigkeiten; es verzeichnet Auseinandersetzungen mit geisteshistorischen Gewährsleuten wie Schiller, Marx oder Bloch, mit fernen Zeitgenossen wie Peter Weiß und näheren wie Christa Wolf, Karl Mickel und vielen anderen DDR-Kollegen. [...] Es gibt Reaktionen auf Politik und Zeitgeschehen, auf Alltagsbeobachtungen und Notizen von zahlreichen Auslandsreisen, die Braun offenbar mit einiger Freiheit unternehmen konnte. Und oftmals erscheinen, meist äußerst knapp, aber scharf umrissen, düstere Stimmungsbilder aus den Orwell'schen Räumen der Volksdemokratie, die keine war."<br />Eberhard Falcke Deutschlandfunk

»Volker Braun begegnet uns als scharfsinniger, unbestechlicher Zeitgenosse, der um seine, wie er sagt, >rabiate art< weiß - und dessen Temprament jedoch zugleich sanftmütig und heiter ist. Seine Begabung zum Spott hilft manche Unbill wegzulachen. Aber Braun stellt sich nie darüber, sondern empört sich und leidet mit.«
Volker Braun, geb. 1939 in Dresden, lebt in Berlin. Anfang der sechziger Jahre wurde der Lyriker bekannt und machte sich bald auch als wichtiger Dramatiker, Prosaautor und Essayist einen Namen. Er erhielt zahlreiche bedeutende Literaturpreise, darunter 1998 den Hans-Erich-Nossak-Preis und 2000 den Georg-Büchner-Preis. Im Jahr 2012 erhielt der den Kunstpreis seiner Geburtsstadt Dresden.
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