Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Den Denker der "weißen Nacht", der Schlaflosigkeit, in einer 2000-seitigen Werkausgabe lesen! Rezensent Ludger Lütkehaus weiß auch schon die angemessene Zeit dafür. Für ihn präsentiert sich E. M. Cioran in den vorliegenden sechzehn Essay- und Aphorismenbänden in seiner ganzen Faszination und Widersprüchlichkeit und zugleich als einer der "glänzendsten französischen Stilisten der Philosophiegeschichte". Witz und Bitternis vereinen sich für Lütkehaus, wenn Cioran die Voraussetzungen des Daseins untergräbt. Die Aufnahme biografischer Informationen zum Autor hätte der Ausgabe allerdings gut getan, meint Lütkehaus. Über Ciorans "kompromittierende Beziehungen" zur rumänischen "Eisernen Garde", über seine Verehrung für Heidegger oder sein "abgründiges" Verhältnis zur Mutter muss Lütkehaus weiterhin bei Bernd Mattheus nachschlagen. Das Glossar des Bandes findet er dafür vorzüglich, weil es einen Querschnitt durch Ciorans Denken und Schreiben bietet.
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Über die Reihe Quarto: "Die bunte Mischung folgt nicht den eingespielten Rastern und disziplinarischen Zwangsvorstellungen hier Literatur, dort Wissenschaft. Sie präsentiert Autoren so, wie man sie ja auch liest: nebeneinander und gleichzeitig. ... Insgesamt zeichnen sich die Bände der Quarto-Reihe dadurch aus, dass sie nicht nur drucktechnische Zusammenstellungen der bereits vorliegenden einzelnen Werke sind, sondern bereichert werden durch kluge, instruktive, engagierte, sich für den Autor und sein Werk zumeist leidenschaftlich einsetzende Nachworte und Kommentare."
Hans-Jürgen Heinrichs Die Presse, Wien
»In einem zugespitzten Existenzialismus verleugnete er Buch um Buch jeden Lebenssinn, lästerte Gott und blieb zugleich ein aufrichtiger Gottsucher mit ausgeprägten christlichen Wurzeln. Cioran gilt als der radikalste Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts, der wie kein anderer geschlossenen Denksystemen misstraute.«
E.M. Cioran, geb. 1911 in Rasinari bei Hermannstadt in Siebenbürgen als Sohn eines griechisch-orthodoxen Priesters. Nach einem Philosophiestudium in Rumänien 1937 Umzug nach Paris, wo Cioran bis zu seinem Tode 1995 lebte.