Leseprobe zu "Wen die Götter strafen" von Sidney Sheldon
Eiligen Schrittes lief sie einen Straßenzug vom Weißen Haus entfernt die Pennsylvania Avenue entlang, zitterte im kalten Dezemberwind, als sie das schreckliche, ohrenbetäubende Heulen der Luftschutzsirenen hörte und dann den Bomber hoch über ihr, bereit, seine tödliche Fracht abzuladen. Sie blieb stehen, wie erstarrt vor Entsetzen, umgeben von Panik und Schrecken.
Mit einem Mal war sie wieder in Sarajevo, vernahm das schrille Pfeifen der fallenden Bomben. Sie kniff die Augen zusammen, doch das Geschehen rundum konnte sie nicht ausblenden. Der Himmel stand in Flammen, und sie war taub vom Lärm der Schnellfeuergewehre, dem Donnern der Flugzeuge und dem Krachen der tödlichen Mörsergranaten. Die Gebäude in der Nähe zerbarsten, es hagelte Zement, Ziegelsteine und Staub. Entsetzte Menschen stoben nach allen Seiten davon, um dem Tod zu entrinnen.
Von weit, weit weg ertönte eine Männerstimme. "Ist alles in Ordnung?"
Langsam, vorsichtig schlug sie die Augen auf. Sie war wieder auf der Pennsylvania Avenue, im fahlen Licht der Wintersonne, und hörte das leiser werdende Geräusch einer Düsenmaschine und die Sirene eines Krankenwagens, die diese Erinnerung ausgelöst hatten.
"Miss - ist alles in Ordnung?"
Nur mühsam fand sie wieder in die Gegenwart zurück. "Ja. Mir - mir geht's gut, danke."
Er starrte sie an. "Moment mal! Sie sind Dana Evans. Ich bin ein großer Verehrer von Ihnen. Ich schaue mir jeden Abend Ihre Sendung auf WTN an, und ich habe alle Ihre Beiträge aus Jugoslawien gesehen." Er klang hellauf begeistert. "Muss ganz schön aufregend für Sie gewesen sein, von diesem Krieg zu berichten, was?"
"Ja." Dana Evans' Hals war trocken. Aufregend, wenn man mit ansehen muss, wie Menschen zerfetzt, Babys in Brunnen geworfen werden, zerrissene Körperteile wie Unrat auf einem rot verfärbten Fluss dahintreiben.
Plötzlich war ihr übel. "Entschuldigen Sie." Sie wandte sich ab und hastete davon.
Dana Evans war erst drei Monate zuvor aus Jugoslawien zurückgekehrt und ihre Erinnerungen waren noch allzu frisch. Es kam ihr geradezu unwirklich vor, bei hellem Tageslicht ohne jede Angst die Straße entlanggehen zu können, den Gesang der Vögel und das Lachen der Menschen zu hören. In Sarajevo hatte es kein Lachen gegeben, nur das Krachen der einschlagenden Granaten und die qualvollen Schreie, die darauf folgten.
John Donne hatte Recht, dachte Dana. Niemand ist eine Insel. Was einem widerfährt, widerfährt uns allen, denn wir sind alle aus Erde und Sternenstaub gemacht. Gemeinsam erleben wir das Walten der Zeit. Unerbittlich bewegt sich der große Sekundenzeiger des Universums voran, bis die nächste Minute anbricht.
In Santiago wird ein zehnjähriges Mädchen von seinem Großvater vergewaltigt...
In New York City küssen sich zwei Jungverliebte bei Kerzenschein...
In Flandern gebiert ein siebzehnjähriges Mädchen ein crackgeschädigtes Kind...
In Chicago setzt ein Feuerwehrmann sein Leben aufs Spiel, um eine Katze aus einem brennenden Haus zu retten...
In São Paulo werden hunderte von Fußballfans zu Tode getrampelt, als bei einem Punktspiel die Tribüne einstürzt...
In Pisa weint eine Mutter vor Freude, während sie zusieht, wie ihr Kind die ersten Schritte unternimmt...
All das und unendlich viel mehr ereignet sich innerhalb von nur sechzig Sekunden, dachte Dana. Und die Zeit läuft weiter, bis wir alle in der großen, unbekannten Ewigkeit enden.
Dana Evans war siebenundzwanzig Jahre alt und sah bezaubernd aus. Sie war schlank, hatte nachtschwarzes Haar, große, intelligente graue Augen, ein herzförmiges Gesicht und konnte so herzlich lachen, dass es geradezu ansteckend wirkte. Dana war ein Soldatenkind, die Tochter eines Colonels der US-Armee, der als Waffenausbilder von einem Stützpunkt zum anderen gezogen war, und durch dieses unstete Leben hatte sie von klein auf Gefallen am Abenteuer gefunden. Sie wirkte verletzlich und furchtlos zugleich - eine unwiderstehliche Mischung. Wie gebannt hatten die Menschen vor dem Fernseher gesessen, als sie ein Jahr lang vom Krieg auf dem Balkan berichtet hatte, scheinbar ungerührt inmitten des Schlachtengetümmels auf Sendung ging, ihr Leben aufs Spiel setzte und dennoch nüchtern und sachlich blieb, während ringsum Tod und Verderbnis herrschten. Und jetzt war sie sich ständig der Blicke bewusst, die man ihr zuwarf, des Getuschels, das ringsum einsetzte, wenn sie erkannt wurde. Dana Evans war ihr Bekanntheitsgrad eher peinlich.
Rasch ging sie die Pennsylvania Avenue entlang, warf einen Blick auf ihre Uhr, als sie am Weißen Haus vorüberhastete. Ich komme zu spät zur Konferenz, dachte sie.
Der Firmensitz der Washington Tribune Enterprises befand sich an der Sixth Street NW und bestand aus insgesamt vier Gebäuden, die einen ganzen Straßenzug einnahmen - die Druckerei, die Zeitungsredaktion, ein Hochhaus für die Verwaltung und Geschäftsleitung und der Fernsehsender. Die Fernsehstudios des Washington Tribune Network waren im fünften Stock von Haus Nummer vier untergebracht. Hier, wo zahllose Menschen in ihren Kabuffs an den Computern arbeiteten, herrschte stets hektisches Treiben. Ständig gingen neueste Nachrichten von gut einem halben Dutzend Presseagenturen rund um den Globus ein. Dieser gewaltige Apparat erstaunte und faszinierte Dana stets aufs Neue.
Hier hatte Dana auch Jeff Connors kennen gelernt. Jeff, einst ein ausgezeichneter Pitcher in der höchsten Baseball-Liga, bis er sich bei einem Skiunfall den Arm gebrochen hatte, war Sportreporter bei WTN und schrieb zudem eine tägliche Kolumne für die Washington Tribune und alle ihr angeschlossenen Presseorgane. Er war Mitte Dreißig, groß und schlank, wirkte jungenhaft und hatte eine locker-lässige Art an sich, mit denen er die Menschen für sich einnahm. Jeff und Dana hatten sich ineinander verliebt und schmiedeten Heiratspläne.
In den drei Monaten seit Danas Rückkehr aus Sarajevo hatte sich in Washington allerhand getan. Leslie Stewart, der frühere Besitzer der Washington Tribune, hatte seine Anteile abgestoßen und sich zurückgezogen, und das Unternehmen war von Elliot Cromwell aufgekauft worden, einem international tätigen Medientycoon.
Die morgendliche Konferenz mit Matt Baker und Elliot Cromwell musste jeden Moment beginnen. Als Dana eintraf, wurde sie von Abbe Lasmann begrüßt, Matts reizvoller rothaariger Sekretärin.
"Die Herren erwarten Sie bereits", sagte Abbe.
"Danke, Abbe." Dana ging in das Eckzimmerbüro. "Matt... Elliot..."
"Sie sind spät dran", knurrte Matt Baker.
Baker war ein kleiner, grauhaariger Mann von Anfang fünfzig, blitzgescheit und umtriebig, aber oft auch barsch und ungeduldig. Stets trug er zerknitterte Anzüge, die aussahen, als hätte er darin geschlafen, und Dana vermutete, dass dem auch so war. Er leitete WTN, die Fernsehabteilung der Washington Tribune Enterprises.
Elliot Cromwell war Mitte sechzig, ein freundlicher, aufgeschlossener Mann, der oft und gern lächelte. Er war Milliardär, aber es gab zig verschiedene Versionen darüber, wie er sein riesiges Vermögen angehäuft hatte, darunter auch einige weniger schmeichelhafte. In der Medienbranche, wo es doch in erster Linie um die Verbreitung von Informationen geht, war er allen ein Rätsel.
Er wandte sich Dana zu. "Matt sagt, dass wir die Konkurrenz wieder schlagen", sagte er. "Ihre Quoten steigen weiter."
"Das höre ich gern, Elliot."
"Dana, ich verfolge jeden Abend Dutzende von Nachrichtensendungen, aber Ihre ist anders als alle übrigen. Ich weiß nicht genau, warum, aber sie gefällt mir."
Dana hätte Elliot Cromwell den Grund erklären können. Andere Nachrichtensprecher trugen die neuesten Ereignisse einem gesichtslosen Millionenpublikum vor, ohne auf ihre Zuschauer in irgendeiner Weise einzugehen. Dana indessen hatte beschlossen, die Sache persönlich zu gestalten. An einem Abend stellte sie sich vor, dass sie mit einer einsamen Witwe sprach, am nächsten mit einem gebrechlichen, hilflos ans Bett gefesselten Menschen, am dritten mit einem Handelsvertreter, der irgendwo fern von seiner Familie allein vor dem Fernseher saß. Ihre Nachrichten klangen eindringlich und direkt, und die Zuschauer mochten sie und reagierten entsprechend darauf.
"Meines Wissens haben Sie heute Abend einen interessanten Gast zum Interview eingeladen", sagte Matt Baker.
Dana nickte. "Gary Winthrop."
Gary Winthrop war Amerikas Märchenprinz. Er entstammte einer der bekanntesten Familien des Landes, ein gut aussehender Mann in den besten Jahren mit viel Charisma.
"Er tritt nicht gern in der Öffentlichkeit auf", sagte Cromwell. "Wie haben Sie ihn dazu bewegen können?"
"Wir haben ein gemeinsames Hobby", erklärte ihm Dana.
Cromwell furchte die Stirn. "Wirklich?"
"Ja." Dana lächelte. "Ich gucke mir gern einen Monet oder van Gogh an, und er kauft sie gern. Aber im Ernst - ich habe ihn schon mal interviewt, und wir haben uns angefreundet. Wir bringen einen Bericht über die Pressekonferenz, die er heute Nachmittag gibt. Danach kommt mein Interview."
"Wunderbar." Cromwell strahlte.
Die nächste Stunde sprachen sie über die neue Sendung, die die Fernsehgesellschaft plante, ein einstündiges Kriminalmagazin mit dem Titel Alibi, das Dana produzieren und moderieren sollte. Es sollte zweierlei Zwecken dienen: Zum Einen auf Justizirrtümer und Unrecht aufmerksam machen, damit man sie wieder gutmachen konnte, und zum Zweiten das Publikum dazu anhalten, beim Lösen ungeklärter Kriminalfälle mitzuwirken.
"Es gibt jede Menge Magazinsendungen", warf Matt warnend ein. "Folglich müssen wir besser sein als die anderen. Ich möchte, dass wir mit einem richtigen Hammer anfangen. Irgendwas, was die Zuschauer fesselt und -"
Die Gegensprechanlage summte. Matt Baker drückte eine Taste. "Ich habe doch gesagt, keine Anrufe. Warum -?"
Abbes Stimme drang aus dem Lautsprecher. "Tut mir Leid. Ein Gespräch für Miss Evans. Jemand aus Kemals Schule ist dran. Es klingt dringend."
Beklommen und mit heftigem Herzklopfen ging Dana ans Telefon. "Hallo... Ist mit Kemal alles in Ordnung?" Sie hörte einen Moment lang zu. "Aha... Ich verstehe... Ja, ich komme gleich vorbei." Sie legte den Hörer auf.
"Was ist los?", fragte Matt.
"Ich soll zur Schule kommen und Kemal abholen", sagte Dana.
Elliot Cromwell runzelte die Stirn. "Ist das der Junge, den Sie aus Sarajevo mitgebracht haben?"
"Ja."
"Eine tolle Geschichte."
"Ja", sagte Dana verhalten.
"Haben Sie den nicht auf irgendeinem Grundstück aufgestöbert?"
"So ist es", erwiderte Dana.
"Er hatte irgendeine Krankheit oder so was Ähnliches?"
"Nein", sagte sie entschieden, weil sie keine Lust hatte, über diese Zeit zu reden. "Kemal hat einen Arm verloren. Er wurde von einer Bombe weggerissen."
"Und Sie haben ihn adoptiert."
"Offiziell noch nicht, Elliot. Aber ich habe es vor. Vorerst bin ich nur sein Vormund."
"Nun denn, holen Sie ihn ab. Über Alibi sprechen wir später weiter."
Als Dana in der Theodore Roosevelt Middle School eintraf, begab sie sich unverzüglich zum Rektorat. Vera Kostoff, die stellvertretende Schulleiterin, eine verhärmt wirkende, vorzeitig ergraute Frau um die fünfzig, saß an ihrem Schreibtisch. Kemal hockte ihr gegenüber. Er war zwölf Jahre alt, klein für sein Alter, schmal und blass, hatte zerzauste blonde Haare und ein trotziges Kinn. Sein rechter Hemdsärmel hing leer herunter. Hier in diesem Zimmer wirkte er noch schmächtiger als sonst.
Als Dana in das Büro kam, spürte sie sofort die Spannung, die in der Luft lag.
"Hallo, Mrs. Kostoff", sagte sie mit strahlender Miene. "Kemal."
Kemal starrte auf seine Schuhe.
"Soweit ich weiß, ist irgendetwas vorgefallen", fuhr Dana fort.
"Ja, das kann man wohl sagen, Miss Evans." Sie reichte Dana ein Blatt Papier.
Dana schaute verdutzt darauf. Vidja stand dort, pizda, zbosti, fukati, nezakonski otrok, umreti, tepec. Sie blickte auf. "Ich - ich verstehe nicht recht. Das ist Serbisch, nicht wahr?"
"So ist es", erwiderte Mrs. Kostoff verkniffen. "Kemal hat das Pech, dass ich zufällig Serbin bin. Diese Ausdrücke hat Kemal im Unterricht gebraucht." Ihr Gesicht war rot angelaufen. "So drücken sich nicht einmal serbische Lastwagenfahrer aus, Miss Evans, und ich lasse mir von diesem Knaben hier keine solchen Kraftausdrücke bieten. Kemal hat mich eine pizda geheißen."
"Eine pi-?", sagte Dana.
"Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Kemal noch nicht lange in diesem Land weilt, und ich habe mich wirklich um Nachsicht bemüht, aber sein - sein Betragen ist abscheulich. Ständig ist er auf Streit aus, und als ich ihn heute Morgen getadelt habe, hat er - hat er mich beleidigt. Das geht zu weit."
"Sie sind sich doch sicherlich bewusst, wie schwer er sich hier tut, Mrs. Kostoff, und -"
"Wie schon gesagt, ich bin durchaus nachsichtig mit ihm, aber er stellt meine Geduld auf eine harte Probe."
"Ich verstehe." Dana blickte zu Kemal. Er starrte nach wie vor mürrisch auf seine Schuhe.
"Ich hoffe, dass dies der letzte derartige Vorfall war", sagte Mrs. Kostoff.
"Ich auch." Dana stand auf.
"Ich habe Kemals Zeugnis für Sie." Mrs. Kostoff öffnete eine Schublade, zog ein Blatt Papier heraus und reichte es Dana.
"Danke", sagte Dana.
Auf der Heimfahrt schwieg Kemal.
"Was soll ich nur mit dir machen?", sagte Dana. "Wieso bist du ständig auf Streit aus, und weshalb benutzt du solche Ausdrücke?"
"Ich hab nicht gewusst, dass sie Serbisch kann."
"Ich muss wieder ins Studio, Kemal", sagte sie, als sie vor ihrem Wohnhaus anlangten. "Kommst du hier allein klar?"
"Top."
Als Kemal das zum ersten Mal zu ihr gesagt hatte, hatte Dana gedacht, er hätte sie nicht verstanden, doch sie begriff rasch, dass dies zu dem Geheimjargon gehörte, den die jungen Leute sprachen. "Top" hieß so viel wie "ja". Angehörige des anderen Geschlechts wurden als "Knies" bezeichnet - knackig, niedlich und scharf. Alles war entweder cool oder geil, krass oder mega. Wenn ihm etwas nicht gefiel, war es ätzend.
Dana holte das Zeugnis heraus, das Mrs. Kostoff ihr gegeben hatte. Sie kniff die Lippen zusammen, als sie es las. Geschichte vier. Englisch vier. Naturkunde vier. Sozialkunde sechs. Mathematik eins.
Ach Gott, was soll ich nur machen?, dachte Dana, während sie das Zeugnis betrachtete. "Darüber sprechen wir ein andermal", sagte sie. "Ich bin spät dran."
Kemal war Dana ein Rätsel. Wenn sie beisammen waren, benahm er sich tadellos, er war liebevoll, zuvorkommend und reizend. Am Wochenende zogen Dana und Jeff mit ihm kreuz und quer durch Washington, gingen in den National Zoo mit seinem sehenswerten Aufgebot an wilden Tieren und betrachteten die aus den Dschungeln Chinas stammenden Riesenpandas. Sie besuchten das National Air & Space Museum, wo sie Kemal die von der Decke baumelnde Maschine zeigten, mit der die Gebrüder Wright den ersten Motorflug unternommen hatten, besichtigten das Skylab und fassten das Mondgestein an. Sie gingen ins Kennedy Center und zum Arena Stage. Sie luden Kemal zu einer Pizza bei Tom Tom ein, zu Tacos bei Mextec und Brathähnchen nach Südstaatenart bei Georgia Brown's. Kemal genoss jede einzelne Sekunde. Er liebte diese gemeinsamen Unternehmungen mit Dana und Jeff über alles.
Doch wenn Dana zur Arbeit gehen musste, verwandelte sich Kemal in einen anderen Menschen. Er wurde feindselig und widerspenstig. Dana konnte auf Dauer keine Haushaltshilfe halten, und die Mädchen, die abends auf Kemal aufpassten, erzählten die reinsten Horrorgeschichten.
Jeff und Dana versuchten gütlich auf ihn einzuwirken, doch es nützte nichts.
Vielleicht braucht er psychologischen Beistand, dachte Dana. Sie hatte keine Ahnung, welche Ängste und Schrecken Kemal plagten.
Die Abendnachrichten von WTN gingen über den Äther. Richard Melton, Danas gut aussehender Ko-Moderator, und Jeff Connors saßen neben ihr.
"...und nun zum Ausland", sagte Dana gerade. "Zwischen England und Frankreich gibt es nach wie vor Reibereien wegen des Rinderwahnsinns. Ein Bericht von René Linaud aus Reims."
"Schalten Sie auf Satellit", befahl Anastasia Mann im Regieraum.
Eine Viehweide inmitten einer typisch französischen Landschaft tauchte auf den diversen Bildschirmen auf.
Die Studiotür ging auf, und etliche Männer kamen herein und gingen auf das Moderatorenpult zu.
Alle blickten auf. "Dana, Sie kennen doch Gary Winthrop", sagte Tom Hawkins, der ehrgeizige junge Produzent der Abendnachrichten.
"Natürlich."
Leibhaftig sah Gary Winthrop noch besser aus als auf den Fotos. Er war Mitte vierzig, hatte strahlend blaue Augen, lächelte freundlich und sprühte förmlich vor Charme.
"So trifft man sich wieder, Dana. Danke, dass Sie mich eingeladen haben."
"Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind."
Dana blickte sich um. Ein halbes Dutzend Sekretärinnen, die alle so taten, als hätten sie hier etwas Dringendes zu tun, tummelte sich mit einem Mal im Studio. Gary Winthrop ist so was bestimmt gewohnt, dachte Dana amüsiert.
"Ihr Beitrag kommt in ein paar Minuten. Setzen Sie sich doch zu mir. Das ist Richard Melton." Die beiden Männer schüttelten sich die Hand. "Jeff Connors kennen Sie ja bestimmt, nicht wahr?"
Leseprobe zu "Wen die Götter strafen" von Sidney Sheldon
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Die Redaktion bereitete sich auf die Abendnachrichten vor. Dana saß in Studio A am Moderatorenpult und sah die letzten Änderungen im Text durch. Den ganzen Tag über waren von den Presseagenturen und von der Polizei die neuesten Nachrichten eingegangen, überprüft und ausgewählt oder verworfen worden.
Neben Dana saßen Jeff Connors und Richard Melton. Anastasia Mann zählte mit ausgestreckten Fingern die Sekunden bis Sendebeginn ab. Dann blinkte das rote Licht an der Kamera auf.
»Es ist dreiundzwanzig Uhr«, ertönte die Stimme des Ansagers. »Hier sind die neuesten Nachrichten, live auf WTN mit Dana Evans« – Dana lächelte in die Kamera – »und Richard Melton.« Melton blickte in die Kamera und nickte. »Dazu Jeff Connors mit dem Neuesten vom Sport und Marvin Greer mit dem Wetter. Hier sind die Ereignisse des Tages.«
Dana schaute in die Kamera. »Guten Abend. Ich bin Dana Evans.« Richard Melton lächelte. »Und ich bin Richard Melton.«
Dana las vom Teleprompter ab. »Zunächst unser heutiges Hauptthema. Nach einer Verfolgungsjagd stellte die Polizei heute zwei Männer, die ein Spirituosengeschäft in der Innenstadt überfallen wollten.« »Band ab.«
Auf dem Monitor war die Kabine eines Hubschraubers von innen zu sehen. Norman Bronson, ein ehemaliger Pilot der Marineinfanterie, steuerte den WTN-Helikopter. Neben ihm saß Alyce Barker. Dann schwenkte die Kamera nach unten, zum Boden, wo drei Polizeiwagen um eine Limousine herumstanden, die einen Baum gerammt hatte. »Zu der Verfolgungsjagd kam es, nachdem zwei Männer den Haley Liquor Store an der Pennsylvania Avenue betreten und die Tageseinnahmen verlangt hatten. Der Verkäufer weigerte sich, drückte den Alarmknopf und verständigte dadurch die Polizei. Die Räuber ergriffen die Flucht, worauf die Polizei die Verfolgung aufnahm, bis die Verdächtigen nach rund sechs Kilometern mit ihrem Wagen gegen einen Baum stießen.«
Die wilde Jagd war vom neuen Hubschrauber des Senders aus aufgenommen worden. Wirklich toll, dass Matt Elliot dazu gebracht hat, einen neuen Helikopter zu kaufen, dachte Dana. Damit stehen uns ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Danach kamen drei weitere Beiträge, ehe ihnen die Regisseurin das Zeichen gab, dass eine Werbepause anstand. »Wir sind gleich wieder für Sie da«, sagte Dana.
Der erste Werbespot kam.
Richard Melton wandte sich an Dana. »Hast du mal rausgeschaut? Da draußen ist der Deibel los.«
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