Was die wilden Wellen sagen - Hagena, Katharina

Katharina Hagena 

Was die wilden Wellen sagen

Der Seeweg durch den 'Ulysses'

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Was die wilden Wellen sagen

Joyce-Expertin Katharina Hagena, die sich ganz der Ergründung des schier unergründlichen Ulysses verschrieben hat, eröffnet mit dem Seeweg eine ebenso abenteuerliche wie höchst vergnügliche Reiseroute durch das gewaltige Jahrhundertwerk - und erfüllt Joyce en passant einen sehnlichen Wunsch: »Dass endlich mal jemand sagt, dass das Buch verdammt lustig ist.« »Katharina Hagenas schöner, kluger Essay ist (...) nicht nur ein must für uns bekanntermaßen verrückte Joyceans. Er ist mindestens ein should für alle anderen: Er handelt von einem Roman, der vom Leben handelt - von nichts weniger« Pieke Biermann, Deutschlandradio Kultur

«Ich würde gern mal was Kleines übers Meer schreiben», hat James Joyce gegen Ende seines Lebens einmal gesagt. Längst hatte er zu diesem Zeitpunkt mit dem Ulysses nicht nur den wichtigsten Roman des zwanzigsten Jahrhunderts vorgelegt, sondern auch ein Buch, das sich bei genauerem Hinsehen von der ersten bis zur letzten Seite als meerdurchrauscht und sturmumtost entpuppt. Im Ulysses erzählt Joyce einen Tag im Leben des Annoncenverkäufers Leopold Bloom, der sich auf eine Irrfahrt durch die Straßen und Kneipen Dublins begibt. Während das Wasser dabei auf der ersten Seite lediglich in einer Rasierschüssel schwappt, brandet schon bald Brecher um Brecher an, taumeln hungerschwere Möwen durch den Himmel, tanzen Sirenen in Seidenstrümpfen, spinnen Vollmatrosen Seemannsgarn, steigen, wirbeln, toben Sintfluten, Maelströme, Wasserhosen; kurz: Joyce zelebriert «die skrotumzusammenziehende See» und zwar mit allem, was dazugehört. Joyce-Expertin Katharina Hagena, die sich ganz der Ergründung des schier unergründlichen Ulysses verschrieben hat, eröffnet mit dem Seeweg eine ebenso abenteuerliche wie höchst vergnügliche Reiseroute durch das gewaltige Jahrhundertwerk und erfüllt Joyce en passant einen sehnlichen Wunsch: «Dass endlich mal jemand sagt, dass das Buch verdammt lustig ist.»


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 178 S.
  • Seitenzahl: 178
  • Fischer Taschenbücher Bd.18458
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 126mm x 15mm
  • Gewicht: 150g
  • ISBN-13: 9783596184583
  • ISBN-10: 3596184584
  • Best.Nr.: 25576240

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Katharina Hagena hat sich für ihre literatur- und sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Joyce'schen Ulysses das "Meer und Meerhafte" vorgenommen, was die Rezensentin Gabrielle Alioth durchaus interessant findet. Angesichts der Analyse, die sich vom homerischen Urtext über fabelhafte Meeresbewohner wie den Sirenen bis zu Erscheinungsformen des Meeres in Wirbeln und Wellen erstreckt, löse sich der Text geradezu auf. Obwohl die Autorin zuweilen linguistischen Haarspaltereien, wie sie in der Joyce-Forschung nicht selten anzutreffen sind, nicht ganz entgeht, sei der Verzicht auf ein abschließendes Urteil zu loben und als Einladung an den Leser zu verstehen, sich mit und auf der Sprache treiben zu lassen, so die Rezensentin, der dies offenbar gelungen ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Katharina Hagena, geboren 1967 in Karlsruhe, Sie studierte Anglistik und Germanistik in Marburg, London und Freiburg und promovierte über James Joyce. Sie erhielt ein Forschungsstipendium der Zürcher James-Joyce-Stiftung und arbeitete als Lektorin am Trinity College in Dublin. Heute lehrt sie englische Literatur an der Universität Hamburg und schreibt an einem Buch über Türme in der Literatur.

Blick ins Buch "Was die wilden Wellen sagen"


Leseprobe zu "Was die wilden Wellen sagen" von Katharina Hagena

""Wir müssen gefährlich schreiben", sagt Joyce. Wohl wahr, aber wir müssen auch gefährlich lesen! Eine Irrfahrt ist die angemessene Fortbewegungsart durch diesen Roman, obwohl und zugleich weil er gemeinhin als"Großstadtroman"gehandelt wird. Dublin ist aber eine eher kleine Stadt - verglichen mit den Städten aus Berlin Alexanderplatz und Manhattan Transfer. Auch wenn die Irrfahrt von Joyce Odysseus Leopold Bloom durch die staubtrockenen, von der Junisonne aufgeheizten Straßen und Gässchen der irischen Hauptstadt führt, so ist das Meer niemals weit entfernt. Die Viertel dieser Stadt sind ebenso meerdurchrauscht wie die Inseln und Irrfelsen der Odyssee.
Obwohl nur drei der 18 Episoden des Ulysses tatsächlich am Strand spielen, ist das Meer in jedem einzelnen Kapitel immer anwesend."Thalatta, Thalatta!"- jener griechische Schrei aus dem ersten Kapitel hallt durch alle Seiten des Ulysses und findet sein Echo im letzten Kapitel, wo Molly Bloom, Leopolds Frau, im Halbschlaf murmelt:"Oh und das Meer das Meer". Was erst harmlos mit etwas Wasser in einer Rasierschüssel beginnt, weitet sich bald aus zur großen"rotzgrünen See". Wasser ist Gegenstand und Medium der Tagträume und Bewusstseinsströme der Romanfiguren. Unterirdisch wie die verzweigte Dubliner Kanalisation verläuft das Wasser dicht unter der Oberfläche des Textes, schimmert auf und verschwindet wieder. Erst im vorletzten Kapitel bahnt es sich seinen Weg nach oben und schießt in einem alles überschwemmenden Wortschwall aus Blooms Küchenhahn, der für einen kosmischen - und zugleich komischen - Augenblick zum Urquell des Lebens und ozeanischen Weltumgürter wird."

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