Warum tötest du, Zaid? - Todenhöfer, Jürgen
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Jürgen Todenhöfer 

Warum tötest du, Zaid?

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Warum tötest du, Zaid?

Die erschütternde Geschichte des 22-jährigen Irakers Zaid, der vom Studenten zum Widerstandskämpfer gegen die US-Streitkräfte wurde

Jürgen Todenhöfer traf Menschen im Irak, über die wir kaum etwas wissen: Menschen wie den jungen Zaid, der in seinem Leben vor allem Not und Krieg kennengelernt hat. In bewegenden Worten erzählt er seine Geschichte, wie er und seine Mitstreiter sowohl gegen die alliierten Besatzungstruppen als auch gegen den Terror von Al Qaida im eigenen Land kämpfen. Im Krieg hat er fast alles verloren. Seine Brüder wurden von GI' s erschossen. Dann schloss sich der junge Student einer Widerstandsgruppe an und hat selbst Menschen getötet. Jürgen Todenhöfer zeichnet ein lebendiges, authentisches Bild des Irak und der islamischen Welt wie wir es aus der Berichterstattung nicht kennen.

Jürgen Todenhöfer, dessen Bestseller 'Wer weint schon um Abdul und Tanaya?' und 'Andy und Marwa' für Furore sorgten, hat sich undercover auf den Weg gemacht, um Vertreter des irakischen Widerstands zu Wort kommen zu lassen. So begegnen wir etwa Yussuf, einem Christen, der Seite an Seite mit Muslimen kämpft, Aisha, die für die Mütter der Widerstandskämpfer spricht, und dem 22-jährigen Zaid, der vom Studenten zum Widerstandskämpfer wurde. Er spricht offen mit Jürgen Todenhöfer über seine Motive und die politischen Ziele der Gruppe. Dabei offenbaren sich nicht nur bewegende Kriegsschicksale - die Interviewpartner machen auch deutlich, dass die irakischen Widerstandsgruppen sich mehrheitlich von dem Al-Qaida-Terrorismus mit seinen Selbstmordattentaten distanzieren und diesen ohne US-Truppenpräsenz besiegen wollen. Der Autor bezieht deutlich Stellung: Er sieht den Westen mit seiner Tradition von Gewalt und Ignoranz gegenüber der islamischen Welt maßgeblich in der Verantwortung und fordert zur Eindämmung des Terrorismus eine Neuausrichtung der Politik.

"Unser Horizont ist nicht das Ende der Welt." Jürgen Todenhöfer

"Ein engagiertes Plädoyer für den Humanismus." Leipziger Volkszeitung

"Spannend. Bedrückend. Erhellend." Daniel Kaiser, NDR Info

"Unser Horizont ist nicht das Ende der Welt." -- Jürgen Todenhöfer

"Ein engagiertes Plädoyer für den Humanismus." -- Leipziger Volkszeitung

"Spannend. Bedrückend. Erhellend." -- Daniel Kaiser, NDR Info


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 335 S. m. Farbfotos auf Taf.
  • Seitenzahl: 335
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15564
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 125mm
  • Gewicht: 342g
  • ISBN-13: 9783442155644
  • ISBN-10: 3442155649
  • Best.Nr.: 25574540
"Unser Horizont ist nicht das Ende der Welt." Jürgen Todenhöfer

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.05.2008

Wut auf die Besatzer
Jürgen Todenhöfers Under-Cover-Recherchen im Irak
Von Konvertiten sagt man, sie seien in ihrem Einsatz für den neuen Glauben besonders eifrig. Jürgen Todenhöfers Engagement trägt die Züge eines Bekehrten. Der einstige Kalte Krieger hat sich aufgemacht vom rechten Rand der CDU, für die er 18 Jahre lang im Bundestag saß, und hat seine Mission gefunden als wortgewaltiger Kritiker von Amerikas Kriegen. So wichtig ist ihm seine neue Weltsicht, dass er jeweils vier ganze Anzeigenseiten in der New York Times, in Al-Quds, Al-Arabi und der Frankfurter Allgemeinen aus der eigenen Tasche bezahlt hat, um seine zehn Thesen zur Verteidigung der muslimischen Kultur unters Volk zu bringen.
„Nichts fördert den Terrorismus mehr als die ,Antiterrorkriege‘ des Westens”, lautete eine der Todenhöfer-Thesen. Eine andere: „Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung ermordet.” Der 67-Jährige will dem Betrachter auch den optischen Beleg zu seinen zehn Geboten nicht ersparen, wobei die grausamsten Bilder (von abgeschnittenen Algerier-Köpfen aus …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.03.2008

Sind wir die Terroristen?
Früher sagten Parteifreunde, er habe nicht alle Tassen im Schrank. Heute tut Jürgen Todenhöfer komplett verrückte Dinge: Er spricht die Wahrheit über den Irakkrieg aus

Den Irak wegen Al Qaida anzugreifen ist, als ob man Deutschland wegen der Skinheads bombardieren würde.

Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Schüler kennt diesen Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber - im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers. Schließlich ist der Mehrheit längst klar, was von den Argumenten für den Irakkrieg zu halten ist, der erschütternde Film "Leading to War", kostenlos einsehbar auf der gleichnamigen Website, kommt daher völlig ohne Kommentar aus. Der Krieg tobt ohne Berechtigung, aber nicht weniger heftig.

Seit fünf Jahren …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Überwiegend zustimmend hat Christiane Schlötzer dieses Buch Jürgen Todenhöfers gelesen, das seine Under-Cover-Recherchen aus dem Irak versammelt. Sie nennt den Medienmanager und ehemaligen Bundestagsabgeordneten einen "wortgewaltiger Kritiker" des amerikanischen "Anti-Terror-Kreuzzugs". In vorliegendem Buch berichte Todenhöfer von seiner durchaus riskanten Reise nach Ramadi, der Hauptstadt der irakischen Provinz Anbar, wo er sich als Arzt ausgegeben und mit "Widerstandskämpfern" gesprochen habe. Schlötzer hebt hervor, dass der Autor deren Aktionen und Anschläge nicht rechtfertige, sie aber "zumindest nachvollziehen" könne. Bisweilen mutet Schlötzer das Buch etwas plakativ an und Todenhöfer wirkt auf sie wie ein "moderner Robin Hood". Doch trotz des in ihren Augen etwas aufgeblasenen Aufklärungs-Gestus des Autors muss sie feststellen: "Der Mann hat in vielem einfach recht."

© Perlentaucher Medien GmbH

"Unser Horizont ist nicht das Ende der Welt." Jürgen Todenhöfer

Hans-Martin Lohmann ist sehr beeindruckt von diesem Buch des früheren Politikers und heutigen Medienmanagers mit Hang zur arabischen Welt. Und auch der Analyse kann er zustimmen, wonach es zwar auch einen blutigen Al-Qaida-Terrorismus im Irak gebe, vor allem aber einen legitimen Widerstand des irakischen Volkes gegen die amerikanische Besatzung, "das jedes Maß und jede Moral verloren hat", so Lohmann, der versichert, dass Todenhöfers Analyse historisch gut fundiert sei. Der im Titel zitierte Zaid tötet übrigens, um "Freiheit und Würde seines Volkes" wiederherzustellen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, war bis 2008 Manager eines europäischen Medienunternehmens, davor 18 Jahre lang Bundestagsabgeordneter und Sprecher der Unionsparteien für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Er schrieb die Bestseller "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?", "Andy und Marwa – zwei Kinder und der Krieg", "Warum tötest du, Zaid?" und "Teile dein Glück". Mit seinen Buchhonoraren hat er u.a. ein Kinderheim in Afghanistan und ein Kinderkrankenhaus im Kongo gebaut sowie ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt finanziert.

Leseprobe zu "Warum tötest du, Zaid?"

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Leseprobe zu "Warum tötest du, Zaid?" von Jürgen Todenhöfer

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Leseprobe zu "Warum tötest du, Zaid?" von Jürgen Todenhöfer

"Ismahuli" - "Zugehört", ruft der kleine, alte Märchenerzähler in der Teestube Al-Nofara in Damaskus und schlägt mit seinem breiten Schwert auf einen hochbeinigen schwarzen Metallschemel. Einige Gäste zucken zusammen, die meisten rücken lachend ihre Stühle zurecht. Es dämmert in Damaskus, überall gehen die Lichter an. Auch im Al-Nofara.

Die Teestube liegt in der Nähe der Grabstätte Saladins, eines der größten muslimischen Helden, im Schatten der 1300 Jahre alten Omaijaden-Moschee. Sie ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Syrer jeden Alters, aber auch einige Touristen aus Frankreich und England, trinken aus kleinen Gläsern schwarzen Tee mit frischen Pfefferminzblättern.

An der Holzwand gegenüber dem Eingang sitzt in einem grün-rot-gold bemalten Holzsessel, leicht erhöht durch ein Podest, Abu Shadi, der Märchenerzähler von Damaskus. Er ist angeblich der letzte echte "Hakkawati" der arabischen Welt. Wie in alten Zeiten in Syrien üblich, trägt er eine hellgraue Saderiah, eine Art Gehrock, mit gleichfarbigem Hemd und Pluderhosen. Ein etwa fünfzehn Zentimeter breiter, rot-silbern gemusterter "Kummerbund" umspannt sein Bäuchlein. Auf dem Kopf trägt er einen roten Fez, in Syrien "Tarbouch" genannt, der seinem zerknitterten Gesicht manchmal etwas Erhabenes gibt.

"Ismahuli", ruft er ein zweites Mal und beginnt mit lauter, melodischer Stimme aus einem großen schwarzen Buch die uralte Legende von Antar bin Shaddat, dem Sklaven, zu erzählen. Gespannt folgt das Publikum seiner gestenreich vorgetragenen Geschichte, antwortet lachend auf seine Fragen und freut sich, wenn er die Erzählung von Zeit zu Zeit schelmisch blickend mit einem kleinen Scherz oder einer Anekdote unterbricht.

Oft muss Abu Shadi über seine Zuhörer und über sich selbst lachen. Dann rutscht ihm seine große Metallbrille fast über die Nasenspitze. Die Idee mit den Anekdoten hat er, wie er mir später erzählt, dem früheren Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow, abgeschaut. Der habe seine endlosen Reden auch immer mit Scherzen aufgelockert.

Wenn Abu Shadi findet, dass seine Gäste nicht aufmerksam genug zuhören, schlägt er mit seinem stumpfen Schwert krachend auf den Metallschemel, und schon sind alle Augen und Ohren wieder bei ihm. Mit leuchtendem Blick folgen ihm die Zuhörer auf seine Reise in die Vergangenheit. Es ist, als ob er sie auf einem fliegenden Teppich in ein fernes Wunderland entführte - weit weg vom grauen Alltag der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Doch plötzlich ertönt aus Abu Shadis Brusttasche ein recht unromantisches Handyklingeln, und schon landen alle ganz unvermittelt wieder im Hier und Jetzt. Schmunzelnd bittet Abu Shadi den ungebetenen Anrufer aus der Gegenwart, zu einem späteren Zeitpunkt anzurufen - er befinde sich gerade weit weg auf einer wichtigen Reise. Das Publikum prustet vor Lachen.

Mit einem Schwertschlag stellt Abu Shadi die Ruhe wieder her und nimmt seine Zuhörer erneut mit auf seinen Märchenflug in die ruhmreiche Vergangenheit Arabiens. Er fährt fort, die Geschichte des Sklaven Antar zu erzählen, der durch heldenhaften Kampf die heiß ersehnte Freiheit erlangt. Erzählt Abu Shadi die Geschichte der arabischen Völker?

Vor mir liegt das Manuskript meines Buches, das ich vor wenigen Tagen beendet habe. Es ist die Geschichte des jungen Irakers Zaid, der ebenfalls für seine Freiheit, für die Freiheit seines Volkes kämpft. Ob Zaids Geschichte genauso gut ausgehen wird wie die Legende von Antar dem Sklaven, weiß ich nicht.

Ich weiß auch nicht genau, warum ich nochmals zu Abu Shadi, dem Hakkawati von Damaskus, wollte, bevor ich mein Manuskript abgebe. Irgendwas zog mich fast magisch in die schummrige Teestube zurück, in der ich schon vor zwei Jahren seinen Märchen gelauscht hatte. Ich wollte noch einmal die strahlenden Augen seiner Zuschauer sehen, wenn er von den Heldentaten längst vergangener Zeiten berichtet.

Ich mag diesen alten Mann, den sein Vater als Kind immer in die Cafés der Märchenerzähler mitschleppte und dessen großer Traum es war, selbst einmal Hakkawati zu werden. Jetzt ist er es, und nun verzaubert er alle Menschen mit seiner schelmisch-melodischen Stimme - auch mich, obwohl ich kein Wort Arabisch verstehe. So sitze ich in einer Ecke des Teehauses Al-Nofara und ziehe an meiner Wasserpfeife. Meine Gedanken aber sind weit weg. Sie sind bei Zaid und seinen Freunden.

Die Geschichte der arabischen Völker ist eine Geschichte großer Siege und großer Niederlagen. In den letzten zweihundert Jahren allerdings gab es nicht mehr viel zu feiern. Der einsetzende Kolonialismus hat die arabische, ja die gesamte muslimische Zivilisation weit zurückgeworfen.

Einige Episoden der arabischen Tragödie habe ich selbst miterlebt. Als zwanzigjähriger Student bereiste ich 1960 während des Algerienkrieges das von Frankreich besetzte maghrebinische Land. In Algier wohnte ich bei einer arabischen Familie und bekam jeden Abend ab Eintritt der Dunkelheit die Angst der Menschen vor dem Krieg und vor den Anschlägen der französischen Untergrundbewegung OAS mit, die mit terroristischen Methoden für den Verbleib Algeriens bei Frankreich kämpfte.

Nach zehn Tagen Algier fuhr ich in einem Überlandzug in den Osten Algeriens, nach Constantine. Auf der Fahrt habe ich mich stundenlang mit fröhlich bechernden deutschen und englischen Fremdenlegionären über ihre "Heldentaten" unterhalten. Eine Szene werde ich nie vergessen:
Als sich der Zug in Algier ruckelnd in Bewegung setzte, ließ sich einer der Fremdenlegionäre - es war ein Deutscher - von einem neben dem Zug herlaufenden arabischen Jungen einen Kasten Limonade geben. Der kleine Algerier, er war vielleicht sieben Jahre alt, strahlte über das ganze Gesicht. Der Legionär stellte den Kasten mit der einen Hand auf die Fensterkante, mit der anderen kramte er in seiner Hosentasche nach Geld. Er nahm sich viel Zeit. Der Zug nahm Fahrt auf.

Der kleine Junge trabte neben dem Waggon her und begann um sein Geld zu betteln. Der Legionär aber schaute ihn nur spöttisch an. Als der Zug schneller wurde und der Junge flehentlich zu weinen anfing, nahm der Soldat den Kasten, hielt ihn lachend hoch und rief: "Voila ton argent!" -"Da hast du dein Geld!", und ließ den Kasten krachend auf den Bahnsteig fallen.

Die Limonadenflaschen zersprangen in tausend Stücke. Das fassungslose Schluchzen des kleinen Algeriers ging unter im brüllenden Hohngelächter des betrunkenen Fremdenlegionärs.

Ein Jahr später, Ende Juli 1961, war ich während der "Krise von Bizerta" in der gleichnamigen tunesischen Stadt. Sie war damals ein französischer Militärstützpunkt, der im Algerienkrieg eine bedeutsame Rolle spielte und dessen Freigabe Tunesien seit seiner Unabhängigkeit 1956 vergeblich gefordert hatte.

Als 1961 tunesische Truppen den Stützpunkt blockierten, bombardierte die französische Luftwaffe die Stadt. Nach heftigen Kämpfen, bei denen das französische Militär auf unbewaffnete tunesische Demonstranten schoss, wurde die gesamte Zivilbevölkerung aus der Stadt evakuiert.

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"Ismahuli" - "Zugehört", ruft der kleine, alte Märchenerzähler in der Teestube Al-Nofara in Damaskus und schlägt mit seinem breiten Schwert auf einen hochbeinigen schwarzen Metallschemel. Einige Gäste zucken zusammen, die meisten rücken lachend ihre Stühle zurecht. Es dämmert in Damaskus, überall gehen die Lichter an. Auch im Al-Nofara.

Die Teestube liegt in der Nähe der Grabstätte Saladins, eines der größten muslimischen Helden, im Schatten der 1300 Jahre alten Omaijaden-Moschee. Sie ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Syrer jeden Alters, aber auch einige Touristen aus Frankreich und England, trinken aus kleinen Gläsern schwarzen Tee mit frischen Pfefferminzblättern.

An der Holzwand gegenüber dem Eingang sitzt in einem grün-rot-gold bemalten Holzsessel, leicht erhöht durch ein Podest, Abu Shadi, der Märchenerzähler von Damaskus. Er ist angeblich der letzte echte "Hakkawati" der arabischen Welt. Wie in alten Zeiten in Syrien üblich, trägt er eine hellgraue Saderiah, eine Art Gehrock, mit gleichfarbigem Hemd und Pluderhosen. Ein etwa fünfzehn Zentimeter breiter, rot-silbern gemusterter "Kummerbund" umspannt sein Bäuchlein. Auf dem Kopf trägt er einen roten Fez, in Syrien "Tarbouch" genannt, der seinem zerknitterten Gesicht manchmal etwas Erhabenes gibt.

"Ismahuli", ruft er ein zweites Mal und beginnt mit lauter, melodischer Stimme aus einem großen schwarzen Buch die uralte Legende von Antar bin Shaddat, dem Sklaven, zu erzählen. Gespannt folgt das Publikum seiner gestenreich vorgetragenen Geschichte, antwortet lachend auf seine Fragen und freut sich, wenn er die Erzählung von Zeit zu Zeit schelmisch blickend mit einem kleinen Scherz oder einer Anekdote unterbricht.

Oft muss Abu Shadi über seine Zuhörer und über sich selbst lachen. Dann rutscht ihm seine große Metallbrille fast über die Nasenspitze. Die Idee mit den Anekdoten hat er, wie er mir später erzählt, dem früheren Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow, abgeschaut. Der habe seine endlosen Reden auch immer mit Scherzen aufgelockert.

Wenn Abu Shadi findet, dass seine Gäste nicht aufmerksam genug zuhören, schlägt er mit seinem stumpfen Schwert krachend auf den Metallschemel, und schon sind alle Augen und Ohren wieder bei ihm. Mit leuchtendem Blick folgen ihm die Zuhörer auf seine Reise in die Vergangenheit. Es ist, als ob er sie auf einem fliegenden Teppich in ein fernes Wunderland entführte - weit weg vom grauen Alltag der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Doch plötzlich ertönt aus Abu Shadis Brusttasche ein recht unromantisches Handyklingeln, und schon landen alle ganz unvermittelt wieder im Hier und Jetzt. Schmunzelnd bittet Abu Shadi den ungebetenen Anrufer aus der Gegenwart, zu einem späteren Zeitpunkt anzurufen - er befinde sich gerade weit weg auf einer wichtigen Reise. Das Publikum prustet vor Lachen.

Mit einem Schwertschlag stellt Abu Shadi die Ruhe wieder her und nimmt seine Zuhörer erneut mit auf seinen Märchenflug in die ruhmreiche Vergangenheit Arabiens. Er fährt fort, die Geschichte des Sklaven Antar zu erzählen, der durch heldenhaften Kampf die heiß ersehnte Freiheit erlangt. Erzählt Abu Shadi die Geschichte der arabischen Völker?

Vor mir liegt das Manuskript meines Buches, das ich vor wenigen Tagen beendet habe. Es ist die Geschichte des jungen Irakers Zaid, der ebenfalls für seine Freiheit, für die Freiheit seines Volkes kämpft. Ob Zaids Geschichte genauso gut ausgehen wird wie die Legende von Antar dem Sklaven, weiß ich nicht.

Ich weiß auch nicht genau, warum ich nochmals zu Abu Shadi, dem Hakkawati von Damaskus, wollte, bevor ich mein Manuskript abgebe. Irgendwas zog mich fast magisch in die schummrige Teestube zurück, in der ich schon vor zwei Jahren seinen Märchen gelauscht hatte. Ich wollte noch einmal die strahlenden Augen seiner Zuschauer sehen, wenn er von den Heldentaten längst vergangener Zeiten berichtet.

Ich mag diesen alten Mann, den sein Vater als Kind immer in die Cafés der Märchenerzähler mitschleppte und dessen großer Traum es war, selbst einmal Hakkawati zu werden. Jetzt ist er es, und nun verzaubert er alle Menschen mit seiner schelmisch-melodischen Stimme - auch mich, obwohl ich kein Wort Arabisch verstehe. So sitze ich in einer Ecke des Teehauses Al-Nofara und ziehe an meiner Wasserpfeife. Meine Gedanken aber sind weit weg. Sie sind bei Zaid und seinen Freunden.

Die Geschichte der arabischen Völker ist eine Geschichte großer Siege und großer Niederlagen. In den letzten zweihundert Jahren allerdings gab es nicht mehr viel zu feiern. Der einsetzende Kolonialismus hat die arabische, ja die gesamte muslimische Zivilisation weit zurückgeworfen.

Einige Episoden der arabischen Tragödie habe ich selbst miterlebt. Als zwanzigjähriger Student bereiste ich 1960 während des Algerienkrieges das von Frankreich besetzte maghrebinische Land. In Algier wohnte ich bei einer arabischen Familie und bekam jeden Abend ab Eintritt der Dunkelheit die Angst der Menschen vor dem Krieg und vor den Anschlägen der französischen Untergrundbewegung OAS mit, die mit terroristischen Methoden für den Verbleib Algeriens bei Frankreich kämpfte.

Nach zehn Tagen Algier fuhr ich in einem Überlandzug in den Osten Algeriens, nach Constantine. Auf der Fahrt habe ich mich stundenlang mit fröhlich bechernden deutschen und englischen Fremdenlegionären über ihre "Heldentaten" unterhalten. Eine Szene werde ich nie vergessen:
Als sich der Zug in Algier ruckelnd in Bewegung setzte, ließ sich einer der Fremdenlegionäre - es war ein Deutscher - von einem neben dem Zug herlaufenden arabischen Jungen einen Kasten Limonade geben. Der kleine Algerier, er war vielleicht sieben Jahre alt, strahlte über das ganze Gesicht. Der Legionär stellte den Kasten mit der einen Hand auf die Fensterkante, mit der anderen kramte er in seiner Hosentasche nach Geld. Er nahm sich viel Zeit. Der Zug nahm Fahrt auf.

Der kleine Junge trabte neben dem Waggon her und begann um sein Geld zu betteln. Der Legionär aber schaute ihn nur spöttisch an. Als der Zug schneller wurde und der Junge flehentlich zu weinen anfing, nahm der Soldat den Kasten, hielt ihn lachend hoch und rief: "Voila ton argent!" -"Da hast du dein Geld!", und ließ den Kasten krachend auf den Bahnsteig fallen.

Die Limonadenflaschen zersprangen in tausend Stücke. Das fassungslose Schluchzen des kleinen Algeriers ging unter im brüllenden Hohngelächter des betrunkenen Fremdenlegionärs.

Ein Jahr später, Ende Juli 1961, war ich während der "Krise von Bizerta" in der gleichnamigen tunesischen Stadt. Sie war damals ein französischer Militärstützpunkt, der im Algerienkrieg eine bedeutsame Rolle spielte und dessen Freigabe Tunesien seit seiner Unabhängigkeit 1956 vergeblich gefordert hatte.

Als 1961 tunesische Truppen den Stützpunkt blockierten, bombardierte die französische Luftwaffe die Stadt. Nach heftigen Kämpfen, bei denen das französische Militär auf unbewaffnete tunesische Demonstranten schoss, wurde die gesamte Zivilbevölkerung aus der Stadt evakuiert.

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Kundenbewertungen zu "Warum tötest du, Zaid?" von "Jürgen Todenhöfer"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.8 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von T. Wilhelm aus Baden-Württemberg am 15.01.2009 ***** ausgezeichnet
Kaum ein Buch könnte passender und brisanter zur aktuellen Lage sein, wie dieses Werk. Ihm wird nun mehrfach vorgeworfen, sein Plädoyer sei zu einseitig. Nun wirklich differenziert objektive Darstellungen gibt es - dies geben auch die kritischen Rezensionen der Journalisten zu - nicht wirklich, so ist nun "Warum tötest Du, Zaid" einmal ein bereichernde, bewusst parteiergreifende Darstellung der anderen Seite, die dringend in der erdrückenden "objektiven" Medienlandschaft gehört werden muss. Dieses Buch ist ein Muss, für jeden, der auch mal die andere Seite der vielen Konflikte hören möchte.

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Bewertung von Susanne Leschkowski aus Barver am 17.07.2008 ***** ausgezeichnet
Durch seine unkomplizierte, interessante Schreibweise lasse ich mich gerne von Jürgen Todenhöfer durch die Welt des Islam und gleichzeitig aufweisender anderer Religionen und Kulturen führen. Ein Buch, das für jeden verständlich sein sollte. Die Parallelen der östlichen und westlichen Lebensweisen geben mir das vergleichbare Gefühl der unbedingten Toleranz und daraus folgenden Gerechtigkeit. Faszinierend auch Todenhöfers jahrelangen weltweiten Reisen, die zu breitgefächerten Informationen führen. Bitte unbedingt weiterempfehlen!

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9 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Eva-Maria Mühle aus Sachsen am 06.07.2008 ***** ausgezeichnet
Das Buch hat mich erschüttert und noch kritischer gemacht gegnüber den gängigen Medien. Es geht einem unter die Haut wenn man von dem unendlichen Leid liest und von anderer Seite suggeriert bekommt, dass nur noch ein paar einheimische Millizen sich nicht an dem Aufbau und Frieden beteiligen wollen.
Fast möchte man, dass dieses Buch zur Pflichtlektüre in der Schule wird. Radikalismus und Kriegsverherrlichung wird als absurdum erklärt und übrig bleibt nur das millionenfache Leid unschuldiger Menschen dass mich an Bilder aus dem Vietnamkrig erinnert. Es ist ein Anti-Kriegsbuch das in jede Familie gehört, nicht zuletzt um mit dem Kauf dieses Buches ein ganz klein wenig den Kindern medizienische Hilfe zu ermöglichen und Herrn Dr. Todenhöfer bei seinem Projekt zu unterstützen.

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6 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Enno Kleinhans aus Hochzoll am 06.03.2008 ***** sehr gut
Todenhöfer als christdemokratischer Polit-Adabei in den islamischen Krisengbieten verdient zunächst jedes Misstrauen. Aber der Mann hat sich wirklich gründlich umgesehen und weiß, wovon er spricht. Und sein Gewissen ist echt! Hohen Respekt also!

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15 von 18 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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