Warum das Kind in der Polenta kocht - Veteranyi, Aglaja

Aglaja Veteranyi 

Warum das Kind in der Polenta kocht

Roman

Gebundenes Buch
 
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Warum das Kind in der Polenta kocht

Das Kind einer rumänischen Artistenfamilie lebt in zwei Welten, der farbig verklärten Heimat von Zirkus und Wohnwagen, aber auch der harten Wirklichkeit des ständigen Fremd- und Unterwegsseins.Voller Illusionen ist die Familie den Verheißungen des Westens gefolgt, ein großes Haus soll gekauft, die Tochter ein Filmstar werden, aber dann wird alles ganz anders. Mit den Augen eines jungen Mädchens, dessen Welt durch die unmittelbare Umgebung bestimmt wird, durch die Familie und die kleinen Ereignisse des Alltags, erlebt der Leser das Scheitern eines Traumes, der Selbstbetrug war von Anfang an. Und je rauher die Erfahrungen, desto grausiger die Geschichten vom Kind, das in der Polenta kocht, die sich die Geschwister immer wieder erzählen, den Schrecken der Wirklichkeit zum Trotz.Aglaja Veteranyis lange erwarteter erster Roman ist von eben so zarter wie handfester Eindrücklichkeit - anrührend, voller ursprünglicher Empfindungen.


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 188 S.
  • Seitenzahl: 188
  • Deutsch
  • Abmessung: 19, 5 cm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783421052162
  • ISBN-10: 3421052166
  • Best.Nr.: 08195165
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.03.2000

An den Haaren
Aglaja Veteranyis Roman aus der Zirkuswelt

Wenn ihre Mutter in der Zirkuskuppel an den Haaren hängt, erzählt ihr die Schwester das Märchen vom Kind, das in der Polenta kocht. Das lenkt ein wenig von dem Gedanken ab, die Mutter könnte sich zu Tode stürzen. Aber eben nur ein wenig. "Ich muss immer an den Tod meiner Mutter denken. Ich sehe, wie sie sich mit den Feuerfackeln die Haare in Brand steckt, wie sie brennend auf den Boden stürzt." Aglaja Veteranyis Zirkusroman, aus dem sie beim letztjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb einen Ausschnitt vorlas, ist voll mit Schreckensfantasien. Früher sind die Eltern, er Clown, sie Artistin, im rumänischen Staatszirkus aufgetreten. Dann hat der Vater das Geld aus der Zirkuskasse gestohlen und ist mit der Familie ins Ausland, in die Schweiz, geflohen. Dort geht der Zirkus weiter. Der Vater schlägt die Mutter, er droht, dass er sie aus der Kuppel stürzen lässt, und er zerschnipselt im Zorn ihre Kostüme. Er möchte, dass das Kind Filmstar wird. Doch die Schwestern landen in einem Internat in den Bergen. Die Eltern trennen sich, die Mutter holt die Tochter nach Hause zurück. Sie hatte einen …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Hans-Peter Kunisch stellt in seiner Rezension die Frage, wieso Veteranyis Roman von einer so "ungewöhnlichen Leichtigkeit" geprägt ist, die ja in deutlichem Kontrast steht zu der Geschichte eines vereinsamten Mädchens und ihrer reichlich deprimierenden Familiensituation. Kunisch erklärt sich das mit der Unbeschwertheit, die mit der Entdeckung einer neuen Sprache einhergeht: Veteranyi ist gebürtige Rumänin, aber in Zürich aufgewachsen und schreibt in Deutsch. Dabei lasse sich Veteranyis Sprachstil kaum in eine fertige Schublade stecken. Er sei eher das Ergebnis eines Durcheinanderwirbelns verschiedener Sprachstile, aus dem Verteranyi am Ende aber etwas Neues, Eigenes macht.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Ein kleiner Roman von ungewöhnlicher Leichtigkeit." Hans-Peter Kunisch in der 'Süddeutschen Zeitung'<br/><br/>"Aglaja Veteranyis Debütroman ist das Eintrittsbillet zu einem Zirkus der zärtlichen Grausamkeit." Karsten Herrmann in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'<br/><br/>"Ein ungewöhnliches, sprachsprühendes Debüt. Was das Gelingen dieser Geschichte ausmacht, ist ihr haarfeiner Tanz über dem Abgrund, ist das Spiel mit dem Schrecken, der gebannt und verdeutlicht wird." Urs Bugmann in der 'Neuen Luzerner Zeitung'<br/><br/>"Der Ton in ihrem Buch ist so frisch und leise, so selbstverständlich und verzaubernd zugleich, dass es ein wahres Vergnügen ist. Mehr noch: ein literarischer Seiltanz." Adrian Riklin im St. Gallener Kulturmagazin 'Saiten'<br/><br/>"Der Ton ist toll getroffen, forsch und frech, mit schwarzem Humor eingefärbt und mit schrägen Wortbildern illustriert." Beat Mazenauer in der 'Zürichsee-Zeitung'<br/><br/>"Das Buch ist voller wunderbarer Sätze, die man hintereinander zitieren könnte." Jan Faktor im 'Freitag'

«Veteranyis Debütroman ¿ ein Zirkus der zärtlichen Grausamkeiten.» (Neue Osnabrücker Zeitung) «Ein ungewöhnliches, sprachsprühendes Debüt.» (Neue Luzerner Zeitung) «Ein literarischer Seiltanz.» (Saiten)
Aglaja Veteranyi, geb. 1962 in Bukarest, stammte aus einer Zirkusfamilie. Schauspielausbildung, seit 1982 Arbeit als freischaffende Schauspielerin und Autorin. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen folgten. Auszeichnungen mit dem Kunstpreis Berlin 2000 sowie dem Chamisso-Förderpreis. In der Nacht zum 3. Februar 2002 hat sich Aglaja Veteranyi in Zürich das Leben genommem.

Leseprobe zu "Warum das Kind in der Polenta kocht"

"MEINE MUTTER IST DIE FRAU MIT DEN HAAREN AUS STAHL.Sie hängt in der Kuppel an den Haaren und jongliertmit Bällen, Ringen und Feuerfackeln.Wenn ich grösser werde und schlank, muss ich auch an den Haaren hängen. Ich darf mir die Haare nur vorsichtig kämmen, meine Mutter sagt, die Haare sind das Wichtigste an einer Frau.MEIN VATER SAGT, DAS WICHTIGSTE SIND DIE HÜFTEN.Ich stelle mir eine Frau vor mit so grossen Hüftenwie das Zirkuszelt.Das verträgt sich aber nicht mit dem Hängen.Ich werde nie an den Haaren hängen, ich will nicht.Ich zupfe mir büschelweise die Haare vom Kopf, wiedie Federn vom Suppenhuhn.Eine Frau ohne Haare findet keinen Mann, sagt meine Mutter.Ich will keinen Mann, ich will lieber so sein wie meineSchwester, sie ist mutig und macht immer Probleme.Meine Schwester ist nur die Tochter meines Vaters.Sie isst alles, weil meine Mutter ihr das Leben gerettet hat, als sie rachitisch und voller Läuse war.Obwohl sie eine Fremde ist, liebe ich sie wie meine Schwester. Ihre Mutter ist die Stieftochter meines Vaters. Sie und ihre Mutter, die Grossmutter meiner Schwester und die frühere Frau meines Vaters, leben in einem Spital, weil sie verrückt geworden sind.Meine Schwester ist auch verrückt, sagt meine Mutter, weil mein Vater sie wie eine Frau liebt.Ich muss aufpassen, dass ich nicht auch verrückt werde, deshalb nimmt mich meine Mutter überall mit.MEIN VATER WILL SOWIESO NUR MEINE SCHWESTER.Meine Schwester kann alles viel besser als ich. Obwohl sie nur ein paar Jahre älter ist, hat sie schon ein zerquetschtes Knie. Mein Vater ist ihr mit einem Traktor ins Bein gefahren, damit sie keinen Mann findet und immer bei ihm bleibt.Ich werde nicht zum Zirkus dazugehören, bevor ich mich nicht auch richtig verletzt habe. Das geht aber nicht, immer kommt mir meine Mutter in die Quere, ich kann nicht einmal aufs Seil steigen, ohne dass sie fast in Ohnmacht fällt.Meine Mutter tut oft so, als würde bald etwas Schreckliches passieren, selbst wenn jemand in ihrer Nähe

Kundenbewertungen zu "Warum das Kind in der Polenta kocht"

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Bewertung von Sabrina aus Zürich am 28.04.2008 ***** sehr gut
Wir haben das Buch in der Schule gelesen und besprochen. Ich bin begeistert. Das Buch ist spannend und die Geschichte der Erzählerin schockierend. Alles in Aglajas eigenartigem Schreibstil, der oftmals Lücken bildet, die man dann füllen muss, hat mir auch sehr gefallen. Meiner Meinung nach ist das Buch empfehlenswert, doch wenn man es nicht mit anderen besprechen kann, auch schwierig. Wenn man sich über das Buch austauschen kann, kommen mehr Interpretationsansätze zusammen und man findet vielleicht einen logischeren als den Eigenen.

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