Von der Wehrmacht zur Bundeswehr - Tradition und Reform in der Gründungsphase der Bundeswehr (1950 - 1965)
Examensarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Geschichte Europa -
Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Note: 2,
Philipps-Universität Marburg, 69 Quellen im Literaturverzeichnis,
Sprache: Deutsch, Abstract: Die einen möchten das in Trümmer
gegangene Haus dem alten Plan gemäß wiedererrichten, die anderen
suchen nach einem neuen Entwurf. Diese Erkenntnis von Wolf Graf von
Baudissin veranschaulicht eine Kontroverse, die sich durch die
Geschichte der Gründungsphase der Bundeswehr, und auch noch darüber
hinaus, vollzieht. Zwei grundlegend verschieden ausgerichtete Lager
stritten in dieser Zeit um den künftigen Charakter der neuen
Streitkräfte. Will man diese Auseinandersetzung anhand von
Schlagwörtern definieren, so steht auf der einen Seite die Reform
und auf der anderen die Tradition . Während die Vertreter der
Reform die Chance eines Neuanfangs, eines Abstreifens überholter
und unzeitgemäßer Wert und Ansichten zu nutzen und für die
Streitkräfte umzusetzen versuchten, hatten sich die
Traditionalisten den vergangenen Werten der deutschen
Militärgeschichte verschrieben und versuchten daran
anzuknüpfen.Diese beiden konträren Auffassungen, die die
Gründungsphase der Bundeswehr prägten, sollen am Beispiel der
Planung und Umsetzung des reformerischen Konzepts der Innere
Führung und dem aus ihr resultierenden Leitbild eines Staatsbürgers
in Uniform untersucht werden. Der Staatsbürger in Uniform , so das
Bild des künftigen Soldaten, sollte auch in der Armee freie Bürger
einer demokratischen Republik bleiben. Der Soldatenberuf sollte ein
Beruf wie alle anderen sein, der weder geringeren noch höheren Wert
hat. Er nahm also seine Würde nicht aus sich selbst, sondern
erhielt sie durch die Art, wie er sich innerlich ethisch und
politisch an die freiheitliche Gemeinschaft gebunden fühlte, der er
als Staatsbürger in Uniform dienen sollte. Konnte dieses Bild des
Staatsbürgers in Uniform, in einer Zeit, in der man auf die alten
Eliten des NS-Regimes angewiesen war, umgesetzt werden? Zum einen
wird der zentralen Frage nachgegangen, wie es zur Umsetzung des
Konzeptes Innere Führung im Widerstreit der Parteiungen innerhalb
der neuen Streitkräfte, aber auch im Gefüge der parlamentarischen,
bzw. zivilen Vorarbeiten, Gespräche und Auseinandersetzungen
gekommen ist. Darüber hinaus wird versucht, die Einarbeitung des
Programms Innere Führung in den Alltag der Streitkräfte zu
dokumentieren. Dies geschieht anhand ausgewählter Literatur zum
Thema entlang der Schnittlinie zwischen den Positionen der
Traditionalisten einerseits und den Reformern auf der anderen
Seite.
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