Wir sind die Menschen mit dunklen Gesichtern, dunklen Augen,
dunklen Haaren. Sie begegnen uns gelegentlich in einem Restaurant,
auf der Straße, auf einem Amt, in Flughäfen und Bahnhöfen. Sie
fragen sich manchmal, was wir in Ihrer Heimat machen. Die meisten
von uns arbeiten still vor sich hin und wollen bald, sehr bald,
wieder nach Hause, denn dort erwarten uns Familie, Freunde,
Landsleute. Einige schaffen es, das Exil, das für Sie Heimat
bedeutet, wieder zu verlassen und die eigene Heimat wiederzufinden.
Andere bleiben in diesem Transit hängen. Was uns alle verbindet,
ist die Sehnsucht. Sie werden in unseren Gesichtern und unseren
Stimmen und besonders in unseren Herzen immer diese Sehnsucht
finden, wenn Sie sich getrauen, sich uns anzunähern und in uns mehr
als Ihren Kellner, Straßenfeger, Pizzabäcker, Hausangestellten,
Gärtner, Bauarbeiter oder einen Asylsuchenden zu sehen. Wenn Sie
näherkommen und mit uns reden, dann können wir Ihnen etwas erzählen
über ein Gefühl, das Sie vielleicht nicht so gut kennen: die
Sehnsucht.
Amor Ben Hamida, geboren 1958 in Medenine (Süd-Tunesien), wuchs im Kinderdorf Pestalozzi, Trogen, auf, wo er mit Kindern aus vielen verschiedenen Nationen, Religionen und Sprachen zusammen gelebt und schöne Kindheitserinnerungen behalten hat. Sein Leben ist durch diese Erfahrung von Toleranz und multikultureller Umgebung geprägt worden. Ben Hamida arbeitet in Zürich als Business Analyst bei einer grossen Schweizer Rückversicherung. Seine Erfahrungen und Gedanken gibt er in Büchern, Lesungen und Diskussionen weiter.
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