Von den Deutschen - Klein, Georg

Georg Klein 

Von den Deutschen

Erzählungen

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Von den Deutschen

Kreuz und quer sind sie unterwegs. Ob zur Bowling-Bahn oder in ein Seniorenheim am Ammersee, ob zum Kanzleramt an der Spree oder nach Erfurt in die Altstadt - die unheimlichen, aber auch liebenswerten Deutschen sind Getriebene und Suchende zugleich. Georg Klein beschreibt sie in einem literarischen feuerwerk an Kraft, Gefühl und Phantasie, das vor allem eins zum Thema hat: uns.

Auf und ab, und kreuz und quer, sind sie unterwegs. Ob zur Bowling-Bahn in U-Bahn-Nähe oder in ein Seniorenheim am Ammersee, ob zum neugebauten Kanzleramt an der Spree oder nach Erfurt, ob nach Chicago, wo der riesenhafte Herr Arno ein Nazi-Devotionalien-Geschäft betreibt, oder ins ferne Schutzgebiet an der Druschka - die Deutschen, von denen Georg Klein in diesen Geschichten erzählt, sind Getriebene, und doch sind sie alle fast am Ziel. Da ist der weißbeflaumte Kungu, der früher einmal in Afrika gekämpft hat und jetzt im Regengeniesel mit seiner Staffelei an der Gedächtniskirche sitzt.
Da ist das Ray-Getz-Trio, das auf der alljährlichen Weihnachtstournee mit ihren Songs die Rentner glücklich macht. Da ist der in den Osten verschlagene Junggeselle Waldemar, der, vom Glühwein beschwipst, mit der mutmaßlichen Käuferin seines geerbten Hauses auf dem Liebeslager liegt und den süßen Klängen von "Erzgebirglers Heimatlied" lauscht.
Oder da sind die Historical Harmonists, ein paar trinkfeste Arbeitslose, die sich eine Wagenburg im Berliner Regierungsviertel zurechtgeputzt haben, um vor Reisegruppen aus aller Welt zu spielen.
Die Deutschen - Georg Klein beschreibt sie ohne Häme, ohne Spott. Im Gegenteil, Zartheit und Wärme, ja etwas Hegendes, fast Pflegendes haben sich in seine kunstvoll verrätselten, hochliterarischen Erzählungen geschlichen, die unserer Gegenwart, mit einem feinen Maß an Ironie, dicht auf den Fersen sind. "Und manchmal gehören Dinge zusammen und wachsen zusammen, die noch weiter auseinanderliegen als der Scheitel von Girkos Nichte und der blonde Schopf ihres Verehrers", heißt es in der Titelgeschichte. Und dann: "Wir lieben die Deutschen, und mit etwas Glück wird noch der eine oder andere von uns sein Glück mit ihnen machen."


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2002
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 191 S.
  • Seitenzahl: 192
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 134mm x 22mm
  • Gewicht: 276g
  • ISBN-13: 9783498035136
  • ISBN-10: 3498035134
  • Best.Nr.: 10871525
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2002

Heimat in schwieriger Zeit
Wackere Exilfranken und türkischstämmige Frankfurter: In „Von den Deutschen” scheut Georg Klein nicht den deutschen Weg
Es gibt eine reiche Tradition der Deutschland-Reflexion. Zwei Hauptlinien lassen sich darin unterscheiden: Die eine widmet sich der deutschen Seele, ihrer Innerlichkeit und Musikalität, ihrer Naturfrömmigkeit und zarten Romantik. Nennen wir sie die Schubert-Linie. Die andere Linie wäre dem gegenüber die Heinrich-Heine-Linie zu nennen. Ihr Leitmotiv ist das „Denk ich an Deutschland in der Nacht”. Zwar scheinen sich auch hier die mondsüchtigen Nachtseiten der Romantik nicht ganz verleugnen zu wollen, gemeint ist aber das politische Dunkel der deutschen Zustände, die einfach noch nicht auf der Höhe der westlichen Zivilisation angekommen sind. Die Heine- Linie ist insofern die Folie, vor der sich die Schubert-Linie überhaupt erst entfalten kann, denn deren Innerlichkeit wird verstanden als Ausfluss der politisch-zivilisatorischen Rückständigkeit dieses treuherzigen Landes.
In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts herrschte fast unangefochten die Heine-Linie, schließlich gab es …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2002

Deutsche Denker im dreckigen Dutzend
Mit Manier: Georg Kleins Erzählungen / Von Ernst Osterkamp

Seien wir ehrlich: Eigentlich wollen wir ein belletristisches Werk, das den Titel "Von den Deutschen" trägt, nicht lesen. Und wenn dann noch der notorisch mißbrauchte Caspar David Friedrich die Umschlagillustration hat liefern müssen, wird die ästhetische Schranke, die vor der Lektüre zu übersteigen ist, nahezu unüberwindlich. Aber wie man bei den Deutschen zu sagen pflegt: Da muß man durch!

Und sogleich wird man nach dem Titelblatt von dem Motto des Buches angenehm überrascht: "Nazionalkarakter ist Manier." So hat Jean Paul geschrieben, und wo Jean Paul den Türhüter spielt, kann es so ganz schlimm nicht kommen. Jean Paul will damit sagen, daß der Nationalcharakter jene spezifische Abweichung vom Menschheitlich-Universalen bezeichnet, an der man einen Menschen als Angehörigen einer bestimmten Nation erkennt. Aber Jean Paul war glücklicherweise kein Politologe, sondern ein Artist, und für einen um 1800 schreibenden Artisten war Manier zunächst und vor allem ein kunsttheoretischer Terminus, der ein künstlerisches Verfahren bezeichnet: …

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"Mit welcher fernen, reichen, melodisch aufgeladenen Sprache haucht Georg Klein seinen Geschichten Leben ein!"<br /> (Süddeutsche Zeitung)

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Mit einer guten Portion Misstrauen begegnet Katharina Granzin dem aktuellen Erzählband von Georg Klein, einen Autor, den sie ohne weiteres ins 19. Jahrhundert verfrachten würde - mit solcher Inbrunst preise er die Romantik, zu der eben auch das Deutschsein gehöre. Dass Klein es wagt, danach zu fragen, verdanke er seiner literarischen Methode, behauptet Granzin, der "Uneigentlichkeit" seines Schreibens: da lasse sich ganz ernsthaft nach dem Deutschen suchen und diese Suche zugleich ironisch in Gänsefüßchen zu setzen. Das "Uneigentliche" klassifiziert Granzin folgendermaßen: als ein Dauerbad in historischen und literarischen Bezügen, die "anzitiert und travestiert" werden und damit eine "Art Ursuppe der surrealistischen Erfindungskraft" Kleins bilden. Solcherlei Kombinationen führen dann in einen Nazi-Devotionalienshop in Chicago oder nach "Old Erfurt", welches Granzin für die beste Erzählung hält. Doch ihr Misstrauen bleibt in Alarmbereitschaft und tritt sofort wieder auf den Plan bei der "Spree Novelle", worin die "Historical Harmonists" deutsche Altkanzler nachstellen und der gegenwärtige Kanzler Würstchen für alle ausgibt. Ist das nun als ein verschämtes Ja zur "Berliner Republik" zu verstehen, fragt sich Granzin. Ihr Misstrauen will nicht weichen, ihre Verwirrung sich nicht vollends lichten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, veröffentlichte Romane sowie Erzählungsbände. Für seine Prosa wurden ihm der Brüder-Grimm-Preis und der Bachmann-Preis verliehen.
Georg Klein lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katrin de Vries, und zwei Söhnen in Ostfriesland.

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