Vom Schlaraffenland ins Jammertal? - Rommel, Manfred

Manfred Rommel 

Vom Schlaraffenland ins Jammertal?

Wir machen uns schlechter, als wir sind

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Vom Schlaraffenland ins Jammertal?

"Jammern ist in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbar", schreibt Manfred Rommel ironisch. "Unangebrachte Zufriedenheit könnte das Land sonst lähmen, Stillstand würde eintreten, wo Bewegung gebraucht wird." Jammern ist freilich keine deutsche Spezialität, sondern hat eine europäische Tradition. Tatsächlich stehen uns die Franzosen beim Anstimmen von Klageliedern nicht nach. Wenn sie über die politische Lage sprechen, heißt es rauh: "Ça va mal" ("Es steht schlecht"), sofern man nicht sogar die Steigerung zu hören bekommt: "Ça ne va pas du tont" ("Es geht überhaupt nichts"). Schon 1945 hatte Albert Camus geschrieben: "Die Franzosen neigen dazu, auf die schlechteste Möglichkeit zu setzen, wenn es sich um sie selbst handelt." Die Deutschen reagieren ähnlich. So lautet bei uns ein Sprichwort: "Jammern ist der Gruß des Kaufmanns." Daran halten sich inzwischen auch andere, was zum Beispiel bei den Amerikanern den Eindruck befördert hat, die einst so bewunderte deutsche Wirtschaft sei "ossified" oder "sclerotic", also verknöchert oder versteift. Aber kann sie das wirklich sein, wenn sie vor den USA Japan Export-Weltmeister ist? Selbst der bessere Euro-Kurs, Leistung ausländischer Zulieferer für deutsche Produktion höhere Rentabilität japanischer Unternehmen berücksichtigt werden, läßt nicht leugnen, daß Industrie hierzulande nach wie vor konkurrenzfähig ist. Sie kann ihre Wettbewerbsfähigkeit allerdings mittel- und langfristig dann bewahren, wenn Reglementierungen Abgaben verringert werden. Denn nur so lassen sich großen finanziellen und sozialen Probleme, die wir zweifellos haben, wenigstens mildern.

»Viele Menschen stimmen Beschlussvorlagen zu, um nicht länger mit Zahlen gequält zu werden.«Mit seinem ersten Buch Abschied vom Schlaraffenland sorgte Manfred Rommel 1987 für Furore. Darin beschrieb er das Ende des Wirtschaftswunders. In seinem aktuellen Buch will Rommel den Deutschen das Selbstmitleid austreiben. Mit Ironie und spitzer Feder hält er der Politik einen Spiegel vor. Er äußert sich zum Thema »Heimat«, Deutschland und die Deutschen, zu Politik, Wirtschaft und Kultur und zu Globalisierung, Gerechtigkeit und Finanzpolitik. Sein Hauptthema, das sich als roter Faden durch das Buch zieht, ist die Finanzierbarkeit von Politik.


Produktinformation

  • Verlag: Hohenheim Verlag
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 286 S.
  • Seitenzahl: 300
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 147mm x 27mm
  • Gewicht: 466g
  • ISBN-13: 9783898501378
  • ISBN-10: 389850137X
  • Best.Nr.: 20774841
»Man wünschte sich, dass Politiker, wenn sie zur Feder greifen, es derart tun wie Manfred Rommel: leicht verständlich, augenzwinkernd, kenntnisreich, sich selbst zurücknehmend, unprätentiös.« Deutschland Radio

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Kunterbunte schwäbische Geistesblitze
Manfred Rommel über deutsches Selbstmitleid / Von Dirk Klose

Die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik waren auch die Zeit großer Oberbürgermeister. Nevermann in Hamburg, Reuter in Berlin, Kolb in Frankfurt, Burauen in Köln sowie Wimmer und Vogel in München sind nur die bekanntesten Namen. Sie alle stehen für den Wiederaufbau, den sie mit großer Energie voranbrachten, wobei sie sich im Einklang mit den Bewohnern ihrer Städte wußten. Besonderes Glück hatte Stuttgart, das in vier Jahrzehnten nur zwei Bürgermeister brauchte, zum einen den legendären Arnulf Klett, zum anderen Manfred Rommel. Klett war das Urbild des "Schaffe, schaffe"-Schwaben, nach außen etwas spröde wirkend, bei seinen Stuttgartern aber wegen seines schier unglaublichen Fleißes und der großen Erfolge ungemein populär. Als Rommel nachfolgte, war man zunächst skeptisch, aber er überzeugte rasch durch ebensolchen Fleiß sowie durch Toleranz und Esprit, den er sich bis heute trotz bedrückender Krankheit (Parkinson) bewahrt hat. Seinen dreizehn Büchern, die er bisher veröffentlicht hat und von denen nicht nur die Erinnerungen von 1998 …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Eine "bunte Mischung geistreicher Kurzessays" findet Rezensent Dirk Klose in diesem Buch, mit dem Manfred Rommel den Deutschen das Selbstmitleid austreiben möchte. Wie ein roter Faden ziehen sich die Überzeugungen Rommels für Klose durch das Buch: Danach gelte es vor allem realistisch zu bleiben, solide zu wirtschaften, die Finanzen in Ordnung zu bringen, und die Demokratie hochzuhalten. Gefallen hat Klose der bewusst subjektive, nüchterne und schwäbisch eigenwillige Ton des Buchs. Die Ausführungen des Autors zu Themen wie Heimat, Politik, Kultur und Globalisierung hat er zumeist mit Gewinn gelesen. Nur gelegentlich haben sich seiner Ansicht nach einige Gemeinplätze eingeschlichen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Professor Dr. h.c. Manfred Rommel, geboren 1928 in Stuttgart als Sohn des späteren Feldmarschalls Erwin Rommel, war dort bis 1996 22 Jahre lang Oberbürgermeister, dreimal Präsident des Deutschen Städtetages und bis 1999 Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Nach dem Studium der Rechte und der Zweiten Juristischen Staatsprüfung trat er in den Dienst der Regierung seines Heimatlandes. Vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister war er Staatssekretär des Finanzministeriums. Seit 1981 veröffentlichte er zwölf Bücher. Seine Erinnerungen "Trotz allem heiter" (1998) standen lange auf den Bestsellerlisten. 2000 erschien von ihm bei Hohenheim "Neue Sprüche und Gedichte", 2001 "Holzwege zur Wirklichkeit" und 2002 "Ratschläge und fromme Wünsche".

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