Vom Meer - Hamilton-Paterson, James

James Hamilton-Paterson 

Vom Meer

Über die Romantik von Sonnenuntergängen, die Mystik des grünen Blitzes und die dunkle Seite von Delfinen

Übersetzung: Bodmer, Thomas
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Vom Meer

Was ist an Sonnenuntergängen romantisch? Warum fasziniert uns der grüne Blitz und wieso glauben wir, er beeinflusse unser Liebesglück? Halten wir Delfine zu Recht für unsere Freunde? James Hamilton-Paterson durchleuchtet das Meer in all seinen Facetten, und er liefert erhellende und unterhaltsame Erklärungen zu zahlreichen maritimen Phänomenen - von Tieren über Inseln und Schiffe bis hin zu Mythen und Fabelwesen: Mondregenbogen und Narrenschiffe, Korallen und Seeungeheuer bevölkern das Universum seiner Texte. Scharfsinnig, persönlich und immer wieder überraschend schildert James Hamilton-Paterson seine vielfältigen Begegnungen mit dem Meer, diesem unfassbaren Wesen, das er schützen möchte wie eine Geliebte, und er staunt: "Ich selbst kann mir nicht wirklich erklären, warum das Meer mich dermaßen stark im Griff hat. Sein Murmeln und sein Ernst sind so tief, dass es kaum einen Aspekt von ihm gibt, dessen Entdeckung in meinem Geist nicht etwas in sympathetische Schwingungen versetzte, so wie die zarten Borstenhaare einer Krabbe noch die feinste Bewegung des Wassers registrieren."


Produktinformation

  • Verlag: Mareverlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 285 S.
  • Seitenzahl: 285
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 151mm x 30mm
  • Gewicht: 498g
  • ISBN-13: 9783866481190
  • ISBN-10: 3866481195
  • Best.Nr.: 29941407
" Einer solchen Wortgewandtheit, einer solchen Leidenschaft für das Meer ist man lange nicht mehr begegnet." New York Review of Books

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.01.2011

Ein Astronaut am Meeresgrund
Seltsam, wo die Koralle Lophelia am besten gedeiht: James Hamilton-Paterson hat ein hinreißendes Buch über die Ozeane geschrieben
Wer das Meer erfahren will, braucht Gelassenheit. James Hamilton-Paterson, der seinen Band einfach „Vom Meer“ nennt, spricht in seinem Vorwort davon, dass er seinem Naturell nach eher zur Passivität neige und sich nicht an den panischen Kampagnen zur Rettung der marinen Ökosystem beteiligen wolle. „Im Hinblick auf viele Anliegen glaube ich, dass Resignation weniger intellektuellen Schaden anrichtet als Aktivismus. Wenn es ums Meer geht, sollte man die Dinge ohnehin langfristig betrachten, denn – egal was wir ihm antun – das Meer wird uns alle mühelos überleben, wenn auch nicht, ohne sich verändert zu haben. Veränderungen sind nicht das Ende der Welt, aber vielleicht das Ende der Welt, wie wir sie gern hätten.“
Das ist ironisch und auch ein wenig melancholisch gesagt; und es bedeutet natürlich nicht, dass der Autor die Veränderungen, die sich gegenwärtig vollziehen und die doch wohl auch Verschlechterungen sind, übersähe. Aber er versucht die Dinge realistisch einzuschätzen. Die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Burkhard Müller hat die Lektüre dieses schön aufgemachten Meeres-Buchs von James Hamilton-Paterson vom Anfang bis zum Ende genossen. Die in diversen Zeitschriften wie "Guardian", "Traveller", "Outside" veröffentlichten Reportagen scheinen ihm nicht nur unterhaltsam und lehrreich, er findet in ihnen auch immer etwas, das den Leser dazu bringt, vorgefasste Meinungen zu revidieren. Hamilton-Paterson gelingt es in seinen Augen, die Faszination der Ozeane, unerforschten Tiefen, seltsamer Meeresbewohner in gelassenem, ruhigem Ton zu vermitteln. Das "wahre Abenteuer", macht der Autor dem Rezensenten deutlich, liegt nicht auf dem Land oder im Weltall, sondern in den Meeren. Mit Lob bedenkt Müller auch die Übersetzung von Thomas Bodmer. Sein Fazit: ein "hinreißendes Buch".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.11.2010

Ausschwärmen, klarstellen

James Hamilton-Paterson besieht sich die wässrige Seite der Welt und versammelt seine funkelnden Seestücke.

Von Hannes Hintermeier

Ein Wassertaxi auf der Themse. Ein acht- oder neunjähriger Junge steht an der Reling, riecht den "Kakigeruch", der sich zusammensetzt aus "Süßwasserschlamm, den säuerlichen Ausdünstungen des Watts, Öl und Bilgewasser . . . melancholisch und erfrischend zugleich". Im Londoner Hafen hat es begonnen, im Jahr 1950, und noch heute üben Häfen auf James Hamilton-Paterson eine starke Anziehungskraft aus. Damals hat er sich mit den Verheißungen der Überseeschiffe angesteckt, hat sich infiziert mit dem Virus des Fernwehs. Dieser chronischen Schwäche verdanken wir einige der schönsten und klügsten Bücher, die über das Meer geschrieben wurden.

Nun hat Hamilton-Paterson seiner Sammlung ein Buch hinzugefügt, das wie eine Art "Best-of"-Album funktioniert, für Einsteiger empfehlenswert, für Kenner dank neuer Facetten aufschlussreich. Obendrein ist "Vom Meer" eine Premiere: Es ist nicht in England erschienen, sondern entstand auf Anregung des Mareverlags, der ihm zwar eine …

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" Einer solchen Wortgewandtheit, einer solchen Leidenschaft für das Meer ist man lange nicht mehr begegnet." New York Review of Books
James Hamilton-Paterson, 1941 in London geboren, Oxfordabsolvent und Mitglied der Royal Geographical Society, renommierter Journalist, Sachbuchautor, Lyriker und Romancier, schreibt u. a. für die "Sunday Times", das "Times Literary Supplement", den "New Statesman" und für die Schweizer "Weltwoche". Er lebt als freier Schriftsteller in Italien und auf den Philippinen.

Blick ins Buch "Vom Meer"


Leseprobe zu "Vom Meer" von James Hamilton-Paterson

"Das Gespenst der Sonne" (über den grünen Blitz)
Meteorologische und himmlische Ereignisse scheinen Menschen immer schon seltsam fasziniert zu haben. Je seltener das Phänomen, desto größer die Faszination. Auch heute sind viele Nichtwissenschaftler bereit, Kontinente zu durchqueren, um eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Was sie anzieht, ist nicht nur die Aussicht auf ein einmaliges Erlebnis, sondern, wie ich vermute, auch der Überrest alter abergläubischer Vorstellungen, dass es eine besondere Bedeutung habe. Unsere Welt ist so weit gezähmt und entmystifiziert, dass wir den Drang haben, die Ehrfurcht vor ihr von der Müllkippe zurückzuholen, auf die wir unsere Naturgefühle geschmissen hatten. Daher rührt auch unser wiedererwachtes Interesse am "grünen Blitz" oder "grünen Strahl".
Der grüne Blitz ist etwas, das sich gelegentlich bei Sonnenuntergängen ereignet und bestenfalls ein paar Sekunden anhält, weshalb es nicht sehr häufig beobachtet wird. Er kann in dem Moment auftreten, da die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. In der Regel zeigt sich ein smaragdgrüner heller Fleck über dem letzten Fitzelchen Sonne und hält sich dort ein, zwei Sekunden nach deren Verschwinden. In seltenen Fällen blitzt vom Ort ihres Verschwindens ein grüner Strahl auf. Ich hatte zweimal das Glück, den grünen Blitz zu sehen. Das erste Mal geschah dies 1979, als ich allein auf einer Landspitze der philippinischen Insel Palawan saß. Ich hatte damals noch nie von diesem Phänomen gehört. Da ich mir nicht sicher war, was ich gesehen hatte, erwähnte ich es nicht, denn ich befürchtete, man könnte mich auslachen und sagen, ich hätte wohl zu viel San-Miguel-Bier getrunken. Das zweite Mal war viele Jahre später an Bord eines schottischen Trawlers in der Nordsee, als ich einen Artikel zum Thema Überfischung recherchierte. Auch diesmal sagte ich nichts, da die ganze Mannschaft auf Deck mit dem Fang beschäftigt war und jeden, der die Muße hatte, einen Sonnenuntergang zu betrachten, mit gnadenlos bissigen Sprüchen eingedeckt hätte. Mittlerweile hat der grüne Blitz sogar in die Populärkultur Eingang gefunden. In dem Film "Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt" gilt er als Zeichen dafür, dass eine Seele ins Leben zurückgekehrt ist, was in diesem Fall heißt, dass Johnny Depp als Captain Sparrow aus Davy Jones' Spind herausgefunden hat. Schon 1986 gab es Éric Rohmers Film "Le rayon vert", "Das grüne Leuchten", dessen Heldin in Liebesnöten ist und als Zeichen auf den grünen Blitz hofft, von dem sie aus dem gleichnamigen Roman Jules Vernes weiß. Dass Verne 1882 um dieses Phänomen herum einen ganzen Roman schrieb, spiegelt das wissenschaftliche Interesse des 19. Jahrhunderts: Man suchte eine Erklärung für etwas, das die Menschen seit Jahrhunderten verwunderte und das bereits die alten Ägypter bemerkt hatten. Verne beschreibt die Bemühungen seiner Heldin Helena Campbell, in Schottland den seltenen grünen Blitz zu erhaschen. Doch ihr Blick auf den Sonnenuntergang wird immer wieder gestört durch Wolken oder Segelschiffe, und als es tatsächlich zu einem grünen Blitz kommt, verpasst sie ihn, weil sie genau in diesem Moment in die Augen ihres Geliebten blickt. Verne erwähnt in seinem Roman eine Legende, die besagt, dass wer den grünen Blitz gesehen hat, in der Liebe nie die falsche Wahl trifft. Ich kann dazu nur sagen: Obschon ich den grünen Blitz gleich zweimal gesehen habe, habe ich in Liebesdingen mein Leben lang katastrophal danebengegriffen. Aber das sagt über Legenden nichts anderes, als was ich bereits gewusst habe. Wissenschaftlich lässt sich der grüne Blitz erklären mit der Brechung des Lichtes der untergehenden Sonne und den Eigenheiten unseres Sehvermögens. Die Atmosphäre funktioniert wie ein Prisma, das Sonnenlicht in seine Spektralfarben aufspaltet, die in verschiedenen Winkeln gebrochen werden. Längere Wellen wie Rot werden weniger, kürzere wie Blau und Gelb dagegen stärker gebrochen.

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