Vier Äpfel - Wagner, David

David Wagner 

Vier Äpfel

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Vier Äpfel

Über die traurige Schönheit der alltäglichen Dinge.

Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat, als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: Die grünen Leuchtziffern zeigen genau 1000 Gramm. Für David Wagners Held Grund genug, zwischen Tiefkühlspinat und Feinstrumpfhosen über Leben und Liebe zu philosophieren.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 160 S.
  • Seitenzahl: 158
  • rororo Taschenbücher Bd.25274
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 115mm x 13mm
  • Gewicht: 134g
  • ISBN-13: 9783499252747
  • ISBN-10: 3499252740
  • Best.Nr.: 29850119
"Mit David Wagner ist einer der scharfsinnigsten Beobachter des Alltags wieder da." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2009

Küsse haben die Farbe von Himbeeren
David Wagners Roman „Vier Äpfel” hat nur einen Schauplatz, der aber hat es in sich: denn es ist der Supermarkt
Dieser Roman dauert ungefähr 20 Minuten. Der Held betritt den Supermarkt, in dem er immer einkauft, holt sich den Einkaufswagen, legt einige Sachen hinein, zahlt bei einer Kassiererin und verlässt den Supermarkt wieder. Alltäglicher, ausschnitthafter, belangloser kann ein gegenwärtiger Prosatext kaum daherkommen, er unterläuft jeden noch so dahingeduckten Bescheidenheitsgestus und hört nach gut 150 Seiten auch schon wieder auf. Aber gleich im ersten Satz schwingt eine untergründige Gegenbewegung mit. „Lange bin ich gar nicht gern in Supermärkte gegangen”, so heißt dieser erste Satz, und er nimmt die Tonlage und den Rhythmus des ersten Satzes aus der monumentalen „Recherche” von Marcel Proust auf, jenes „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen”, mit dem eine ganze Epoche, ein unendliches Kompendium von biographischer Vergewisserung und zeitgeschichtlicher Analyse ins Licht gerückt zu werden beginnt.
Die „Vier Äpfel” von David Wagner scheinen das genaue Gegenprogramm zu Proust zu sein. …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Federleicht geschrieben und dennoch komplex gedacht findet Hubert Winkels diesen "essayistischen Roman", den er als "gelungenen Tagtraum über Warendesign und Vanitas" beschreibt. David Wagner führt darin, wie wir lesen, in das "gut durchgearbeitete Gelände" eines ökologisch orientierten Berliner Supermarkts, wo er seinen Ich-Erzähler gleich zu Beginn die titelgebenden vier Äpfel in die Waage werfen lasse. Das präzise Gewicht des Obstes sei sozusagen Ausgangspunkt für reflektierendes Wandeln zwischen den Supermarktregalen, die Winkels zufolge durchsetzt auch von melancholischen biografischen Rückblenden des Erzählers sind. Klug und kenntnisreich würden außerdem die unterschiedlichsten Gegenstände angepriesen und mit verschiedenen emotionalen Gemengelagen assoziiert. Höchst fasziniert betritt der Kritiker über den Weg der Dinge auch Zwischenreiche von Leben und Tod, Sehnsucht und Liebe und ist schließlich beinahe trunken von der paradoxen Balance des Buchs zwischen Trance und Illusionslosigkeit.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Sammeln Sie auch die Herzen?

Auf der Suche nach dem verlorenen Reisbrei: David Wagner kauft im Supermarkt "Vier Äpfel" ein und kommt darüber ins Grübeln.

Von Martin Halter

Die Kaufhäuser, seit Zolas "Paradies der Damen" Orte dichterischer Inspiration, sind insolvent, und bei Aldi ist das Einkaufen nur prosaische Verrichtung. Warum also sollte ein Autor nicht mal in den Supermarkt gehen? Man kann sich hier wie Bolle amüsieren und wie Frau Schickedanz leiden, und selbst Kassiererinnen schreiben heute Bestseller. Zwischen Wursttheke und Leergutrückgabe warten die letzten Abenteuer und Märchen des Alltags. In den Abgründen der Kühlvitrinen, in den Schluchten der Marmeladen- und Teigwarengänge warten die Dinge nur auf das Zauberwort, das sie zum Singen oder doch an der Kasse zum Piepsen bringt. Was ist die Pizza-Theke anderes als ein Schneewittchensarg, aufgefüllt von einer Kittelfee? Supermärkte sind die Museen der Moderne, Beuys-Installationen, Schulen der Empfindsamkeit und Erinnerungspaläste.

David Wagner ist so etwas wie ihr Proust. Sein erster Satz heißt jedenfalls vielversprechend: "Lange bin ich nicht gern in Supermärkte …

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David Wagner, geboren 1971 in Andernach, veröffentlichte seit 2000 sein vielbeachtetes Romandebüt "Meine nachtblaue Hose", die Erzählungen "Was alles fehlt", zuletzt den Prosaband "Spricht das Kind". Er wurde u. a. mit dem Walter-Serner-Preis, dem Dedalus-Preis für Neue Literatur und dem Georg-K.-Glaser-Preis ausgezeichnet. David Wagner lebt in Berlin.

Kundenbewertungen zu "Vier Äpfel" von "David Wagner"

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Bewertung von Dagmar aus Fürth am 22.04.2010 ***** ausgezeichnet
Was in einem Supermarkt so an kleinen Wundern und Gefühlen drin steckt, zeigt uns dieses kurzweilige Buch.
David Wagner lässt einen Mann den Supermarkt durch 144 Kapitel hindurch erkunden und dabei auch seine Gefühle und Beziehungen zu all den Dingen erkennen. Ihm fällt das veränderte Konsumverhalten auf, Gedanken an seine Kindheit, er denkt an seine persönlichen Beziehungen, bringt sie mit den verschiedensten Produkten in Verbindung und philosophiert über die verschiedensten Nahrungsmittel.

Der ganze Roman ist mit Blick aufs Detail geschrieben, nie verliert er sich aber in lange, überflüssige, Beschreibungen, so dass man nicht versucht ist, das Buch bald wegzulegen.
Man sieht nicht nur die Welt unseres, teils doch sehr fragwürdigen, Konsumes, sondern auch, wie wir uns doch in unserem Konsum widerspiegeln, wie unser Charakter und unsere persönlichen Beziehungen sich an unserm Einkaufswagen zeigen.
Zu betonen ist noch das Bild, das David Wagner von Protagonisten aufbaut, man lernt ihn (und seinen Konsum) mit jedem Kapitel mehr kennen und lieben, weil er eben so ist, wie wir alle.

Nach der Lektüre kann man nicht mehr blind durch den Supermarkt gehen, man sieht mehr!

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