Vielen Dank für das Leben - Berg, Sibylle

Sibylle Berg 

Vielen Dank für das Leben

Roman

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Vielen Dank für das Leben

Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu groß, im Suff gezeugt. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Und doch bleibt Toto wie unberührt. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch die DDR, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Warum, fragt er sich, machen die Menschen dieses Leben noch schrecklicher, als es schon ist? Toto geht in den Westen, wo der Kapitalismus zerstört, was der Sozialismus verrotten ließ. Nur zwei Dinge machen ihm Hoffnung - das Wiedersehen mit Kasimir und sein einziges Talent: das Singen. Es führt Toto bis nach Paris. Ein wütender, schriller Roman einer großen Autorin über das Einzige im Leben, was zählt.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2012
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 400 S.
  • Seitenzahl: 400
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23970
  • Deutsch
  • Abmessung: 10mm x 10mm x 10mm
  • Gewicht: 564g
  • ISBN-13: 9783446239708
  • ISBN-10: 3446239707
  • Best.Nr.: 35728873

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Mächtig böse ist Eva Behrendt auf die Autorin Sibylle Berg. Gewiss, stilistisch ist die Autorin mit ihren spitzen Beobachtungen mittlerweile zur Meisterschaft gereift (allerdings schreibt sie nun auch "verdaulich", merkt Behrendt an) und die Lebensgeschichte des tapsig-lieben, wenn auch für den Leser unzugänglichen Hermaphroditen Toto, der, in der DDR geboren, über Zwischenstation im Kapitalismus bis hin zu einer überreglementiert-sterilen Zukunft zahlreiche Gemeinheiten seiner Mitmenschen zu erdulden hat, fügt sich gut ins an solchen gescheiterten Lebensläufen nicht arme Werk der Schriftstellerin, hält die Rezensentin Sibylle Berg ohne weiteres zugute. Auch was Berg über die jeweiligen Epochen, die Totos Lebensstationen markieren, zu sagen hat, findet noch das Wohlwollen der Rezensentin, das bei den zahlreichen, immer wieder aufs Neue in leicht gewandelter Variation geschilderten Quälereien, die die Autorin für ihre Figur in petto hält, rasch ans Ende kommt. Diese findet die Rezensentin tatsächlich unerträglich.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.08.2012

Wir sind die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen

Sibylle Berg schickt in ihrem Roman "Vielen Dank für das Leben" einen Hermaphroditen durch die deutschdeutsche Geschichte. Entstanden ist eine irritierend-faszinierende Bestandsaufnahme des Grauens.

Schlimmer kann es kaum kommen als in der Lebensgeschichte von Toto, dem wohl seltsamsten Helden in all den Büchern von Sibylle Berg und Helden der wohl bizarrsten Geschichte dieses Literatursommers. Nichts bleibt dieser Figur, die nicht Mann ist und nicht Frau, erspart - von der grausamen Kindheit im Heim bis zur Atomkatastrophe im hohen Alter. Aber davon später.

Zur Welt kommt Toto 1966, also in der Zeit etwa, die im Westen in den Sommer der Liebe und die Studentenunruhen münden wird, während sich die DDR, Totos Heimat, in erster Linie durch die Allgegenwart der Farbe Grau hervortut. Toto ist Hermaphrodit. Bei der Geburt macht man ihn durch reine Willkür zum Mann; als Erwachsener wird er sich zur Frau wandeln. Unterwegs mangelt es nicht an Boshaftigkeiten ihm gegenüber, doch Toto lässt sich durch nichts und niemanden verletzen. Und vielleicht ist gerade das die eigentliche Provokation …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2012

Ein glockenreiner Ton und lauter Niedertracht
„Ein Kind kommt auf die Welt, Pech gehabt“: Sibylle Berg macht einen messianischen Zwitter namens Toto zum Helden
ihres neuen Romans. Das Buch ist voll von bitterem Witz über den miserablen Zustand der Welt
VON BURKHARD MÜLLER
Bei manchen Schriftstellern reicht ein einziger kurzer Satz, und man weiß, mit wem man es zu tun hat. „Ein Kind kommt auf die Welt, Pech gehabt.“ Von wem könnte dieser Satz im Klappentext stammen als von Sibylle Berg? Es steckt alles drin, was diese Autorin ausmacht: ein dick aufgetragener Lakonismus, der eine tief pessimistische Sicht der Dinge mehr akzentuiert als verdeckt, welche ihrerseits aber sehr jugendlich, ja kindlich anmutet. Da ist jemand fertig mit der Welt; aber den Sarkasmus grundiert der Schmollmund. Bergs Sarkasmus ist von anderem Kaliber als beispielsweise der von Elfriede Jelinek, wo er verhärmte und hermetische Züge trägt. Sibylle Berg dagegen erzählt mit dem Ton eines Kindes, welches es nicht fassen kann, dass ihm jemand seinen Teddybär gestohlen hat. Ihm liegt der Ausruf auf der Zunge: Das ist gemein! Aber dann beißt es so gut es kann die Zähne …

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Berg schreibt witzig über die traurige Existenz der Menschen, anrührend über das trostlose Dasein und aggressiv liebevoll gegen eine düstere Welt. Steffen Martus, Frankfurter Rundschau, 12./13.01.13 Eigentlich leuchtet aus nahezu jedem Kapitel mindestens eine Formulierung hervor, die so großartig und surreal und zugleich von besonderer Zartheit ist (...) von den Bildern des Bergschen Szenarios geht eine Intensität aus, die in aller Drastik und obskurer Schönheit Vergleiche suchen muss. Andrea Hannah Hünniger, Die Zeit, 18.10.12 Ein Wunderwerk aus klugen Exkursen und brillanten Bonmots. Wolfgang Höbel, Der Spiegel, Heft 31/12 "Eine Ode an die Individualität (...)" Stern, 27.07.12 Die Schriftstellerin erzählt dieses Trauerspiel in ihrem so unverwechselbaren Sound aus Zynismus, Anklage und subtilem Witz. Sibylle Berg hat ein schonungsloses Buch geschrieben. Eines, das irritiert und extrem fasziniert. Focus, 08.10.12 Sibylle Berg scheidet Gut und Böse, kurz vor dem jüngsten kapitalistischen Gericht. Das ist kein Roman, das ist ein Manifest. Jan Küveler, Die Welt, 28.07.12 Vielen Dank für das Leben ist ein furios geschriebenes Plädoyer für Andersartigkeit. Regula Freuler, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 30.09.12 Sibylle Berg scheidet Gut und Böse, kurz vor dem jüngsten kapitalistischen Gericht. Das ist kein Roman, das ist ein Manifest. Jan Küveler, Die Welt, 28.07.12 Sibylle Berg hat das Pfui Welt von Bußpredigern wie Abraham de Sancta Clara (...) aber auch den vorgeblichen Zynismus eines Voltaire. (...) Sie hat diese Haltung in die Gegenwart gebeamt und mit dem Grundrauschen unserer Tage verbunden - medialem, modischem, pseudowissenschaftlichen Gerede. (...) Das Ergebnis ist ziemlich speziell und einzigartig. Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 30.07.12 Sibylle Berg schafft mit ihrem Protagonisten Toto eine der ungewöhnlichsten und berührendsten Gestalten der Gegenwartsliteratur. Rainer Moritz, Deutschlandradio, 07.08.12
Sibylle Berg, geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar, gilt seit ihrem Debüt-Roman "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" als Übermutter der jungen deutschen Literatur. Darauf könnte sie verzichten. Neben Büchern schrieb die überzeugte Kettenraucherin Theaterstücke und Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz, darunter "Das Magazin" (Zürich), "Allegra" (Hamburg) und das "Zeit-Magazin". 2008 erhält sie den Wolfgang-Koeppen-Preis.Sibylle Berg lebt in Zürich.

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Bewertung von Lorelei3000 aus Berlin am 09.03.2013 ***** ausgezeichnet
Ein hartes, zynisches, zärtliches, trauriges, lebensbejahendes, lustiges, messerscharfes, episches, poetisches, melodramatisches und vor allem kluges Buch. Eine Art Gegenentwurf zu Günter Grass' "Blechtrommel", spiegelt sich hier im Schicksal von Toto, einer fast 2 Meter großen Trans-/Inter-Sexuellen, die Geschichte von BRD und DDR von 1966 bis 2030 (sic!) - über Versprechen, die sich zu erfüllen scheinen, Sehnsüchte, die unerfüllbar scheinen, Liebe, die zu Hass umschlägt, die Wut der Bürger und Scheitern des (sozialen, europäischen) Kapitalismus. Vor allem aber auch eine große Verbeugung vor den Frauen/der Frau ansich. - Hm. - Klingt in der Beschreibung vielleicht ein wenig akademisch, aber ähnlich wie als Jugendliche seinerzeit den Roman von Grass habe ich auch dieses Buch beinahe fiebrig verschlungen und in einem Zug durchlesen müssen, gefesselt wie von einem Thriller, der "unser aller" Alltag ist. - Kann nicht verstehen, warum dieses Buch nicht bereits auf Nr. 1 der Bestsellerliste ist. Pflichtlektüre. (und keineswegs "schrill", wie manchmal zu lesen - darin klingt genau jene angebliche Hysterie der Frauen an, die hier auch verhandelt wird.)

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